Riedls Dax-Radar: Schwere Turbulenzen im Vorfeld der Brexit-Entscheidung

kolumneRiedls Dax-Radar: Schwere Turbulenzen im Vorfeld der Brexit-Entscheidung

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Flaggen.

Kolumne von Anton Riedl

Die Krise Europas lastet auf den Kursen deutscher und europäischer Aktien. Seit die Umfragen einen Brexit möglich erscheinen lassen, kracht es an der Börse. Im Dax überwiegen die Risiken - aber es gibt noch Hoffnung.

Nur noch wenige Tage bis zur Entscheidung der Briten, ob sie nun in der EU bleiben oder nicht. Konnte man vor einigen Monaten noch davon ausgehen, dass sich wohl gegenüber dem Status Quo nichts ändern werde, so zeichnet sich nun eine Mehrheit der Europagegner ab. Und an den Börsen kracht der Dax unter die Marke von 10.000 Punkten.

In Frankfurt gibt es Banker, die Wetten darauf abschließen, dass die Briten aussteigen und Frankfurt dann der große Gewinner wird: Weil die Mieten noch weiter klettern, es reichlich neue Finanzjobs gibt, und Frankfurt überhaupt gegenüber seinem alten Rivalen London als europäisches Finanzzentrum deutlich vorankommt.

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Als Börsianer ist man gern geneigt, positive Dinge auch in einem negativen Umfeld zu suchen. Doch die Augen vor dem Offensichtlichem zu verschließen, ist wenig sinnvoll.

Ein Votum der Briten gegen Europa wäre ohne Frage ein schwerer Rückschlag für die europäische Wirtschaft, für den europäischen Kapitalmarkt – und damit auch für europäische Assets.

Riedls Dax-Radar Der Dax setzt auf Europa

Solange die Europa-Entscheidung der Briten nicht feststeht, dürfte die Korrektur an den Aktienmärkten anhalten. Immerhin, der robuste Dax ist ein europafreundliches Vorzeichen.

Einzelne europäische Werte werden abgestraft, aber insgesamt bleibt der Markt stabil Quelle: REUTERS

Es geht ja nicht nur darum, ob eine Bank nun ihre Trading-Abteilung von London nach Frankfurt verlegt und mit welchen Vertragsklauseln ein England-Exporteur hierzulande nun rechnen muss. Es geht um viel mehr: Wenn sich ein wirtschaftliches Schwergewicht, wie es Großbritannien nun einmal ist, von Europa entfernt, dann wird Europa leichter. Und das ist gerade jetzt, wo es mehr denn je auf die Stärke Europas ankäme, höchst brisant.

Im Süden Europas verlieren immer mehr Länder den wirtschaftlichen Anschluss und werden durch die Flüchtlingsproblematik zusätzlich belastet. Im Osten und Südosten gibt es starke nationalistische Bewegungen. Einst potenzielle Kandidaten wie die Türkei erleben eine geradezu schrille Entwicklung. Und sollte in Amerika auch noch ein ebenfalls schriller Milliardär Präsident werden, kann einem angst und bange werden. Gerade in dieser Situation wäre es wichtig, dass das alte Europa zusammenhält.

Wer als Börsianer meint, die geopolitische Großwetterlage gehe ihn nichts an, der hat den Schuss nicht gehört. Natürlich gibt es kurzfristig immer divergierende Entwicklungen: Wenn die Briten aussteigen, werden die Aktien von Frankfurter Immobilienunternehmen deutlich steigen. Und wenn Trump gewinnt, werden sich Besitzer von Rüstungsaktien wie Lockheed oder Raytheon die Hände reiben. Doch ein förderliches Umfeld, in dem Handel, Wirtschaft und Investitionen blühen und damit die Basis für dauerhaft steigende Kurse gelegt wird, wäre das nicht.

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