Riedls Dax-Radar: Neue Höchstkurse statt alter Crash-Ängste

kolumneRiedls Dax-Radar: Neue Höchstkurse statt alter Crash-Ängste

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Trotz Angst vor den Folgen des Brexit und dem Protektionismus der US-Regierung zeigen Frühindikatoren wie der Ifo-Geschäftsklimaindex nach oben.

Kolumne von Anton Riedl

April und Mai sind in der Regel gute Börsenmonate. Die Chance auf ein neues Allzeithoch im Dax ist groß.

Drei Tage nur hat der Dax gebraucht, um die Verluste des düsteren Dienstags, des 21. März, auszugleichen. Nach drei weiteren Tagen hat er ein neues, mittelfristiges Hoch markiert und macht sich nun daran, sein bisheriges Allzeithoch zu erklimmen, das am 10. April 2015 bei 12.375 (Schlusskurs) und 12.391 (im Tagesverlauf) lag.

Basis der stabilen Marktentwicklung ist eine Konjunktur, die nun auch in Europa besser läuft als befürchtet. Trotz Angst vor den Folgen des Brexit und dem Protektionismus der US-Regierung zeigen Frühindikatoren wie der Ifo-Geschäftsklimaindex nach oben. Das sind noch keine substanziellen Abschlusszahlen, doch was Anleger aus den Unternehmen hören, stimmt ebenfalls zuversichtlich: Immer mehr deutet darauf hin, dass die Wirtschaft in Europa von bescheidenem Niveau aus an Dynamik gewinnt.

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Leichtes Wirtschaftswachstum, das einen Tick höher ausfällt, als erwartet, ist für die Börse optimal. Gefahren von Rezession, starker Inflation oder Deflation treten in den Hintergrund – dafür wächst die Hoffnung auf Unternehmensgewinne, die in Zukunft weiter zulegen können. Dass das Wachstum dabei nicht gleich wieder zu stark ausfällt, ist für den Aktienmarkt wie ein Stabilisator. Es verringert wegen der nicht zu hohen Erwartungen das Risiko von Gewinnenttäuschungen und reduziert die Gefahr schnell steigender Zinsen.  

Europa ist stärker als sein Ruf

Ein wichtiger Beitrag zu den robusten Börsen kommt vom politischen Umfeld. In der öffentlichen Diskussion und an den Märkten wurde im vergangenen Jahr der Abschied Europas durchgespielt. Auch an dieser Stelle wurde die These vertreten, dass die Anlagemärkte sich faktisch mit den desolaten Zuständen in Europa arrangiert hätten.

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Model Miranda Kerr beim Börsengang von SnapInc. Quelle: dpa

Nun aber mehren sich Signale, dass Europa keineswegs tot ist. Die jüngsten Wahlergebnisse und das schlechtere Abschneiden antieuropäischer Populisten deuten darauf hin, dass ein renoviertes Europa bei den Menschen durchaus eine Chance hätte. Selbst die Briten verabschieden sich zwar, wie sie sagen, von der EU, nicht aber von Europa.

Zugleich stabilisiert sich der Euro. Sein jüngster Anstieg bis auf 1,09 Dollar kam genau bis an die 200-Tage-Linie. Seitdem läuft eine Korrektur, die womöglich zunächst bis in den Bereich um 1,06 Dollar geht. Die Erholung der europäischen Konjunktur auf der einen Seite und die zuletzt zähere Entwicklung in den USA auf der anderen deuten darauf hin, dass ein Absturz des Euro immer unwahrscheinlicher wird. Dazu passt der schrumpfende Zinsvorsprung zehnjähriger US-Bonds gegenüber Bunds, der in wenigen Wochen von 2,4 Prozentpunkte auf 2,0 Prozentpunkte zurückgegangen ist. Gut möglich, das sich die europäische Währung in diesem Jahr in der Bandbreite 1,04 bis 1,16 Dollar stabilisiert. Die Börsen dürften mit diesem Währungsniveau gut leben können.

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