Riedls Dax-Radar: Keine Angst vor dem großen Crash

Riedls Dax-Radar: Der Crash kommt – aber erst etwas später

Keine Angst vor dem großen Crash

Aus heiterem Himmel kam bisher allerdings kein Crash. 1987 waren die Märkte nach einem mehrmonatigen Anstieg heiß gelaufen und anfällig für die neuartigen Computer-Verkaufsprogramme. 1998 gab es schwere Enttäuschungen bei den Schwellenländern; Schieflagen großer Hedgefonds kamen dazu. 2003 wurden die in den Jahren davor gehypten High-Techs entzaubert. 2008 kamen in riesigem Ausmaß unseriöse Immobilienfinanzierungen ans Licht. 2011 ging die Angst vor einem Absturz Chinas um. 1990 und 2001 reagierten die Finanzmärkte auf externe Schocks.

PremiumBörsenWoche Keine Angst vorm Crash

Trotz der Rekordstände an den Börsen ist es für Anleger noch nicht an der Zeit, sich aus dem Aktienmarkt zu verabschieden.

BörsenWoche: Keine Angst vorm Crash

Natürlich könnte es auch jetzt vergleichbare Gründe und Anlässe geben, etwa ein Atomschlag im Korea-Konflikt oder die Pleite eines Finanzunternehmens, die zahlreiche Gläubiger in den Abgrund reißt. Besonders gefährlich wären Kettenreaktionen an den Märkten; Massenverkäufe, die niemand mehr auffangen will oder kann.

Wer Gründe dieser Art für wahrscheinlicher hält als das Szenario vom moderaten Wachstum und niedrigem Zinsniveau, wird sicherlich nicht auf Aktien setzen, sondern eher auf physisches Gold. Wer eher auf der optimistischen Seite ist, die Gefahren aber nicht ausschließt, kann ja einen Teil seines Geldes in Gold stecken. In der aktuellen WirtschaftsWoche 43 finden Sie hierzu zahlreiche Ratschläge.

Der September 2017 lief ganz anders als der September 1929

Für die konkrete Einschätzung der aktuellen Lage gibt es übrigens ein entscheidendes Kriterium, das sich vor fast jedem Crash bisher abgespielt hat: Schon mehrere Monate, bevor die Märkte zusammenbrachen, kam es nur noch zu schwankenden Kurse. Besonders die großen Baisse-Phasen 2001 bis 2003 und 2008/2009 kündigten sich frühzeitig durch eine vorangegangene Zitterpartie an. Auch der Crash aller Crashes, der Absturz von 1929. Hier war es seit August zu einer Schaukelpartie gekommen, die im September in eine gefährliche Schwäche überging, bevor es dann Ende Oktober 1929 zum großen Ausverkauf kam.

Im September 2017 dagegen ging es genau andersherum: Entgegen der oft üblichen Schwäche im Herbst zogen die Aktienmärkte weltweit stärker an, als vielfach erwartet. Dow, Dax und Nasdaq-Börse rangieren derzeit auf historischem Höchststand. Dass diese Entwicklung von heute auf morgen abbricht und in einen Crash übergeht, ist ausgesprochen unwahrscheinlich.

Seit Beginn des Jahres hat der Leitindex Dax über 13 Prozent zugelegt. Experten rechnen für kommendes Jahr mit weiteren Rekorden. Wie geht es weiter? Lohnt sich für Privatanleger noch ein Einstieg?

Die aktuelle Analyse bestätigt diese Einschätzung. Durch den 1000-Punkte-Anstieg vom September hat sich der Dax von seinen Aufwärtstrends und der 200-Tage-Linie gut nach oben abgesetzt. Das ist ein klassisches Zeichen für einen stabilen Aufwärtstrend. Normalerweise dauert es mehrere Wochen, bis der Dax eine Tausendermarke nachhaltig überschreitet. Nachdem der Dax nun sechs Wochen schnell gestiegen ist, wäre eine Korrektur nur natürlich. Optimal wäre die, wenn sie nicht weit unter die Hochspitzen vom Sommer gehen würde, also bis maximal etwa 12.850 Punkte nach unten.

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Solange der Dax über diesem Niveau bleibt, ist die jüngste, hochdynamische Aufwärtsphase voll und ganz intakt – und die Angst vor dem großen Crash unangebracht.

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