Riedls Dax-Radar: Hektischer Börsen-September steht bevor

kolumneRiedls Dax-Radar: Hektischer Börsen-September steht bevor

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Der Dax hat sich zwar recht schnell erholt, für eine Entwarnung ist es dennoch zu früh.

Kolumne von Anton Riedl

Die Kursaufschläge sind ein gutes Zeichen für den großen Trend. Dennoch ist es für Entwarnung an den Börsen noch zu früh.

Die Erholung im Dax läuft fast so schnell wie der vorangegangene Sturz. Diese enorme Dynamik mag den einen oder anderen Anleger verunsichern und an der Börse prinzipiell zweifeln lassen; für die Verteidigung des langfristigen Trends indessen ist dies ein gutes Zeichen: Offensichtlich gibt es jenseits der Panik noch keinen nachhaltigen Verkaufsdruck – und erst ein solcher könnte die große, seit 2009 laufende Aufwärtsbewegung beenden.

Kurzfristiger Auslöser der Erholung sind zunächst die administrativen Stützungsmaßnahmen in China. Sie lassen die nach den vergangenen Kursstürzen ohnehin fälligen Gegenreaktionen noch etwas heftiger ausfallen. Ob damit die Wachstumsschwäche der chinesischen Wirtschaft wirklich ausgeglichen werden kann, ist fast schon eine Glaubensfrage: Wer an die Macht der gespendeten Liquidität glaubt, wird darin einen wohltuenden Effekt sehen. Wer skeptisch ist, wird dagegen mit noch größeren Blasen rechnen und entsprechenden Risiken für die Märkte und die Wirtschaft.

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Stichwort: Die schwärzesten Tage für den Dax seit 1987

  • Hintergrund

    Frankfurt, 24. Aug (Reuters) - Die Furcht vor einem deutlichen Konjunktureinbruch in China hat die Aktienmärkte am Montag auf Talfahrt geschickt. Der Frankfurter Leitindex Dax rutschte erstmals seit Mitte Januar wieder unter die Marke von 10.000 Punkten, zeitweise fiel er um bis 3,6 Prozent auf 9760 Zähler.

    Eindeutige Kriterien für einen Crash gibt es nicht - außer Panik, hohe Umsätze und hohe Verluste. Beim bislang größten Börsenkrach der Nachkriegszeit am 19. Oktober 1987, als Spekulationen auf Zinserhöhungen den Dow-Jones-Index an der Wall Street um 23 Prozent einbrechen ließ, gab es den Dax noch nicht. Er wurde erst am 1. Juli 1988 erstmals berechnet.

    Im folgenden eine Übersicht über die prozentual höchsten Verluste des Dax seither:

    DIE 1990er JAHRE UND DIE ANSCHLÄGE VON 9/11

  • 16. Oktober 1989

    Der Dax fällt um rund 13 Prozent und folgt damit der Wall Street, wo Finanzierungs-Schwierigkeiten bei einem Unternehmensverkauf einen Ausverkauf auslösten.

  • 19. August 1991

    Ein später gescheiterten Putsch gegen den damaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow drückt den Dax um gut neun Prozent ins Minus.

  • 20. Oktober 1997

    Im Sog der Asienkrise sackt der Dax im Handelsverlauf um bis zu 13 Prozent ab und schließt mit 3567 Punkten acht Prozent niedriger.

  • 1. Oktober 1998

    Die Angst vor einem Flächenbrand im Bankenwesen nach der Schieflage eines Hedgefonds in den USA und einer Eskalation der Krisen in Asien, Japan, Lateinamerika und Russland drücken den Dax um acht Prozent ins Minus.

  • 11. September 2001

    Nach den Terroranschlägen in den USA fällt der Dax um neun Prozent.

  • Finanzkrise 2008

    Sie hinterlässt tiefe Spuren im Dax.

  • 21. Januar 2008

    Angst vor einer Rezession in den USA drückt den Dax um sieben Prozent auf 6790 Punkte ins Minus. Bei der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers am 15. September kommt er aber glimpflich davon und verliert nur moderate 2,7 Prozent.

  • 6. Oktober 2008

    Für den Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate muss binnen einer Woche ein zweites Rettungspaket geschnürt werden. Der Dax verliert sieben Prozent.

  • 8. Oktober 2008

    Im Sog der Finanzkrise stürzt der Nikkei -Index um über neun Prozent ab. Der Dax verliert bis zu neun Prozent. Nach einer konzertierten Zinssenkungsrunde der großen Notenbanken erholen sich die Kurse nur leicht. Der Dax schließt mit einem Minus von sechs Prozent.

  • 10. Oktober 2008

    Rezessionsängste angesichts der Finanzkrise drücken den Nikkei-Index um zehn Prozent. Der Dax verliert ebenfalls sieben Prozent.

  • 24. Oktober 2008

    Ein erneuter Absturz der Tokioter Börse drückt den Dax in der Spitze um über elf Prozent.

  • 8. August 2011

    Nachdem die USA bei der Ratingagentur Standard & Poor's ihre Bestnote als Kreditnehmer verlieren, brechen die Kurse ein: Der Dax verliert rund fünf Prozent.

  • 5. September 2011

    Die Furcht der Anleger vor einer weltweiten Rezession und einer Ausweitung der Schuldenkrise in der Euro-Zone drückt den Dax um 5,3 Prozent ins Minus.

  • 1. November 2011

    Der Dax verliert rund fünf Prozent. Auslöser ist die überraschende Ankündigung einer Volksabstimmung in Griechenland über ein Rettungspaket.

  • 29. Juni 2015

    Das Scheitern der Gespräche zur Lösung der Schuldenkrise in Griechenland und die überraschende Ansetzung einer Volksabstimmung über die Forderungen der Gläubiger drückt den Dax gleich im frühen Handel um 4,6 Prozent auf 10.964,24 Punkte.

Beruhigungspillen wirken

Kurzfristig ist die Zinssenkung in China ohne Frage ein Signal, das an den Märkten gut ankommt – und diese Wirkung kann sich in den nächsten Wochen noch verstärken. Bei einem Stand von etwas mehr als 3000 Punkten hat der Shanghai Composite Index seit der Spitze im April mehr als 40 Prozent abgegeben. Das weitere Abwärtspotenzial ist damit noch nicht ausgeschöpft (das besteht bis in den Bereich 2500), doch die Restrisiken sind überschaubar geworden.

Mittlerweile schreckt an der Börse auch nicht einmal mehr der Gedanke, dass die chinesische Wirtschaft in Wirklichkeit meilenweit vom administrativ verordneten Wachstumskurs entfernt ist. Dass Unternehmen wie Adidas gerade verkünden, sie spürten nichts von einer China-Krise, passt zum aktuellen Beruhigungskurs.  

Einen zusätzlichen Schub bekam der Dax, als die Nachricht vom stabilen Ifo-Index für August herauskam, der trotz China-Krise sogar gestiegen ist. Entscheidender Grund dafür sind die niedrigen Energiepreise, sichtbar vor allem am billigen Öl. Rohstoffarme Länder wie Deutschland gehören unterm Strich derzeit eben zu den Gewinnern der weltweiten Rohstoff-Baisse – solange diese Baisse nicht so stark wird, dass die Absatzmärkte in den Schwellenländern völlig wegbrechen.

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