Riedls Dax-Radar: Wall Street mit Risiken, Frankfurt mit Perspektive

kolumneRiedls Dax-Radar: Wall Street mit Risiken, Frankfurt mit Perspektive

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Duell der Bullen: Die Börsen in New York und Frankfurt eilen von Rekord zu Rekord. Doch derzeit sind die Aussichten in Frankfurt besser. Die US-Wirtschaft zeigt angesichts des teuren Dollars Schwächen.

Kolumne von Anton Riedl

Nachdem sich der Dax der 12.000er-Zielmarke nähert, liegt eine Abkühlung in der Luft. Den Aufwärtstrend muss das nicht stoppen, zumal die US-Wirtschaft wegen des teuren Dollar bereits Schwächen zeigt.

Während der gesamten Aktienhausse seit 2009 konnten sich Anleger hierzulande auf zwei Dinge verlassen: Auf die extrem großzügige Liquiditätspolitik der amerikanischen Notenbank, und auf die Robustheit des amerikanischen Aktienmarkts, der – anders als die hierzulande gern grassierende Untergangsstimmung – letztlich immer wieder nach oben gedreht hat.

Mittlerweile aber kommen aus Amerika andere Töne herüber. Unter den Notenbankern werden die Falken stärker, wie etwa Richard Fisher von der Fed in Dallas. Sie fordern ein Ende der extrem laxen Zinspolitik, und das ist bei nur noch 5,5 Prozent Arbeitslosenquote auch nicht verwunderlich. In beiden politischen Lagern haben sie immer mehr Befürworter. 

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Dazu wächst das generelle Unbehagen über die Allmacht der Fed. Das ist in Amerika zwar nicht neu, dennoch wundern sich immer mehr Amerikaner, warum man an der Nullzinspolitik festhalten soll, wenn doch die Wirtschaft im Land vergleichsweise gut in Schuss ist. Der Blick auf die kleinen Krisenländer Europas ist für die Amerikaner sicherlich nicht ausschlaggebend.

Aktienkultur in Deutschland

  • Aktienbesitz

    Menschen mit Aktieninvestments im Jahr 2014: 8,4 Millionen

    Vorjahr: 8,9 Millionen

    Anteil der Bevölkerung über 14 Jahren im Jahr 2014: 13,1 Prozent

    Vorjahr: 13,8 Prozent

  • Investitionsarten

    Wie die deutschen Aktionäre investiert sind:

    4,3 Millionen Menschen besitzen nur Aktienfonds.

    1,6 Millionen Menschen besitzen Aktien und Aktienfonds.

    2,5 Millionen Menschen besitzen nur Aktien.

  • Langfristige Entwicklung

    Seit 2001 haben rund 4,4 Millionen Menschen dem Aktienmarkt den Rücken gekehrt.

    Aktionärsanzahl 2001: 12,8 Millionen

    Aktionärsanzahl 2014: 8,4 Millionen

  • Aktienbesitz nach Altersgruppen

    Das Interesse an Aktien hat in den vergangenen Jahren besonders bei den Jüngeren stark nachgelassen.

    Anteil der Aktien- und Aktienfondsbesitzer nach Altersgruppen:

    20-29 Jährige: 7,2 Prozent (2001: 17,5 Prozent)

    30-39 Jährige: 12,1 Prozent (2001: 27,9 Prozent)

    40-49 Jährige: 17,2 Prozent (2001: 25,5 Prozent)

    50-59 Jährige: 17,1 Prozent (2001: 24,5 Prozent)

    60-69 Jährige: 13,6 Prozent (2001: 14,4 Prozent)

  • Aktienbesitz nach Beruf

    Anteil von Aktienbesitzer nach beruflicher Position:

    Leitende Angestellte: 28,4 Prozent

    Leitende Beamte: 30,1 Prozent

    Selbstständige/Freie Berufe: 26,0 Prozent

    Sonstige Beamte: 29,5 Prozent

    Öffentlicher Dienst: 22,7 Prozent

    Sonstige Angestellte: 14,8 Prozent

    Rentner/Pensionäre: 12,3 Prozent

    Studenten: 4,3 Prozent

    Facharbeiter: 8,9 Prozent

    Selbstständige Landwirte: 23,5 Prozent

    Schüler: 1,9 Prozent

    Sonstige Arbeiter: 4,2 Prozent

    Auszubildende: 4,6 Prozent

  • Aktienbesitz nach Einkommen

    Menschen mit höherem Einkommen, haben ein höhere Interesse an Aktien.

    Anteil von Aktien und Aktienfondsbesitzern nach Nettohaushaltseinkommen:

    750-1.250 Euro: 2,5 Prozent

    1.250-2.000 Euro: 6,9 Prozent

    2.000-3.000 Euro: 24,6 Prozent

    3.000-4.000 Euro: 18,5 Prozent

    Über 4.000 Euro: 34,3 Prozent

  • Aktienbesitz nach Bundesländern

    Alte Bundesländer: 13,8 Prozent besitzen Aktieninvestments

    Neue Bundesländer: 10,3 Prozent besitzen Aktieninvestments

    Gesamt: 13,1 Prozent

Die Fed in der Zwickmühle

Das Problem dabei ist, Fed-Chefin Yellen - die keineswegs nur eine schneeweiße Taube ist - kann nicht einfach so, wie es die amerikanische Räson vielleicht gebietet. Denn durch die Krise in Europa und die Schwächen in Asien (hier kommen übrigens zwei große Probleme zusammen: Der endlose Kampf der Japaner gegen einen fast säkularen Abschwung und die Angst der Chinesen um die Endlichkeit ihres Aufschwungs) sind die Währungen weltweit im Abwärtsstrudel. Natürlich immer relativ gesehen gegen einen Ankerwert – und genau das ist der US-Dollar.

Was einerseits für Investoren das gelobte Land ist, kann andererseite für die US-Unternehmen selbst gefährliche Rückwirkungen haben. Noch ist die Wirtschaft in den Staaten stark, doch die großen, international ausgerichteten Konzerne spüren zunehmend den Gegenwind der Wechselkursverhältnisse. 

Nur noch um sechs Prozent, so die durchschnittlichen Hochrechnungen der Analysten, sollen die Gewinne der US-Unternehmen in diesem Jahr steigen. Im Dax liegen die Prognosen mehr als dreimal so hoch – trotz Europa-Krise und Russland-Ängsten. Und ob die Hochrechner in den Banken dabei sogar die jüngste, weite Schere zwischen dem Dollar und dem Rest der Welt schon einbezogen haben, ist fraglich.

In diesem Spannungsfeld wird der US-Notenbank Fed nichts weiter übrig bleiben, als die Zinsen so weit und so lange wie möglich unten zu lassen - und für die Zukunft eher über Erhöhungen laut nachzudenken als sie durchzuziehen. Sollte der Dollar dann in den nächsten Monaten die US-Unternehmen stärker als erwartet bremsen, könnte Yellen mit ihrer vorsichtigen Richtung sogar wieder Oberwasser bekommen und die Fed-Kritiker und die Falken unter den Notenbankern sollten wieder leiser werden.

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