Riedls Dax-Radar: Nächster Halt: 12.000 Punkte

kolumneRiedls Dax-Radar: Nächster Halt: 12.000 Punkte

Kolumne von Anton Riedl

Die Aussicht auf eine politische Lösung der Griechenland-Krise treibt deutsche Aktien auf neue Höhen. Mehr als vorübergehende Korrekturen müssen Anleger vorerst aber nicht fürchten.

Immer deutlicher zeichnet sich ein wirtschaftlich gutes Jahr 2015 ab. Nicht nur das extrem niedrige Zinsniveau wirkt in Deutschland als Extraturbo, da die Zinsen krisenbedingt viel niedriger sind als es der eigene Wirtschaftsverlauf rechtfertigen würde. Auch der gedrückte Euro und die günstigen Ölpreise beflügeln die Konjunktur, die Unternehmensergebnisse und die Aktienkurse.

Und noch ein Effekt wurde bisher unterschätzt: Die Stärke des privaten Verbrauchs. Das Konsumklima ist derzeit wesentlich lebhafter, als es nach der Einschätzung der Krisenapologeten sein dürfte.

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Der lebhafte Konsum hilft nicht nur den Konsumaktien im engeren Sinne, er beflügelt weite Teile der Wirtschaft. Beispiel Henkel: Da warnt der Chemieverband davor, dass der Umsatz in der Chemieindustrie in diesem Jahr rückläufig sein könnte. Der Grund sind niedrige Ölpreise, die ihrerseits massiv auf die Erlöse für Chemikalien drücken.

Börsenrekorde in Deutschland und USA Nasdaq visiert 15 Jahre alten Höchststand an

Die Rekordrally im Dax geht weiter, der MDax überspringt 20.000 Punkte und die Technologiebörse Nasdaq nimmt nach 15 Jahren ein neues Allzeithoch ins Visier. Die Rekordlaune ist nicht einmal überzogen.

Nach 15 Jahren bewegt sich die Nasdaq auf ein neues Allzeithoch zu. Quelle: AP

Doch bei Henkel sieht das anders aus, da hilft der niedrige Ölpreis. Einerseits wird etwa ein Drittel der Vorprodukte inklusive Verpackungen billiger, andererseits kann Henkel im robusten Konsumklima seine Retailprodukte gut verkaufen. Mehr noch: Nicht nur die Konsumchemie, also Wasch- und Pflegemittel, sondern auch die Industriesparte Klebstoffe läuft gut – denn mit denen werden etwa in der Möbelindustrie langlebige Konsumgüter zusammengebaut. Das lebhafte Konsumklima funktioniert wie ein breites Konjunkturprogramm.

Kollektiver Pessimismus schürt den Kursanstieg

Wenn man nur wenige Wochen zurückblickt und die Prognosen zu 2015 Revue passieren lässt, springt einen die Zukunftsangst regelrecht an: Krise in Griechenland, Kriegsgefahr in Russland, Terror im Mittleren Osten, Vertrauensverlust in Papierwährungen weltweit.

Weder von Banken noch von Anlegerseite wurde gewagt, für Konjunktur und Kurse 2015 viel zu erwarten. Mit einem Dax von 11.300 Punkten sind mittlerweile sogar schon die Kursziele der Optimisten übererfüllt. Dass Wirtschaft und Börse 2015 so deutlich wieder an Dynamik gewinnen könnten, galt Anfang des Jahres als Wunschtraum.

In der aktuellen WirtschaftsWoche können Sie eine Auswertung unseres Statistik-Experten Niklas Hoyer lesen, aus der ersichtlich wird, wie lange der Dax jeweils für bestimmte Anstiegsphasen braucht. Damit lässt sich die aktuelle Entwicklung an den Börsen gut einordnen – als dynamische Phase innerhalb eines Aufwärtstrends, dessen Potenzial noch keineswegs ausgereizt ist. Von übertriebenem Spekulationswahn ist die deutsche Börse weit entfernt.

Meilensteine des Dax von 1988 bis 2015

  • 1. Juli 1988

    Der Dax feiert seinen Einstand. Rechnerisch startet er allerdings am 30. Dezember 1987 bei einem Stand von 1.000 Punkten.

  • 16. Oktober 1989

    Der erste schwarze Tag für den Dax: Er bricht im Sog der Wall Street um rund 13 Prozent ein.

  • 18. November 1996

    Bei der Privatisierung der Deutschen Telekom wird die T-Aktie als Volksaktie vermarktet. Das Interesse der Öffentlichkeit am Dax nimmt stark zu.

  • 28. Oktober 1997

    Im Sog der Asienkrise sackt der Dax im Handelsverlauf bis zu 13 Prozent ab und schließt mit 3567 Punkten acht Prozent niedriger.

  • 28. November 1997

    Mit dem neuen elektronischen Handelssystem Xetra - kurz für "Exchange Electronic Trading" - bricht für die Börse ein neues Zeitalter an.

     

  • 7. März 2000

    Der Dax erreicht ein Hoch von 8136,16 Punkten. Befeuert wird die Euphorie von der Entstehung des Internets und einem sich ausbreitenden Fusionsfieber.

  • 11. September 2001

    Nach den Terroranschlägen in den USA fällt der Dax um neun Prozent.

  • 12. März 2003

    Der Dax rutscht unter 2.200 Punkte und notiert damit so niedrig wie zuvor im November 1995. Doch mit der Erholung der Weltwirtschaft wächst das Vertrauen in die Gewinnentwicklung der Unternehmen wieder.

  • 13. Juli 2007

    Mit 8151 Zählern setzt der Dax einen neuen Meilenstein - trotz erster Bankenpleiten und Not-Eingriffen der Europäische Zentralbank (EZB) am Geldmarkt.

  • 15. September 2008

    Mit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers kehrt wieder Ernüchterung ein. Im Oktober 2008 folgt ein schwarzer Tag auf den anderen. Dabei liegt der Dax-Kurs zeitweise 30 Prozent unter dem Niveau vom Monatsbeginn.

  • 9. März 2009

    56 Prozent hat der Dax seit dem Hoch vom 13. Juli 2007 eingebüßt. Mit 3588 Punkten erreicht er zeitweise den niedrigsten Stand seit Oktober 2003. Doch kurz darauf wirft die US-Notenbank Fed die Notenpresse an. Jetzt geht es bergauf.

  • 8. März 2013

    Der Dax notiert erstmals seit dem 2. Januar 2008 wieder über 8000 Zählern.

  • 5. Juni 2014

    Die Entscheidung der EZB, die Zinsen weiter zu senken, treibt den Dax erstmals über die 10.000-Punkte-Marke.

  • 22. Januar 2015

    Nach dem Vorbild der Fed wirft auch die EZB die Notenpresse an. Der Dax, der in Erwartung dieses Schritts seit Monaten im Aufwind ist, beschleunigt seinen Anstieg und steigt am darauffolgenden Tag auf bis zu 10.704,32 Punkte. Es ist der sechste Handelstag in Folge mit einem Rekordhoch.

  • 13. Februar 2015

    Anleger hoffen auf einen guten Ausgang des Verhandlungspokers im griechischen Schuldenstreit. Der Dax knackt erstmals die 11.000-Punkte-Marke und notiert in der Spitze 0,9 Prozent höher bei 11.013,85 Zählern. Griechenland droht die Staatspleite, da das aktuelle Hilfsprogramm Ende Februar ausläuft und Athen keine Verlängerung beantragen will.

  • 16. März 2015

    Getrieben von der Geldflut der Notenbanken und begünstigt durch einen schwachen Euro - der der deutschen Exportindustrie hilft - hat den Dax am Montag, 16. März 2015, erstmals die Schwelle von 12.000 Punkten übersprungen. In der Vorwoche hatte er mehrmals diese Marke anvisiert, war aber immer knapp gescheitert. Der deutsche Leitindex war zu diesem Zeitpunkt bereits neun Wochen in Folge gestiegen.

Griechenland-Krise verliert ihren Schrecken

Besonders erstaunlich mag die stabile Tendenz im Dax angesichts der griechischen Springprozession sein. Doch aus der Sicht des Marktes ist das eine klare Botschaft, die da lautet: Egal, ob Griechenland aus der EU austritt oder nicht, die Börse könnte mit beidem leben.

Natürlich sollte man nicht vergessen, dass allein aus Deutschland derzeit 70 Milliarden Euro an Hilfen in Griechenland stecken, und die wären bei einem Austritt schwer gefährdet. Zudem würde ein griechischer Austritt natürlich Ängste vor Folgereaktionen in anderen Ländern schüren. Das wäre eine latente Belastung für die Kurse.

Unterm Strich dürfte aus dem Blickwinkel der Börse ein Austritt etwas negativer sein als eine politische Lösung. Und die könnte so aussehen: Griechenland bleibt in der EU, startet Reformen, für die das Land von der EU neuen zeitlichen Spielraum bekommt und zugleich die nötige finanzielle Hilfe. Ob das der EU nun etwas mehr oder weniger kostet und wie das im Einzelnen in Griechenland umgesetzt wird, interessiert die Märkte wenig. Solange der politische Prozess läuft mit Aussicht auf eine Lösung, wird das den Kursanstieg nicht substanziell bremsen.

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