Riedls Dax-Radar: Gute Basis für steigende Kurse

kolumneRiedls Dax-Radar: Gute Basis für steigende Kurse

Kolumne von Anton Riedl

Die Aussicht auf eine politische Lösung der Griechenland-Krise und der Mix aus niedrigen Zinsen, billigem Öl und schwachem Euro beflügeln deutsche Aktien.

Die Zinsen in Europa bleiben unten, die Hilfsgelder nach Griechenland fließen üppiger als erwartet, und in den nächsten Wochen wird um eine Schuldenerleichterung diskutiert. Vom einem Kapitalschnitt ist bisher zwar nicht die Rede, doch je weiter die Laufzeiten gestreckt werden, desto eher kommt dies einem Schnitt gleich.

Griechische Staatsanleihen mit vier Jahren Restlaufzeit notieren noch immer um 70 Prozent. Bei zehn Jahren Restlaufzeit sind es 55 Prozent. Hierin steckt noch eine ganze Portion Hoffnung, dass es für Griechenland unterm Strich letztlich doch zu einer verträglichen Lösung kommt – und für die Gläubiger nicht zu einem Totalausfall.

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Das alles ist nichts anderes als eine politische Lösung. Ökonomische Argumente wurden zwar ausgetauscht. Doch entscheidend ist, dass Deutschland als mächtigstes europäisches Land die EU und den Euro zusammenhalten will. Den Preis dafür teilen sich im Grunde Griechen und Deutsche. Die Griechen müssen nun stärker als gewollt auf Reformen eingehen, und die Deutschen werden letztlich doch etliche Milliarden in den Wind schreiben können.

Janet Yellen US-Notenbankchefin fasst baldige Zinswende ins Auge

Notenbankchefin Janet Yellen zeigte sich vor dem Kongress optimistisch. Die Konjunkturerholung könnte eine Zinserhöhung noch in diesem Jahr ermöglichen. Es wäre die erste seit neun Jahren.

Notenbank-Chefin Janet Yellen Quelle: AP

Dax ist robuster als das Nervenkostüm der öffentlichen Meinung

Für die Märkte ist dies jedoch überhaupt keine Überraschung. Wenn man die kurzfristige Hektik ausblendet, ist der Dax während der gesamten Krise stabil zwischen 11.000 und 12.000 Punkten geblieben. Die Finanzwerte, die naturgemäß unter möglichen Ausfällen stärker leiden, sind zwar in die Defensive geraten. Doch eine echte, substanzielle Schwäche wie etwa vor dem Lehman-Crash gab es dieses Mal keineswegs.

An der Bedeutung der Griechenlandkrise hat sich für die Märkte durch die jüngste Entwicklung nichts geändert. Die Krise führt dazu, dass die Zinsen in der EU niedrig bleiben und der Euro deshalb abdriftet. Dass gleichzeitig, wie EZB-Chef Mario Draghi soeben festgestellt hat, die wirtschaftliche Entwicklung Schritt für Schritt vorankommt und sogar gegen Ende des Jahres die Inflation etwas höher liegen könnte, ist ebenfalls eine gute Mischung. Von europäischer Seite ist das positive Szenario für die Aktienmärkte voll und ganz intakt.

Funkt nun die Fed dazwischen?

Mit deutlichen Worten bereitet Janet Yellen die Märkte auf eine Zinserhöhung in den nächsten Monaten vor. Trotz der weltweiten Krisen entwickle sich die amerikanische Wirtschaft gut, vor allem der für die Zinspolitik wichtige Arbeitsmarkt. Sollte dieser Trend in den nächsten Wochen anhalten, dann wird es wohl zur ersten administrativen Zinserhöhung seit 2008 kommen.

Biografische Daten der Fed-Chefin

  • Name

    Janet L. Yellen

  • Alter und Geburtsort

    67 Jahre; Brooklyn, New York

  • Ihre Vision

    „Ich hoffe und vertraue darauf, dass die Tage des 'Niemals-Erklärens, Niemals-Entschuldigens' für immer vorbei sind und dass die Federal Reserve es fortsetzt, die Früchte des deutlichen Erklärens ihrer Handlungen gegenüber der Öffentlichkeit zu ernten.“ (Janet Yellen bei einer Rede vor der Gesellschaft amerikanischer Wirtschaftsredakteure und Autoren am 4. April 2013)

  • Ausbildung

    Bachelor-Abschluss in Wirtschaftswissenschaften von der Brown University (US-Staat Rhode Island, 1967); Doktor in Wirtschaftswissenschaften von der Yale University (US-Staat Connecticut, 1971)

  • Berufserfahrung

    Seit 2010 stellvertretende Präsident der Fed; von 2004 bis 2010 Präsidentin der Federal Reserve Bank of San Francisco; von 1997 bis 1999 Vorsitzende des Rats der Wirtschaftsberater des Weißen Hauses (Council of Economic Advisers); von 1994 bis 1997 Mitglied des Federal Reserve Board of Governors; von 1980 bis 1994 Lehrkraft an der University of California, Berkeley; von 1978 bis 1980 Dozentin an der London School of Economics and Political Science; von 1977 bis 1978 Ökonomin bei der Federal Reserve; von 1971 bis 1976 Assistenzprofessorin an der Harvard University.

  • Familie

    Verheiratet mit George A. Akerlof, Wirtschaftsnobelpreisträger und Professor an der kalifornischen Berkeley-Universität; ein Sohn: Robert Akerlof

An den amerikanischen Anleihemärkten hat diese Nachricht keine neuen Spuren hinterlassen. Die zehnjährigen Treasuries rentieren seit Monaten mit 2,3 bis 2,4 Prozent. Mit anderen Worten: Der Markt geht davon aus, dass es im zweiten Halbjahr eine Zinserhöhung gibt und dass es dann womöglich in weiteren Schritten langsam nach oben geht.

Für Anleger (egal ob Aktien, Anleihen, Gold oder andere Assets) ist das derzeit entscheidend: Denn es bedeutet, dass die Märkte trotz der schweren Krisen durchaus in einer geordneten Bandbreite laufen und die Grundtendenz nach oben zeigt. Von Chaos oder Kontrollverlust, wie Crash-Propheten immer wieder warnen, ist an den realen Anlagemärkten nichts zu spüren. In Amerika laufen alle großen Aktienindizes (Dow, S&P und Nasdaq) in einer stabilen Aufwärtsbewegung. Und wie zur Bestätigung notiert Gold derzeit fast am Tiefststand seit fünf Jahren.

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