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Riedls Dax-Radar : Und die Zinsen werden doch steigen

von Anton Riedl

Einige Wochen Korrektur an den Aktienmärkten können noch bevorstehen. Investoren vom Anleihemarkt werden die Rückschläge zu Käufen nutzen.

Die Angst vor einem Auseinanderbrechen der Euro-Zone und die Probleme rund um Griechenland haben bei den deutschen Sparern ihre Spuren hinterlassen. Bei der Geldanlage sind die Deutschen heute deutlich vorsichtiger gestimmt, als zu Beginn der Finanzkrise.

Das ist das Ergebnis des fünften Schroders Investmentbarometers. Auf den folgenden Seiten zeigen wir, wo die Deutschen ihr Geld heute investieren - und wovor sie sich fürchten.

Quelle: Schroders Investment Management GmbH

Bild: REUTERS

In einem interessanten Beitrag zur weiteren Zinstendenz war vor kurzem die schöne Formulierung zu lesen von der „Mär des Zinsanstiegs.“ Nun, ein Märchen ist das sicherlich nicht – vielmehr steht dahinter ein Mechanismus von geradezu physikalischer Notwendigkeit. Einfach gesagt: Die Zinsen werden nicht nur steigen, sie MÜSSEN steigen – es sei denn, wir kippen unsere überwiegend marktwirtschaftlich geprägte Wirtschaftsordnung auf den Müll.

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Die Commerzbank (deren ökonomische Abteilung nebenbei gesagt wesentlich besser ist als die operative Entwicklung der Bank) hat dazu soeben eine interessante Grafik veröffentlicht. Dabei werden die administrativ festgelegten Leitzinsen mit wirtschaftlichen Realgrößen wie Kerninflation, Wachstum und Veränderung des Außerwerts (als es die D-Mark noch gab) verglichen.

Niedrigzinsen und wirtschaftliche Realitäten  klaffen auseinander

Beide Kurven, die Zinsen und diese sogenannte Realitätsfunktion, laufen über Jahrzehnte fast deckungsgleich. Ab 2009 jedoch, nach den massiven Geldspritzen der Notenbanken, geht die Schere brutal auseinander – und seitdem werden die Zinsen künstlich, also aus politischen Gründen, am Boden gehalten. Jede Zinsprognose muss zunächst einmal am Status Quo ansetzen. Und da besteht als Folge der Finanzkrisenbekämpfung die Ausnahmesituation, dass ein extrem niedriger Zins immer weniger mit der realen Wirtschaft in den meisten Ländern zu tun hat.

Niedrige Rendite: Große Umverteilung - die Mär vom Ende der Anleihe

Natürlich wird die Schuldenkrise in Europa, das zeigen die jüngsten Rückschläge in Italien und Spanien, noch lange, vermutlich Jahre, anhalten. Damit wird auch der künstliche Zinsdruck nicht einfach weggenommen, die Zinsen werden also nicht einfach nach oben schießen. Aber der Gegendruck von unten wird sich verstärken.

4,0 Prozent statt 0,75 Prozent Leitzins?

Geht es nach dem Modell der Commerzbank, würden die Leitzinsen gemessen an den wirtschaftlichen Realitäten in Deutschland nicht bei 0,75 Prozent stehen, sondern bei vier Prozent. Am langen Ende des Kapitalmarkts wären dann von soliden Schuldnern Kupons von fünf Prozent und mehr zu bekommen. Derzeit gibt es hier 1,5 Prozent und weniger – das zeigt die ganze Diskrepanz.

Wie sich diese Spannung letztlich auflösen lässt, ist offen. EU-Kritiker weisen natürlich vor allem auf die gemeinsame Währung von völlig unterschiedlich starken Wirtschaftsräumen hin – und so etwas kann auf Dauer nicht gut gehen, weil der Ausgleichsmechanismus schwankender Wechselkurse fehlt.

Wenn man also weiter im Szenario eines gemeinsamen EU-Raums mit gemeinsamer Währung denkt, dürfte ein Anstieg auf die genannten vier und mehr Prozent unrealistisch sein. Genauso unrealistisch ist es allerdings, dass wir auf Dauer bei den aktuell extremen Niedrigzinsen bleiben. Damit würden wir nicht nur die aktuelle Zwangsbewirtschaftung der Zinsen fortsetzen, damit schleichen sich immer mehr Fehlallokationen ein: Etwa, dass Unternehmen Anleihen ausgeben für extrem niedrige Zinsen und sich von dem Geld eigene Aktien zurückkaufen.

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