Riedls Dax-Radar: Die Risiken im Dax nehmen zu

kolumneRiedls Dax-Radar: Die Risiken im Dax nehmen zu

Kolumne von Anton Riedl

Die Unentschiedenheit der amerikanischen Notenbank und mögliche Gewinnenttäuschungen deutscher Unternehmen drücken die Kurse.

Nun hat Janet Yellen die Zinsen wieder nicht erhöht. Seit fast sieben Jahren sind die Fed-Funds  praktisch bei Null Prozent. Und Yellen war nicht allein mit ihrem Votum, fast die gesamten Fed  hat die Entscheidung getragen.

Begründet wurde der Beschluss mit einem Arbeitsmarkt in den USA, der sich zwar in die richtige Richtung entwickelt, aber noch nicht die innere Stabilität erreicht habe, die sich die Fed wünscht. Zum zweiten hätte die Fed gern etwas mehr Inflation. Das aber ist, vor allem wegen niedriger Energiepreise, derzeit kein Thema. Also lässt sie die Zinsen auf Rekordtief. Ist damit nun die allseits erwartete Zinserhöhung nur auf Dezember verschoben, dem Zeitpunkt der nächsten großen Fed-Zusammenkunft?

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Stichwort: Die schwärzesten Tage für den Dax seit 1987

  • Hintergrund

    Frankfurt, 24. Aug (Reuters) - Die Furcht vor einem deutlichen Konjunktureinbruch in China hat die Aktienmärkte am Montag auf Talfahrt geschickt. Der Frankfurter Leitindex Dax rutschte erstmals seit Mitte Januar wieder unter die Marke von 10.000 Punkten, zeitweise fiel er um bis 3,6 Prozent auf 9760 Zähler.

    Eindeutige Kriterien für einen Crash gibt es nicht - außer Panik, hohe Umsätze und hohe Verluste. Beim bislang größten Börsenkrach der Nachkriegszeit am 19. Oktober 1987, als Spekulationen auf Zinserhöhungen den Dow-Jones-Index an der Wall Street um 23 Prozent einbrechen ließ, gab es den Dax noch nicht. Er wurde erst am 1. Juli 1988 erstmals berechnet.

    Im folgenden eine Übersicht über die prozentual höchsten Verluste des Dax seither:

    DIE 1990er JAHRE UND DIE ANSCHLÄGE VON 9/11

  • 16. Oktober 1989

    Der Dax fällt um rund 13 Prozent und folgt damit der Wall Street, wo Finanzierungs-Schwierigkeiten bei einem Unternehmensverkauf einen Ausverkauf auslösten.

  • 19. August 1991

    Ein später gescheiterten Putsch gegen den damaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow drückt den Dax um gut neun Prozent ins Minus.

  • 20. Oktober 1997

    Im Sog der Asienkrise sackt der Dax im Handelsverlauf um bis zu 13 Prozent ab und schließt mit 3567 Punkten acht Prozent niedriger.

  • 1. Oktober 1998

    Die Angst vor einem Flächenbrand im Bankenwesen nach der Schieflage eines Hedgefonds in den USA und einer Eskalation der Krisen in Asien, Japan, Lateinamerika und Russland drücken den Dax um acht Prozent ins Minus.

  • 11. September 2001

    Nach den Terroranschlägen in den USA fällt der Dax um neun Prozent.

  • Finanzkrise 2008

    Sie hinterlässt tiefe Spuren im Dax.

  • 21. Januar 2008

    Angst vor einer Rezession in den USA drückt den Dax um sieben Prozent auf 6790 Punkte ins Minus. Bei der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers am 15. September kommt er aber glimpflich davon und verliert nur moderate 2,7 Prozent.

  • 6. Oktober 2008

    Für den Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate muss binnen einer Woche ein zweites Rettungspaket geschnürt werden. Der Dax verliert sieben Prozent.

  • 8. Oktober 2008

    Im Sog der Finanzkrise stürzt der Nikkei -Index um über neun Prozent ab. Der Dax verliert bis zu neun Prozent. Nach einer konzertierten Zinssenkungsrunde der großen Notenbanken erholen sich die Kurse nur leicht. Der Dax schließt mit einem Minus von sechs Prozent.

  • 10. Oktober 2008

    Rezessionsängste angesichts der Finanzkrise drücken den Nikkei-Index um zehn Prozent. Der Dax verliert ebenfalls sieben Prozent.

  • 24. Oktober 2008

    Ein erneuter Absturz der Tokioter Börse drückt den Dax in der Spitze um über elf Prozent.

  • 8. August 2011

    Nachdem die USA bei der Ratingagentur Standard & Poor's ihre Bestnote als Kreditnehmer verlieren, brechen die Kurse ein: Der Dax verliert rund fünf Prozent.

  • 5. September 2011

    Die Furcht der Anleger vor einer weltweiten Rezession und einer Ausweitung der Schuldenkrise in der Euro-Zone drückt den Dax um 5,3 Prozent ins Minus.

  • 1. November 2011

    Der Dax verliert rund fünf Prozent. Auslöser ist die überraschende Ankündigung einer Volksabstimmung in Griechenland über ein Rettungspaket.

  • 29. Juni 2015

    Das Scheitern der Gespräche zur Lösung der Schuldenkrise in Griechenland und die überraschende Ansetzung einer Volksabstimmung über die Forderungen der Gläubiger drückt den Dax gleich im frühen Handel um 4,6 Prozent auf 10.964,24 Punkte.

Auch hier gibt es keine sicheren Signale. Es ist durchaus möglich, dass die Fed selbst im Dezember nichts unternimmt. Die bisher gültige Grundtendenz, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis die Zinsen rauf müssen, wird damit von einer neuen Offenheit abgelöst.

Endlos verlängerter Ausnahmezustand

Für die Märkte ist der Effekt dieser Entscheidung sehr gemischt. Zunächst ist es unter kurzfristigem Blickwinkel positiv, wenn das Zinsniveau niedrig bleibt und die Fed Flexibilität signalisiert. Andererseits, so eindeutig positiv ist das selbst für die Aktienmärkte nicht mehr. Denn mittlerweile gibt es immer mehr Investoren, die nichts gegen Zinsen hätten, die der wirtschaftlichen Normalität zumindest etwas näher kämen.

Mehr noch: Dass der Ausnahmezustand ad infinitum verlängert wird, kann man sogar als Beunruhigung auffassen: Wie fragil muss der Zustand der Wirtschaft sein, wenn die Zinsen noch immer so extrem niedrig gehalten werden?

Mit ziemlicher Sicherheit hat die Notenbank hier vor allem die schwache Entwicklung in den Schwellenländern vor Augen, besonders die Risiken in China. Und es passt ihr natürlich überhaupt nicht, dass die meisten Währungen gegenüber dem Dollar in den vergangenen Monaten so deutlich verloren haben.

Am Tag der US-Zinsentscheidung ist es plötzlich vorbei mit der Gelassenheit der Börsianer. Der Dax pendelt nervös um den Schlusskurs von gestern. Aus dem Fenster lehnen möchte sich vor der Notenbankentscheidung heute Abend niemand mehr.

Unterm Strich ist die Wirkung der neuen Offenheit in der Zinstendenz also keineswegs so kurstreibend, wie es nach der klassischen Lehre seit könnte, nach der niedrige Zinsen automatisch hohe Kurse bedeuten.

Dow gefährlich in der Schwebe

Aus diesem Grund fiel auch die Reaktion an Wall Street nüchtern aus. Im Tagesverlauf direkt nach der Nicht-Entscheidung am Donnerstag (17. September) entstand ein sehr negatives Kurbild. Die Notierungen endeten nach einem hektischen Verlauf deutlich unter dem Tageshoch und dem Tagesanfang. Ein solches Kursbild ist umso gefährlicher, wenn es nach einer mehrwöchigen Konsolidierung eintritt – wie jetzt, nachdem der Dow ungefähr die Hälfte seines August-Abschlags wettgemacht hat.

Und es ist nicht nur die Indexkurve, die unter Druck kommt. Der gesamte US-Aktienmarkt ist angeschlagen. Von 30 Dow-Werten notieren 24 unterhalb der 200 Tagelinie. Das sind 80 Prozent und damit weiterhin, wie schon seit mehreren Wochen, unter mittelfristigem Blickwinkel eine dynamische Abwärtsbewegung.

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