Riedls Dax-Radar: Risiko bis auf 10.000 Punkte

kolumneRiedls Dax-Radar: Risiko bis auf 10.000 Punkte

Kolumne von Anton Riedl

Es ist nicht die Griechenland-Krise, die den Dax jetzt straucheln lässt, es ist ein Mix verschiedener Risikofaktoren, der die Märkte belastet – und der aller Voraussicht nach so schnell nicht abgehakt sein wird.

Natürlich wäre es für die Märkte besser, wenn es in der Griechenland-Frage eine passable Einigung gäbe. Dennoch ist es derzeit nicht das politische Gerangel, das für die Börsen so gefährlich ist. Viel gefährlicher ist, dass die Aktien- und Anleihemärkte wegen des dramatischen Zinsanstiegs substanziell an Widerstandskraft verloren haben.

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Bisher ging die Logik (sowohl in der Griechenland- als auch in der Russlandkrise) immer so: Es werden zwar die Anleihen und Aktien belastet, doch die Krise wird dazu führen, dass die Zinsen unten bleiben.

Paradigmenwechsel am Zinsmarkt

Nun aber – und das ist der fundamentale Unterschied – sind die Zinsen am langen Ende steil nach oben geschossen. Das bringt weltweit Anleihedepots unter Druck, egal ob brave Bundesanleihen oder kesse Junk-Bonds. Eine solche Verunsicherung ist Gift für Investoren, die sich eigentlich nur ein paar ruhige Prozente holen wollen.

Und natürlich haben höhere Zinsen auch fundamentale Folgen: Schuldner müssen mehr zahlen, das trifft Staaten genauso wie Unternehmen. Das erste erschwert vor allem die Bekämpfung der Euro-Krise, das zweite tut der konjunkturellen Erholung nicht gut.

Immerhin, noch sind die Signale von der europäischen Konjunktur so schlecht nicht. Nach den jüngsten Prognosen der Notenbanken kommt der Aufschwung noch immer leicht voran. Für die Märkte wie für die Konjunktur ist es ausgesprochen wichtig, dass diese Tendenz in den nächsten Monaten anhält.

Die Unsicherheit am Zinsmarkt schlägt nun auch auf die Aktien durch. Nachdem der Dax allein von Oktober bis April um mehr als 40 Prozent (!) gestiegen ist, sind erhebliche Gewinne aufgelaufen. Die schmelzen nun dahin. Kein Wunder, dass jetzt zunächst einmal bei vielen Investoren Verkäufe angesagt sind – egal, ob man die Gewinnbewertung im Dax (KGV 2015) nun mit 14 als moderat oder schon überhöht einstuft.

In der Griechenland-Krise ist nach wie vor keine Lösung in Sicht, was erneut die Stimmung an der Börse belastet. Seit seinem Höchststand im April hat der Dax mittlerweile rund zehn Prozent verloren.

Öl-Effekt und Euro-Belastung

Weitere Risiken kommen dazu: Der niedrige Ölpreis, der bei europäischen Unternehmen vor allem im Schlussquartal 2014 und im ersten Quartal 2015 zu Kostenentlastungen geführt hat, dreht weiter nach oben. Daran haben auch die jüngsten Aussagen der Opec nichts geändert – obwohl sie keine Drosselung verkündet hat. Für Aktien heißt das: Schon die nächsten Zahlen (also ab Juli) werden von wieder etwas höheren Energiepreisen gedämpft sein.

Zweites Risiko ist der Euro. Das jüngste Tief bei 1,09 Dollar lag deutlich über dem März-Tief bei 1,05 Dollar. Zwar ist der Euro langfristig noch nicht aus dem Schneider; doch sollte er in den nächsten Wochen sogar über 1,15 Dollar klettern, könnte er eine mehrmonatige Erholung einleiten. Hintergrund ist hier vor allem der massive Zinsanstieg in Europa – wenn auch bisher nur am langen Ende. (Zugleich ist das übrigens auch ein Zeichen dafür, dass die Notenbank die Macht über den Zinsmarkt zu verlieren droht.)

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Fazit für den Dax: Nachdem der seit Oktober laufende Aufwärtstrend gebrochen ist, zeigt die Tendenz für die nächsten Monate nach unten. Bei 10.500 etwa sollte die 200-Tage-Linie den Markt stützen, bei 10.000 läge dann die nächste, substanzielle Unterstützung. Bis dahin etwa reicht auch das Korrektur-Potenzial, das sich durch die Kursschwankungen von März bis Mai aufgestaut hat.

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