Riedls Dax-Radar: Rettung im Dax immer knapper

kolumneRiedls Dax-Radar: Rettung im Dax immer knapper

Kolumne von Anton Riedl

Die Inflation steigt, die EZB hält die Zinsen niedrig, doch die Griechenland-Krise lässt den Dax nicht los.

Die Unsicherheiten in der Griechenland-Frage drücken den Dax immer tiefer und eine Unterstützung nach der anderen wird verletzt. Dass der Markt derzeit überhaupt eine solche Schwächen zeigt, könnte zwei Gründe haben: Entweder die Griechenland-Krise bis hin zum möglichen Austritt des Landes wirkt sich doch stärker aus auf deutsche Aktien als Anleger bisher gedacht haben.
Oder es gibt andere, schwerwiegendere Probleme, die dem Markt die Widerstandsfähigkeit rauben, die er lange gehabt hat; schließlich ist der Dax bis vor wenigen Wochen trotz Griechenland-Krise weit gestiegen.
Gegen die allesentscheidende Bedeutung des Griechenland-Problems spricht, dass der anstehende Termin zur Schuldenzahlung am Freitag keineswegs besonders ungewöhnlich ist Griechenland erhält Aufschub bis zum Monatsende, die Gespräche um Kompromisse mit den Geldgebern gehen weiter.
Doch auch wenn Griechenland zahlt dann zahlt und es eine kurze Erleichterungsrally gibt, wird sich das Spiel bei den nächsten Tranchen wiederholen. Die Unsicherheit in dieser Frage wird die Börsen in den nächsten Monaten, wenn nicht gar Jahren weiter begleiten. Eine schnelle „Lösung“, wie manche gern fordern, wird es am Freitag in der Griechenland-Frage weder so noch so geben.


Das größere Problem der Märkte sind die Zinsen


Mitte April ist etwas an den Aktien- und Anleihemärkten passiert, das kein Anleger auf die leichte Schulter nehmen sollte. Während der Dax bisher seinen absoluten Hochpunkt gesehen hat, waren die Zinsen am absoluten Tiefpunkt – mit nur wenigen Tagen Zeitdifferenz dazwischen.
Ob das nun die Zinswende wird oder nicht - der jüngste Anstieg der Umlaufrendite von 0,4 auf 0,55 Prozent in nur zwei Tagen zeigt, welche Hektik mittlerweile an den Zinsmärkten herrscht. Diese Hektik bedeutet Unsicherheit – und Unsicherheit ist etwas, das Anleihe-Investoren (die in der Regel auf solide, absehbare Renditen aus sind) überhaupt nicht mögen.
Dass die EZB in dieser angespannten Lage den kurzfristigen Schlüsselzins bei 0,05 Prozent belässt, ist klar. Jetzt von administrativer Seite Öl ins Feuer gießen und mit einer eventuellen Änderung der Geldpolitik zu kokettieren, könnte dramatische Folgen an den Märkten haben.
Ob man nun die Linie der EZB mag oder nicht: Während am langen Kapitalmarktende die Zinsen hektisch anziehen, bleiben sie am kurzen Ende eisern nahe Null – und damit wird die EZB zum Stabilisator für Anleihen und Börsen. Und das ist derzeit sicherlich eines ihrer zentralen Motive.

Anzeige


Zieht die Inflation doch stärker an?


Ganz langsam kommt nun auch die Inflation wieder in Gang. Das ist gut, denn damit dürfte sich andererseits die Angst vor einer gefährlichen Deflation legen. In diesem Jahr rechnet die EZB mit 0,3 Prozent Preissteigerung, im nächsten mit 1,5 und dann mit 1,8 Prozent.
Für die Aktienmärkte wäre eine Entwicklung entsprechend dieser Prognose nicht schlecht. Ihr liegt eine langsame Erholung der Konjunktur zu Grunde: In diesem Jahr um 1,5 Prozent, 2016 um 1,9 Prozent, 2017 sollen es 2,1 Prozent werden.

Kursrutsch am Anleihemarkt Bundesanleihen sind die neuen Eurobonds

Wann kommt die Zinswende? Die Frage macht Anleger sehr nervös, wie der jüngste Einbruch bei Bundesanleihen zeigt. Die EZB-Maßnahmen stoßen an Grenzen, die ganze Anlageklasse der Anleihen ändert ihren Charakter.

Mario Draghi Quelle: REUTERS

Dieses Wachstum wäre stark genug, um bei den meisten Dax-Unternehmen zu höheren Gewinnen zu führen; und es wäre nicht so hoch, dass die EZB frühzeitig und massiv mit der Geldpolitik gegensteuern müsste.
Insgesamt passen diese Annahmen auch zu der Projektion einer möglichen Zinswende (siehe Dax-Radar vom 22. Mai), wie sie sich bis 2017 konkretisieren könnte. Mindestens bis September 2016 soll auch das Anleihekaufprogramm der EZB laufen. Und Draghi wäre mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn er an diesem Zeitplan etwas ändern sollte.


Rettung im Dax noch möglich


Der Dax hat sich durch den Rutsch unter 11500 in eine schwierige Situation manövriert. Er ist unter das Niveau von Mitte Mai gesunken und hat damit das zu diesem Zeitpunkt gegebene Kaufsignal neutralisiert.
Zunächst ist die Situation neutral, das wäre eine Fortsetzung der Seitwärtsbewegung. Allerdings ist auch schon die nächste Trendlinie verletzt, die sich aus den Tiefspitzen von Januar und Mitte Mai ableiten lässt.
Zudem entstehen bei immer mehr Aktien Kursbilder, die auf eine längere Korrektur deuten: bei Allianz, Bayer, Münchener Rück, Continental. Sogar solide Basisaktien wie Daimler oder BASF könnten eine mittelfristige Pause einlegen (und dabei einige Prozente verlieren, den langfristigen Aufwärtstrend aber verteidigen).

Anleihen-Crash Abpfiff für die Zinswende

Der Crash bei Bundesanleihen war beachtlich. Er radierte die bisherige Performance praktisch aus. Doch das war noch nicht der Boden, auf dem eine Zinswende gedeiht. Die EZB will beweisen, dass sie allein die Zügel führt.

Zinswende Aufmacher Quelle: dpa/Montage


Damit der Dax aus dieser Gefahrenzone kommt, müsste er nächste Woche deutlich anziehen, am besten über 11600/11700 hinaus. Mit einem solchen Befreiungsschlag könnte die gesamte Schwankungszone, die seit Anfang Mai zwischen 11200 und 12000 besteht, zur Basis einer neuen Anstiegsphase werden.
Sollte der Dax dies aber nicht schaffen und sogar unter 11200 rutschen, könnte das eine längere Sommerkorrektur einleiten, bis hinab auf 10000.


Mega-Fusionen helfen Infineon


In der Chip-Branche stehen mit Avage-Broadcom und Intel-Antera milliardenschwere Übernahmen an. Bemerkenswert ist, dass hier die Geschäftsvolumina mit dem Fünf- bis Achtfachem bezahlt werden. Allerdings, Broadcom und Altera sind Top-Adressen in der Branche, die mit hohen, zweistelligen Nettorenditen arbeiten.

Weitere Artikel Zinswende

Soweit ist Infineon noch nicht. Vor allem nach der letztjährigen Übernahme von International Rectifier leidet die Gesamtmarge unter den schwächeren Amerikanern. Nun aber deuten die letzten Meldungen von Infineon an, dass die Integration besser läuft als erwartet. 2016/2017 könnte das alte Infineon-Niveau erreicht werden.
Auch das ist noch immer nicht so hoch wie bei Altera oder Broadcom. Dennoch, dass Infineon derzeit nur mit dem 2,2-Fachen des Jahresumsatz bezahlt wird, zeigt das langfristige Potenzial dieser Aktie. Immerhin, der Anstieg über 11,80 Euro in den vergangenen Tagen war schon ein gutes Kaufsignal. Jetzt kommt es darauf an, dass die Aktie in der aktuellen Wackelpartie dieses Niveau hält. Langfristig gehört Infineon zu den interessantesten Aktien im Dax.

Anzeige
Immobilien-Wertfinder:Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet
Immobilien-Wertefinder

Mit unserem interaktiven Tool finden Sie Interessierte Mieten und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße. Mehr...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%