Riedls Dax-Radar: Die maue Wirtschaft ist gut für die Börsenkurse

kolumneRiedls Dax-Radar: Die maue Wirtschaft ist gut für die Börsenkurse

Kolumne von Anton Riedl

Die Wirtschaft wächst verhalten, doch das hilft den Aktienkursen. Zusätzlicher Schub kommt von technologischen Mega-Trends, von denen immer mehr Unternehmen beflügelt werden.

Dass die amerikanische Notenbank die Leitzinsen unverändert lässt, verwundert nicht. Dennoch sind die Aktienmärkte als Reaktion darauf zunächst kräftig gestiegen: Etwas deutlicher in Europa und speziell im Dax, nicht ganz so dynamisch in den Vereinigten Staaten. Offensichtlich sind die Märkte von der Linie der Notenbank angetan, oder anders ausgedrückt: Insgeheim hat der eine oder andere vielleicht doch eine Zinserhöhung befürchtet.

Nun, für die Zeit nach der Präsidentschaftswahl im November, ist wieder alles offen. Die Fed bleibt bei ihrer Linie: Wenn die Wirtschaftsdaten dafür sprechen, dann wird sie die Zinsen erhöhen. Die nächste Möglichkeit hätte sie im Dezember. Doch, und das lässt sich zwischen den Zeilen lesen, ob die Wirtschaft in den USA dann wirklich so robust ist, wird immer zweifelhafter.

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Seit Wochen mehren sich die Anzeichen dafür, dass nicht nur die amerikanische Wirtschaft, sondern weltweit die Konjunktur abflaut. Jüngste Prognoseherabsetzungen kommen von der OECD, die dafür unter anderem den Brexit verantwortlich macht. Auch sie warnt vor einer geringeren Dynamik in Europa und Amerika.

Stelter strategisch Die Notenbanken haben sich in die Ecke manövriert

Tiefe Zinsen sollten die Wirtschaft ankurbeln, haben aber nur die Finanzmärkte aufgebläht. Kein Wunder, dass die Notenbanken davor zurückschrecken, die Blase, die sie aufgepumpt haben, zum Platzen zu bringen.

Sicherheitsbeamter vor einem Bilder der US-Notenbank Federal Reserve Quelle: REUTERS

Dramatisch ist die Wirtschaftsschwäche noch nicht, völlig vom Tisch sind Zinserhöhungen keineswegs. Dennoch, nachdem die Notenbank selbst in den vergangenen, besseren Monaten nicht an der Zinsschraube gedreht hat, dürfte sie es erst recht dann nicht tun, wenn sich das Umfeld eintrübt.

Das wahrscheinlichste Szenario besteht darin, dass es ein Wachstum auf kleiner Flamme gibt, vielleicht nur 0,5 Prozent bis 1,0 Prozent pro Jahr. Dieses Umfeld wird die Zinsen am Boden halten und allenfalls kurzfristige Sprünge zulassen, die aber schnell wieder ausgeglichen werden. Eine echte Zinswende ist in diesem Umfeld wenig wahrscheinlich.

Neues Hoch im Nasdaq-Index

Zu den wichtigsten Stabilisatoren der weltweiten Aktienmärkte gehören derzeit die großen amerikanischen Technologieunternehmen. Apple, Microsoft, Google, Amazon oder Facebook sind mittlerweile nicht nur vom Börsenwert schwerer als die meisten Dow-Klassiker. Sie legen in den meisten Fällen auch eine Wachstumsdynamik an den Tag, die immer unabhängiger von der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung wird. Und genau das spiegelt sich in der wichtigsten Technologiekurve wider, dem Nasdaq-100-Index.

Mehrmals hat die WirtschaftsWoche in den vergangenen Monaten auf die brisante Situation im Nasdaq-Index gewiesen: Später als viele andere Indizes hat die Nasdaq-Kurve, die ihr altes Hoch in der Jubel-Hausse 2000 am 24. März bei 4816 Punkten im Tagesverlauf hatte, ein neues Hoch geschafft. Gestern (Donnerstag, 22. September 2016) ist sie bis auf 4891 Punkte gestiegen. Das ist nach der klassischen Drei-Prozent-Regel noch nicht nachhaltig, dennoch spricht die Dynamik dafür, dass sich Technologieaktien nun neues Terrain erschließen.

Hauptgrund dafür ist, dass die führenden Unternehmen in einer aussichtsreichen und zum Teil hochdynamischen Entwicklung stehen. Mehrere große Wachstumstrends kommen zusammen: Digitalisierung, Internet der Dinge, Social Media, Onlinehandel, Big Data, neue Mobilität – und mittendrin stehen die Protagonisten, von Alphabet bis Microsoft, von Amazon bis Facebook.

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