Riedls Dax-Radar: Worauf deutsche Anleger jetzt achten müssen

Riedls Dax-Radar: Worauf deutsche Anleger jetzt achten müssen

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Mittelfristig Schwankungen um die 10.000er Marke, langfristige Aufwärtsstimmung

von Anton Riedl

Der Dax kämpft weiterhin mit der 10.000er-Marke. Auch wenn manche Kritiker eine Blase befürchten - das Aktienumfeld bleibt positiv. Bei welchen Unternehmen es trotzdem Warnsignale gibt.

Der Kampf um die 10.000er-Marke wird sich hinziehen. Beim aktuellen Rücksetzer sollte das Niveau um 9700 Punkte erst einmal halten.

Die Weltbank nimmt ihre globale Wirtschaftsprognose für 2014 etwas zurück und rechnet nun mit 2,8 Prozent statt 3,2 Prozent Wachstum. Gründe dafür sind die Ukraine-Krise, die nun doch die Wirtschaft stärker dämpft als erwartet sowie das weiterhin schwache Abschneiden der Schwellenländer. Dagegen vollziehe sich in der Eurozone die Erholung spürbar. In diesem Jahr rechnet die Weltbank hier mit gut einem Prozent Plus, in den nächsten Jahren fast mit zwei Prozent.

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Zwei Folgen

Für die Wertpapiermärkte hat diese Prognose zwei Folgen: Erstens verläuft der weltweite Erholungspfad nach dem tiefen Einbruch 2008/09 insgesamt weiterhin moderat nach oben – für die Unternehmen ist das ein durchaus akzeptables Umfeld für mögliche Gewinnsteigerungen. Zweitens werden in diesem Umfeld die wichtigsten Notenbanken, also die Fed und die EZB, an ihrer grundsätzlich expansiven Geldpolitik festhalten - auch nicht schlecht für Aktien und Anleihen.

Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

  • Eigene Strategie festlegen

    Gegen die größer werdenden Unwägbarkeiten sollte man sich zuallererst mit einer Strategie wappnen: Wer an kräftiges Wachstum in Deutschland glaubt, an einen anhaltenden Boom der Schwellenländer und hohen privaten Konsum, kann weiter am Aktienmarkt investieren. Wer skeptisch ist, sollte seine Bestände hingegen nicht aufstocken.

  • Widerstandskraft zeigen

    Eng verbunden mit der ersten Regel: Immer wieder kommt es vor, dass sich Dinge anders entwickeln, als man erwartet hat. Es ist wichtig, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und nicht jeder Entwicklung hinterherzulaufen. Eine solche Reaktion zeugt nicht von einem geringen Vertrauen in die eigene Strategie. Es kostet meist auch Geld, weil die Masse schon vorher diese Richtung eingeschlagen und das Gros an Rendite eingefahren hat.

  • Richtig mischen

    Groß oder klein, spekulativ oder konservativ, liquide oder illiquide, dividendenstark oder dividendenschwach, Substanz oder Wachstum: Bei Aktien ist die Auswahl riesig. Der richtige Mix aus spekulativen und konservativen Titeln hilft, Schwankungen zwischen guten und schlechten Zeiten auszugleichen. Nicht zu unterschätzen sind starke Dividendenzahler, die Jahr für Jahr den Grundstock für eine solide Rendite legen.

  • Barrieren einbauen

    Keine Frage, die Börsen haben in den vergangenen zehn Jahren stärker geschwankt als in allen Dekaden zuvor. Das wird so bleiben, mit wachsendem Computerhandel sogar noch zunehmen. Wer sein Risiko minimieren will, baut Barrieren ein – sogenannte Stopps. Gerne werden Stopps bei 20 Prozent über und unterhalb des aktuellen Kurses gewählt. Dann wird automatisch verkauft, wenn diese Grenzen erreicht sind. Kommt eine Phase überraschend steigender Kurse mit anhaltendem Aufwärtstrend, lässt sich die Barriere leicht nach oben verschieben. Wichtig ist dann, auch die Barriere am unteren Ende nachzuziehen.

  • Herdentrieb beobachten

    Wichtig in Phasen überraschender Kurssteigerungen oder -stürze ist es, das Verhalten der Masse zu beobachten. Ist es noch nachvollziehbar oder völlig irrational? Häufig ist es irrational. Dann hilft meist die zweite Regel: Widerstandskraft zeigen. Nach einigen Monaten kehrt die Rationalität von ganz allein zurück. Der Kurssturz aus dem vergangenen Jahr und die jüngste Entwicklung beweisen das gerade wieder.

  • Risiko rausnehmen

    Sind Aktien wie seit Jahresbeginn schon um 30, 40 oder gar 50 Prozent gestiegen, dann sind Anschlussgewinne in der Regel nur noch schwer zu erzielen. Phrasenverdächtig ist zwar die alte Weisheit: „An Gewinnmitnahmen ist noch niemand zugrunde gegangen.“ Richtig ist sie trotzdem.

  • Insidern folgen

    Firmenchefs haben einen gewaltigen Vorteil gegenüber normalen Aktionären. Sie wissen weit mehr als jeder Analyst oder Kommentator, wie es in ihrem Unternehmen aussieht. Insider nennt man sie deshalb. Sie melden ihre Orders innerhalb von fünf Handelstagen an die Börsenaufsicht Bafin. Das Handelsblatt veröffentlicht alle zwei Wochen das sogenannte Insider-Barometer, das aus der Summe aller Kauf- und Verkaufsorders Schlüsse für den weiteren Verlauf in Dax & Co. zieht. Jüngste Tendenz: Vorstände und Aufsichtsräte verkaufen mehr als sie kaufen. Vorsicht also!

  • Geopolitische Ereignisse beachten

    Terroranschläge und Naturkatastrophen kommen unerwartet. Politische Konflikte wie aktuell zwischen Israel und dem Iran schwelen meist länger. Entscheidende Wahlen wie jüngst in Russland und in diesem Jahr noch in Frankreich und den USA sind vorhersehbar und haben immer Einfluss auf die Börse. Dabei gilt generell: Wahljahre sind gute Börsenjahre.

  • Auf reale Werte setzen

    Mit Optionsscheinen oder Bonus-Zertifikaten lässt sich zwar aus einem Aufwärtstrend ein noch größerer Profit schlagen. Dies sind jedoch in der Regel Wetten ohne realen Hintergrund. Aktien sind reale Werte.

  • Moden misstrauen

    Vor allem Aktien einzelner Branchen unterliegen immer wieder gewissen Moden. Doch die wechseln wie im realen Leben, und manchmal geht das schneller, als man denkt. Das bekommt gerade die einst angesehene Solarenergie-Branche bitter zu spüren.

Während die ordnungspolitische Diskussion über die Rolle der Notenbanken tobt - und man meinen könnte, Draghi sei der meistgehasste Mann Europas -, sind Aktienindizes und Bond-Barometer weltweit auf Rekordständen. Für Börsianer provoziert das vor allem einen Rückschluss: Offensichtlich ist die aktuelle Partizipation an der Aktien- und Anleihehausse alles andere als verbreitet. Oder anders ausgedrückt: Im Gegensatz zum Jubeljahr 2000, als Anlegen zum Volkssport wurde, ist es heute Common Sense, Draghi, die Fed und mit den Notenbanken gleich die ganze Hausse an den Wertpapiermärkten zu verteufeln.

Der Dax überzeugt

Es ist keine Frage, dass sich der stärkste Zinsrückgang in der Menschheitsgeschichte massiv auf die Kurse von Wertpapieren auswirkt und sie nach oben treibt. Dass die durchschnittlichen Zinsen für Anleihen in 30 Jahren kontinuierlich von gut elf auf ein Prozent gesunken sind, hat es bisher noch nicht gegeben. Dennoch haben sich in der gleichen Zeit auch viele Unternehmen sehr vorteilhaft entwickelt. BMW, BASF, Volkswagen, Henkel oder Bayer etwa haben ihr Geschäftsvolumen in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich ausgedehnt, erzielen hohe Renditen und sind kapitalstark wie nie.

Blog Riedls Dax-Radar Die Angst steigt, die Kurse auch

Nach der Zinssenkung setzt der Aktienmarkt seinen Aufwärtstrend fort. Allerdings, bis die 10000er-Marke endgültig überwunden ist, kann es mehrere Monate dauern.

huGO-BildID: 37358145 A trader watches his screens at the stock market in Frankfurt, Germany, when the German stock index DAX reached more than 10,000 points for the first time in history on Thursday, June 5, 2014. ( AP Photo/Michael Probst) Quelle: AP

Nur von einer Blase an den Aktienmärkten zu sprechen, kommt einer Realitätsverweigerung gleich. Natürlich, es gibt auch die anderen, die Verlierer, selbst im Dax: Mit wahrhaft historischer Dimension ist das vor allem die Commerzbank, deren Kurs nach der Finanzkrise sogar unter das Niveau der Sechziger- und Siebzigerjahre rutschte. Dennoch: Selbst die abgestürzte Cobank-Aktie durchläuft derzeit einen Turnaround.

Stabile Trends

Der Dow erreichte bei knapp 17.000 Punkten ein neues Hoch, nun könnte er zunächst bis 16.600/16.700 auf die jüngste große Ausbruchszone reagieren. Diese Untergrenze sollte vorläufig halten. Ähnlich ist die Situation an der Nasdaq. Der 100er-Index hatte sein Hoch bei 3800, die nächste Unterstützung liegt bei 3600 bis 3700. Sie dürfte in den nächsten Tagen verteidigt werden. Beide US-Indizes signalisieren kurzfristig eine Schwankungsphase, mittel- und langfristig zeigt die Tendenz nach oben.

Der Dax kam knapp über die 10.000 Punkte. Aber nachhaltig, wie es so schön heißt, wären mindestens 10.300. Davon ist der Markt ein gutes Stück entfernt. Insofern spielt sich bisher das übliche Szenario um große Kursmarken ab – ihre Überwindung kann Monate dauern.

Im Dax geht das kurzfristige Risiko zunächst bis auf rund 9700 hinab - auf Schlusskursbasis. Diese Untergrenze sollte in den nächsten Wochen halten. Die 200-Tage-Linie verläuft bei 9250 Punkten, die 100er-Linie bei gut 9600; beide mit solidem Abstand und ruhig nach oben.

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