Der Euro erholt sich, der Dax verliert kräftig. Ist das die Trendwende?

kolumneRiedls Dax-Radar: Korrektur oder Crash? Ab wann Dax-Aktien wieder ein Kauf sind

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Der Dax wird nicht ewig ein Himmelsstürmer bleiben.

Kolumne von Anton Riedl

Die schnelle Erholung des Euro versetzt dem Dax einen Schlag. War es das schon mit der erwarteten Korrektur? Oder macht das den langen Aufwärtstrend zunichte? Es ist komplizierter, aber es gibt Hoffnung.

Die markanteste Entwicklung, die es derzeit an den Kapitalmärkten gibt, ist der Anstieg des Euros. Er vollzieht sich nicht nur gegen Wackelwährungen wie das Pfund Sterling. Alle großen Währungen weltweit verlieren derzeit gegenüber dem Euro: Der Dollar genauso wie der Yen; sogar der Schweizer Franken gibt homöopathisch nach. Das aber heißt: Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass der aktuelle Euro-Anstieg nicht nur eine kurze Laune des Marktes ist, sondern dass dahinter eine komplette Neubewertung stecken könnte. Das hätte enorme Folgen für die gesamte Finanzwelt.

Seit mehr als zwei Jahren pendelt der Euro gegenüber dem Dollar zwischen 1,04 auf der Unterseite und 1,16 auf der Oberseite. In den Jahren davor notierte der Euro wesentlich höher, 2008 immerhin bei bis zu 1,60 Dollar. Sollte sich die aktuelle Erholung wirklich als Neubewertung herausstellen, wären mittelfristig Notierungen um 1,25 bis 1,30 Dollar denkbar.

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Gibt es fundamentale Gründe, die hinter einer solchen Euro-Rally stehen könnten? Wirtschaftlich mehren sich die Anzeichen, dass es in Europa besser läuft. Das zeigen die Hoffnungen in Frankreich genauso wie der starke Ifo-Indikator hierzulande. Das wiederum schlägt sich am Zinsmarkt nieder. So sind die Renditen für zehnjährige Bundesanleihen allein in den vergangenen Tagen von 0,24 auf 0,36 Prozent hochgeschnellt. In Amerika ging es nur von 2,14 auf 2,22 Prozent hoch. Das ist absolut gesehen ein geringerer Anstieg, relativ ohnehin. Der amerikanische Zinsvorsprung, lange Zeit eine feste Größe, schwindet dahin.

Der steigende Euro ist auch eine Folge von Donald Trump 

Die politische Großwetterlage passt dazu. Durch die unberechenbare Politik Trumps sinkt das internationale Ansehen und die Bedeutung Amerikas. Das drückt auch den Dollar. Zudem passt ein nicht mehr so starker Dollar durchaus ins Konzept Trumps, der besonders den Deutschen vorwirft, sie hätten ihren wirtschaftlichen Erfolg nur dem niedrigen Euro zu verdanken.

Steigende Zinsen und ein steigender Euro sind ein Mix, an den sich die Börsen hierzulande erst einmal anpassen müssen. Da in den meisten Hochrechnungen bisher vom Gegenteil ausgegangen wurde, hat sich durchaus Korrekturbedarf aufgestaut.

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Eine differenzierte Entwicklung an den Börsen ist die Folge: Relativ stark im Dax sind Gewinner eines starken Euros beziehungsweise schwacher internationaler Währungen: die Lufthansa, die Treibstoff in Dollar einkauft; Sportartikelhersteller Adidas, der in Dollarwährungen produzieren lässt und mehr in Euro verkauft.

Die klassischen Exporteure dagegen stehen unter Druck: Vor allem gilt das für die Autowerte, die zudem unter der Diskussion um Abgase und neue Mobilität leiden. Bei Chemiewerten sieht es besser aus, weil sich durch günstige Rohölnotierungen der Einkauf verbilligt.

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