Riedls Dax-Radar: Die Aktienrally geht weiter

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Kolumne von Anton Riedl

Die Aussagen von EZB-Präsident Draghi beflügeln weiter die Fantasie der Anleger. Die Aussicht auf noch niedrigere Zinsen und gute Unternehmensergebnisse treibt die Kurse. Besonders Daimler und Deutsche Bank profitieren.

Die flauen Wirtschaftsdaten in Europa führen dazu, dass die EZB wieder einmal über noch expansivere Maßnahmen laut nachdenkt. Das wirkt sich an den Börsen umso stärker aus, da über lange Monate die Angst vor der Zinswende umging. Mit ihr werden und wurden alle möglichen Untergangsszenarien begründet: Von der Abschnürung der Unternehmen bis zur Kreditklemme hochverschuldeter Häuslebauer.

Nun aber sieht es danach aus, dass der Zinsanstieg im Frühjahr (der auch an dieser Stelle mit Sorgenfalten betrachtet wurde) nur ein Intermezzo war. Am Kapitalmarkt haben die Renditen schon vor einigen Wochen wieder gedreht. Parallel dazu ist der Euro bei der Marke von 1,15 gegenüber dem Dollar abgeprallt und hat ebenfalls Boden verloren. Diese Entwicklung hat sich nach Bestätigung des expansiven Kurses durch die EZB noch beschleunigt.

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Der Instrumentenkasten der EZB

  • Die EZB soll's richten

    Wieder einmal blicken alle in der Euro-Schuldenkrise gebannt nach Frankfurt: die Europäische Zentralbank (EZB) soll es im schlimmsten Fall richten, mit ihrem Waffenarsenal intervenieren und so die Märkte beruhigen.

  • Die Mittel der EZB

    Zwar streiten sich Fachleute und auch die Notenbanker darüber, wie effektiv, nachhaltig und sinnvoll weitere Eingriffe der Geldpolitik sein könnten. Fest steht aber: die EZB verfügt als einzige Institution über einen gut gefüllten und theoretisch sofort verfügbaren Instrumentenkasten, um angeschlagenen Banken unter die Arme zu greifen, Institute im Falle eines Bank-Runs mit neuem Geld zu schützen und durch ihre Finanz-Feuerkraft wenigsten für eine begrenzte Zeit wieder für Ruhe an den Börsen zu sorgen.

  • Liquiditätssalven für das Finanzsystem

    Vor dem Wahlsonntag in Athen verdichten sich die Hinweise, dass die großen Notenbanken der Welt gemeinsame Sache machen und die Märkte mit Geld fluten könnten. Eine solche konzertierte Aktion der Zentralbanken gab es schon einmal - Anfang Oktober 2008, kurz nach dem Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers, als weltweit die Finanzströme zu versiegen drohten.
    In der aktuellen Krise rund um die Überschuldung Griechenlands und anderer südeuropäischer Länder hat bislang nur die britische Notenbank angekündigt, dass sie gemeinsam mit dem Finanzminister in London ihren Bankensektor zum Schutz vor aus Griechenland überschwappenden Problemen mit 100 Milliarden Pfund fluten will. Am Freitag sorgte die Aussicht auf eine gemeinsame Intervention der Zentralbanken zunächst für bessere Stimmung an den Märkten.

  • Senkung des Leitzinses unter 0,75 Prozent

    Aktuell steht der Leitzins der EZB bei 0,75 Prozent. Die Notenbank kann natürlich jederzeit an dieser in normalen Zeiten wichtigsten Stellschraube drehen. Es wäre ein historischer Schritt: Noch nie seit Bestehen der Währungsunion lag der Schlüsselzins für die Versorgung des Finanzsystems mit frischer Liquidität niedriger.
    Allerdings nimmt der Spielraum der EZB mit jeder weiteren Leitzinssenkung ab - schließlich rückt damit die Nulllinie unausweichlich immer näher. Fachleute erwarten, dass die Zentralbank mit weiteren Zinssenkungen so lange wartet wie nur möglich, um für den Fall echter Verwerfungen an den Finanzmärkten, wie sie etwa bei einem Austritt der Griechen aus der Euro-Zone drohen würden, noch Munition zu haben.

  • Absenken des Einlagezinssatzes auf Null

    Um den Geldmarkt wiederzubeleben und die Banken zu ermuntern mehr Geld in den Wirtschaftskreislauf zu geben, könnte die EZB den sogenannten Einlagezinssatz auf null Prozent kappen. Dieser Zins liegt aktuell bei 0,25 Prozent. Das bedeutet, dass Banken, die keiner anderen Bank mehr trauen, immerhin noch Geld dafür bekommen, wenn sie überschüssige Liquidität bei der EZB parken. Bei einem Einlagezinssatz von einem Prozent entfiele der Anreiz dies zu tun. Doch ob die Banken der EZB den Gefallen tun oder das Geld dann lieber horten, ist fraglich. Aktuell parken sie jedenfalls knapp 800 Milliarden Euro in Frankfurt.

  • Weitere Langfrist-Refinanzierung der Banken

    Im Dezember und im Februar ist es der EZB gelungen, mit zwei jeweils drei Jahre laufenden Refinanzierungsgeschäften die Gemüter der Banker wenigstens für eine Zeit lang zu beruhigen. Damals sicherten sich die Geldhäuser insgesamt rund eine Billion Euro bei der Zentralbank zum Billigtarif von nur einem Prozent.
    Einige Experten glauben, dass weitere langlaufende Geschäfte dieser Art das durch die Unsicherheit über die Zukunft der Euro-Zone untergrabene Vertrauen wieder zurückbringen könnten. Die Banken, die sich um den Jahreswechsel bei der EZB bedient haben, sind allerdings ohnehin bis mindestens Ende 2014 abgesichert. Außerdem kann jede Bank darüber hinaus bei den wöchentlichen Hauptrefinanzierungsgeschäften der Notenbank aus dem Vollen schöpfen.

  • Weitere Erleichterungen für das Bankensystem

    Damit den Banken die Sicherheiten nicht ausgehen, die diese als Pfand bei den Refinanzierungsgeschäften mit der Notenbank stellen müssen, kann die EZB weitere Erleichterungen bei den Anforderungen beschließen. Sie kann dabei auch selektiv nach Ländern vorgehen, um gezielter zu helfen. Allerdings sind Erleichterungen bei den Sicherheiten immer auch ein Politikum, weil dadurch die Risiken steigen, die die Zentralbank durch die Refinanzierung in ihrer Bilanz ansammelt. Im Fall der Fälle müssten diese von den Steuerzahlern der Mitgliedsländer getragen werden.

  • Erneuter Start der Staatsanleihenkäufe

    Die EZB hat seit Mai 2010 Staatsanleihen hoch verschuldeter Euro-Länder für mehr als 200 Milliarden Euro gekauft. Das im Fachjargon SMP (Securities Markets Programme) genannte Programm ist wegen seiner möglichen Nebenwirkungen in Deutschland und einigen anderen nord- und mitteleuropäischen Ländern umstritten. Es ruht derzeit, kann allerdings jederzeit wieder vom EZB-Rat in Kraft gesetzt werden.
    Ob es allerdings noch seine erhofften positiven Wirkungen am Bondmarkt entfalten kann, ist unklar. Wegen der Erfahrungen bei der Umschuldung Griechenlands im Frühjahr dürften wenige private Investoren wie Banken oder Versicherungen der EZB folgen und wieder in den Markt gehen, weil sie fürchten, dass die Zentralbank erneut einen Sonderstatus als Gläubiger durchsetzen könnte, wie sie es im Fall Griechenland getan hat.

  • Zusätzlicher Kauf anderer Wertpapiere

    Theoretisch kann die EZB neben Staatsanleihen auch andere Arten von Wertpapieren kaufen und auf diese Weise Geld schaffen: zum Beispiel Bankschuldverschreibungen, Aktien und Unternehmensanleihen. Während der Ankauf von Bank Bonds eine durchaus denkbare Möglichkeit wäre, Liquidität bei den Banken zu schaffen, scheinen andere Wege wenig erfolgversprechend. So könnte die EZB wohl schlecht erklären, warum sie etwa Aktien von Banken kauft, nicht aber von Auto- oder Chemiekonzernen. Oder sie setzt sich dem Verdacht aus, der einen Bank mehr Aktien abzukaufen als anderen oder zum Beispiel spanische Institute deutschen oder österreichischen Banken vorzuziehen.

  • Weitere Reduzierung der Mindestreserveanforderung

    Theoretisch kann die EZB auch ihre Anforderungen an die Mindestreserve der Banken, die diese bei ihr halten müssen, absenken. Sie hat dies um den Jahreswechsel bereits getan und den Satz ihrer gesamten Einlagen, den jede Geschäftsbank bei ihr parken muss, von zwei auf ein Prozent halbiert. Dadurch hatte sie damals eine Summe von rund 100 Milliarden Euro für die Banken freigemacht. Ein solcher Schritt würde es für Banken in Südeuropa, die wohl am ehesten unter einer Kapitalflucht leiden würden, leichter machen, Mittel flüssig zu halten.

Dabei kann es noch in diesem Jahr konkret werden. Im Dezember könnte die EZB eventuell den Einlagensatz weiter senken, das Volumen der Anleihekäufe erhöhen oder die Kaufaktionen über den September hinaus verlängern. Die Tür dahin hat Draghi nun geöffnet. Er muss nicht alle Maßnahmen umsetzen, doch es wäre verwunderlich, wenn es im Dezember zu keinem einzigen Zinsschritt käme.

Für die Aktienmärkte ist das ein wichtiger Rückhalt, der zudem in das saisonale Muster passt: Danach ist der September der schwächste Monat, Oktober und November findet eine Stabilisierung statt, die dann Dezember bis Januar in die Jahresendrally mündet.

Die US-Börsen schieben zusätzlich

Im August hatte der Rückschlag an den amerikanischen Börsen zu einem wesentlichen Teil dazu beigetragen, auch die europäischen Aktienmärkte zu drücken. Seit einigen Wochen indes wird immer offensichtlicher, dass die US-Börsen nicht nachhaltig nach unten drehen.

EZB Lockere Geldpolitik beruhigt nervöse Weltbörsen

Während sich die internationalen Finanzmärkte für eine Zinserhöhung in den USA wappnen, wird die EZB zur wichtigsten Gegenspielerin der Fed. Das lässt den Stress bei internationalen Investoren sinken.

Während bei der Fed eine Zinserhöhung ansteht, bleiben die Zinsen in der EZB niedrig Quelle: REUTERS

Ausschlaggebend dafür ist die neue Richtung der Zinspolitik. In dem Moment, in dem die schwachen Arbeitsmarktdaten in den USA nur noch eine verhaltene Konjunktur signalisierten, verflog die Angst vor der Zinswende. Zwar ist das Thema nicht für alle Zeiten abgehakt, doch zumindest bis in den Dezember hinein sollte es von der Fed keine Querschüsse geben.

Die Unternehmenszahlen passen dazu. Die Erwartungen an das dritte Quartal waren zuletzt ziemlich pessimistisch. Nun zeigen gerade große Werte wie Microsoft, dass es sehr wohl möglich ist, in wackligen Zeiten gute Gewinne zu machen. Seitdem sich der Ölpreis wieder stabilisiert hat, ziehen auch die Energiekonzerne im Dow nach oben. Seit August hat Exxon fast 20 Prozent gut gemacht. Und dass ein Klassiker wie McDonald’s wieder einmal ein neues Hoch schafft, ist natürlich auch ein gutes Zeichen für den Gesamtmarkt.  

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