Riedls Dax-Radar: Wie tief der Dax noch sinken kann

kolumneRiedls Dax-Radar: Wie tief der Dax noch sinken kann

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DAX nimmt Kurs auf 7500 Punkte.

Kolumne von Anton Riedl

Die Zitterpartie an den Aktienmärkten hält an, der Dax hat die 9500 Punkte unterschritten, die Gefahrenzone reicht noch viel weiter runter. Welche Aktien für erste Rückkäufe infrage kommt – und welche nicht.

An den Aktienmärkten findet eine Anpassung statt. Bis Dezember gingen die meisten Anleger davon aus, dass die Folgen der Krisen den Märkten kaum schaden – mehr noch: Sie seien im Grunde der Motor des Anstiegs. Also: Wegen der Krisen sind die Zinsen so niedrig, und deshalb sind Aktien das wichtigste Anlagemedium. Andererseits ist die Wirtschaft aber so schwach auch wieder nicht - und damit bleibe die Aussicht auf moderat steigende Unternehmensgewinne erhalten. Beides führte seit der Finanzkrise zu einer ziemlich stabilen Hausse.

Zu diesem Mix aus moderater Konjunkturentwicklung und niedrigen Zinsen sind seit vergangenem Jahr zwei Krisenkomplexe hinzugekommen: Die abflauende Dynamik in China inklusive möglicher Folgen für die Weltwirtschaft sowie die Rohstoff- und Ölpreisbaisse und die damit verbundene Schwäche der Schwellenländer.

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An den Aktienmärkten selbst erfolgte im Januar der Umschwung: Der Glaube daran, dass diese Krisen eines Tages doch gemeistert werden, ist weitgehend verflogen. Zeichen dafür sind die massiven Kursverluste an den Aktienmärkten und erstmals seit mehreren Jahren eine echte Erholung beim Gold, das derzeit wieder in die Funktion der Krisenversicherung rückt. Der verstärkte Blick auf die Risiken und nicht auf die Chancen lässt sich auch an den gestiegenen Volatilitäts-Indizes ablesen, die erstmals seit dem Kurssturz von 2011 wieder Krise signalisieren.

Daimler bald reif zum Einstieg

Was das für Einzelaktien bedeutet, zeigt der jüngste Kursverfall bei Daimler. Obwohl die Stuttgarter auf Rekordniveau produzieren, eine vielversprechende Modellpalette haben und netto so rentabel sind wie nie zuvor, wird die Aktie verkauft. Selbst wenn man auf dem erreichten hohen Niveau keine deutlichen Gewinnsteigerungen annimmt, sind Daimler-Aktien analytisch mittlerweile billig geworden – und sehr rentabel dazu, denn die Dividende dürfte auf absehbare Zeit mindestens gehalten werden. Daimler-Aktien sollten im Dax zu den ersten Papieren gehören, die wieder reif für einen Rückkauf oder einen Neukauf sind.

Natürlich werden sie sich in einem schwachen Gesamtmarkt der allgemeinen Tendenz nicht entziehen können. Seit der Finanzkrise ist die Daimler-Aktie von 17 Euro auf 96 Euro gestiegen. Das sind 79 Euro Gewinn. Wenn sie davon in klassischer Weise rund 40 Prozent wieder verliert (32 Euro), ergäbe das ein Kursziel von 64 Euro.

Dass diese Projektion mittlerweile unterschritten ist, kann man einerseits als Übertreibung deuten, andererseits als Zeichen für den aktuell besonders gefährlichen Krisenmix. Wahrscheinlich ist es beides. So gesehen könnte es noch eine Station tiefer gehen, vielleicht in die Bandbreite zwischen 60 und 55 Euro. Hier sollte sich dann aber eine erste Gelegenheit zu Rückkäufen ergeben.

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5 Kommentare zu Riedls Dax-Radar: Wie tief der Dax noch sinken kann

  • Sinkendes Wachstum in den USA. Sinkendes Wachstum in China. Rezession in Brasilien und Russland. Da helfen auch Nullzins und Öl bei 20 Dollar nicht mehr? Würden wenigstens zwei Euro für einen Dollar helfen? Wenn nicht ist die ganze VWL sinnlos und ohne weiteren Nutzen. Wird die dann in der Erde vergraben, wie die Himmelsscheibe von Nebra vor 3.600 Jahren?
    Ihr habt nichts verstanden und ihr werdet nichts verstehen, weil ihr einer falschen Theorie anhängt. Bald werdet ihr falschen Propheten geächtet, wie in der Urzeit.



  • Im Grunde befinden sich aktuell viele Hoffnungs-, Zukunfts- und Wachstumsregionen der Welt in Baissen (./. 50% im Index vom Höchststand weg): China, Rußland, Lateinamerika, VAE.

    Es ist nur die Frage, wann und wie heftig der Sturm, der international bereits seit längerem tobt, hier ankommen wird:

    Inwiefern zukünftig Umsätze und Gewinne zurückgehen, bisher aufgebaute Kapazitäten nicht auszulasten sind, aggressive und wagemutige Geschäftsmodelle mit großem Fremdkapitalhebel scheitern.

    Anschauungsmaterial dazu gibt es auch in der westlichen Welt in den Bereichen (alternative) Öl- und Gasgewinnung, Rohstofförderung und -exploration, Casinos, Kraftfahrzeughersteller und -zulieferer inzwischen genug.

    Ich kann mir nicht vorstellen, wie die westlichen Regierungen und Notenbanken der zukünftigen Rezession noch wirkungsvoll entgegentreten können, da sie für einen Großteil der aktuellen Überbewertungen selbst verantwortlich sind („Zeit kaufen“ – in der dann nur wie bisher weitergewurstelt wird) und der große internationale Zusammenhang besteht.

    Ich glaube, daß der Bewertungsabbau allmählich von statten geht wie von 2000 bis 2003, wo die Wirtschaft trotzdem weiter gewachsen ist (nur war aus vielen Überbewertungen zum Schluß die Luft raus).

    So ab 6.000 Punkten im DAX und 10.000 Punkten im Dow Jones wird es wieder interessant, zu investieren.

  • Lieber Herr Noak: Die enttaeuschenden Wachstumsraten Chinas von 6 bis 7% haetten wir ganz gerne. Egal - bei niedrigen Zinsen und Rohstoffpreisen gibt es sicher keine grosse Krise. So richtig aetzend ist es immer erst wenn die Zinsen und Inflation das Gehalt auffressen oder das Gehalt wegfaellt. Das ist zur Zeit in Brasilien der Fall. Es tut mir leid fuer Sie, dass sie so schwarz sehen. Wenn man Lateinamerika ohne Brasilien betrachtet kommt man auf Wachstumsraten von 2% in Sued- und 4% in Mittelamerika. Die Zinsen sind aber so hoch, dass man dort keine Aktien kaufen muss.

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