Riedls Dax-Radar: Was der Zinsschock für Aktien- und Anleihe-Investoren bedeutet

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Die niedrigen Zinsen kosten Anleger seit Monaten Geld. Nun soll noch mehr Bewegung in den Zinsmarkt kommen.

Kolumne von Anton Riedl

Anleger müssen sich in den nächsten Monaten auf hektische Bewegungen an den Zinsmärkten einstellen. Was der Absturz der Anleihekurse bedeutet, wie die Aussichten für Anleger sind.

Die wichtigste Preiskurve an den weltweiten Anlagemärkten ist derzeit die Entwicklung der langfristigen Zinsen. Vor allem in Europa, im Bund-Future, und dementsprechend bei den Renditen für langlaufende Anleihen und der Umlaufrendite, spielt sich Historisches ab.

In den vergangenen Monaten war der Zinsrückgang so heftig, dass die Renditen sogar am (langfristigen) Kapitalmarkt fast auf Null gegangen ist. In der Umlaufrendite waren es 0,05 Prozent. In der Praxis heißt das, dass zahlreiche Anlagen nicht nur gar keinen Ertrag mehr gebracht haben, sondern sogar Geld gekostet haben.

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Wenn man sich den Gedanken vor Augen hält, dass man als Anleger für das Verleihen von sauer Erspartem auch noch etwas bezahlen muss, wird einem die Absurdität bewusst, die an den Zinsmärkten mittlerweile erreicht worden ist.

Auf der anderen Seite hat die extreme Zinssituation natürlich Gründe, und die sind administrativer Natur: Erst wurden die Zinsen von den Notenbanken gesenkt zur Bekämpfung der Finanzkrise 2008/2009, dann zur Rettung der Eurozone inklusive Euro, und dann noch zum Auffangen von Sonderfällen wie Griechenland. Dass auch starke Staaten wie die Bundesrepublik davon doppelt profitieren (ihr Schuldendienst wird leichter, ihre Wirtschaft angefeuert), wurde und wird an politischer Stelle sicherlich gern gesehen.

Für den Börsianer hingegen, der die vorübergehende Ausnahmesituation der Zinsen zwar nachvollziehen kann, stellt sich dennoch seit geraumer Zeit die entscheidende Frage:

Wie lange kann dieser Ausnahmezustand noch anhalten?

Die extreme Hektik an den Zinsmärkten kann man durchaus als Antwort auf diese Frage verstehen. In den vergangenen Tagen sprangen die Renditen so scharf an, wie nie zuvor während des gesamten, mehr als drei Jahrzehnte dauernden Zinsrückgangs.

Allerdings lässt sich dieser Anstieg auch relativieren. Zum einen ist es wenig hilfreich, hier die für Aktienkurse oder Indizes übliche logarithmische Darstellung zu Rate zu ziehen, da schon ein Anstieg von 0,05 Prozent auf 0,60 Prozent eine Verzwölffachung der Zinsen wäre. Diese Art der Darstellung führt – je näher die Zinsen um den Nullpunkt schwanken - zu einer verzerrten Wahrnehmung. Zum Vergleich: Der jüngste Anstieg entspräche bei einer Basis von 3,0 Prozent einem Anstieg auf 36 Prozent. Das ist unrealistisch.  

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Zweitens kam es bisher in den Anleihedepots keineswegs zu dramatischen Umschichtungen echter Anleihen. Der Kurssturz vollzog sich an den Terminmärkten. Hier können auch entsprechende Short-Operationen schnell vollzogen und wieder eingedeckt werden. Mit realen Anleihen ist das in diesem Tempo nicht möglich.

Dennoch: Das Ganze nur als Unfall abzutun, wäre leichtfertig. Die Verunsicherung in den großen und kleinen Anleihedepots ist da. Bisher nämlich, also bis Mitte April, war der andauernde Zinsrückgang die Grundgröße vieler Depots, die ständig zu einem leichten Wertzuwachs geführt hat. Dass Bundesanleihen in den vergangenen Monaten keine Rendite mehr gebracht hätten, war nur bei Betrachtung bis Endfälligkeit richtig. Real, also inklusive Kursentwicklung, gab es sehr wohl gute Gewinne.

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