Riedls Dax-Radar: Drei Warnsignale für sommerliche Börsengewitter

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Anleger sollten sich in den nächsten Monaten auf häufigere Kurskorrekturen gefasst machen.

Kolumne von Anton Riedl

Die großen Trends an den Aktienmärkten sind intakt. Dennoch sollten sich Anleger in den nächsten Monaten auf häufigere Kurskorrekturen gefasst machen.

Bis zu 29,80 Euro wurde bisher am vorbörslichen Graumarkt für die Aktie des Online-Lieferdienstes Delivery Hero bezahlt. Delivery ist zwar kein Dax-Wert, dennoch ist der Börsenstarter mit einer Marktkapitalisierung von gut fünf Milliarden Euro (die sich aus diesem Preis bei einer Aktienzahl von 172 Millionen Stück ergibt) ein Schwergewicht. Geht es nach den führenden Banken, ist die Nachfrage nach dieser Aktie richtig lebhaft. Immerhin liegen die grau gehandelten Kurse deutlich oberhalb der Zeichnungsspanne von 22 bis 25 Euro.

Es sieht also ganz danach aus, dass Anleger fünf Milliarden Euro für ein Unternehmen bezahlen, das im vergangenen Jahr nicht einmal 300 Millionen Euro Umsatz gemacht hat und gleichzeitig 95 Millionen Verluste. Wenn es gut geht, könnten es in diesem Jahr 450 bis 500 Millionen Euro Umsatz werden. Ob Delivery nun echte Gewinne schafft, ist fraglich, vor allem fürs Marketing fallen hohe Kosten an.

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Ein Substanzwert ist Delivery auch nicht. Zwar stehen nominell an die 50 Prozent Eigenkapital in der Bilanz und durch den Börsengang und die Kapitalerhöhung dürfte noch einiges dazukommen. Dennoch ist das vor allem die Folge von Firmenwerten und Markenwerten. Da aber stecken Abschreibungsrisiken drin, wenn das operative Geschäft nicht wie erwartet läuft.

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Erstes Problem für die Börse: Es gibt Zeichen der Überspekulationen

Eine zehnfache Umsatzbewertung bei fraglicher Substanz und operativen Verlusten – das erinnert an die Hochzeiten der Jubelhausse um 2000. Wer damals auf echt verdiente Gewinne und reales Eigenkapital pochte, galt als Gestriger, der die Zeichen der neuen Zeit nicht erkannt habe. Nun, auch jetzt bekommen wir von aufstrebenden Jungunternehmern zu hören, dass es altmodisch sei, sich auf so etwas wie Nettogewinne oder KGVs zu kaprizieren.

Es ist durchaus möglich, dass junge Börsenstarter, die wie Delivery heute noch Verluste schreiben, in Zukunft die nächsten Amazons werden. Amazon machte um 2000 auch Verluste, hatte nach klassischen Vorstellungen eine miserable Bilanz und eine Bewertung, die den damals üblichen Rahmen bei weitem sprengte. Und dennoch wurde daraus eine der größten Erfolgsgeschichten der Börse.

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Allerdings, gern wird bei dieser Geschichte vergessen, dass auch Amazon an der Börse eine herbe Entwicklung hinter sich hat. In der Baisse von 2000 bis 2001 hat die Aktie 90 Prozent ihres Werts verloren. Selbst die Aktien der besten Unternehmen gehen an der Börse in die Knie, wenn es nach einer überzogenen Hausse eine scharfe Bereinigung gibt.

Für die aktuelle Börsensituation heißt das: Der Run auf neue Aktien zeigt mittlerweile Züge eines heiß gelaufenen Marktes. Auch wenn es keinen Automatismus gibt, dass es wieder so wie nach der Jahrtausendwende laufen muss, ist eine solche Überspekulation ein Warnsignal, das kein Anleger auf die leichte Schulter nehmen sollte.

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