Riedls Dax-Radar: Zitterpartie am deutschen Aktienmarkt

kolumneRiedls Dax-Radar: Zitterpartie am deutschen Aktienmarkt

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Dax-Verlauf am 28.05.2015.

Kolumne von Anton Riedl

Der Griechenland-Poker und die Gefahr steigender Zinsen zerren an den Nerven der Anleger. Kommt nun doch eine längere Sommer-Korrektur?

Es wird immer knapper für den Dax. Dabei ist die Entwicklung in der Griechenlandfrage, die hier als Grund herhalten muss, keineswegs neu und überraschend. Und ob ein Austritt den Aktienmarkt dauerhaft belastet, ist sehr fraglich. Wenn dem so wäre, hätte der Dax schon in den vergangenen Wochen wesentlich schlechter abgeschnitten.

Dennoch, die echten Risiken für Aktien sind nicht von der Hand zu weisen – und sie sind es auch, die hinter der aktuellen Zitterphase stehen. Die Konjunktur läuft zwar sowohl in Europa wie auch in den USA zufriedenstellend bis gut, doch die Frage der Zinswende liegt wie Blei auf dem Markt. Besser gesagt: Es geht mehr um die Angst vor der Zinswende als um die Folgen steigender Renditen selbst.

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Dax Anleger halten sich nach Berg- und Talfahrt zurück

Die Unsicherheit angesichts der griechischen Schuldenkrise hält den Aktienmarkt weiter gefangen. Die Kurse fallen. Es gibt aber auch Gewinner, darunter Infineon.

Logos Dax-Konzerne Quelle: dpa

Droht in Kürze nochmal ein heftiger Zinsanstieg?

Bisher haben die Zinsen nach dem deutlichen Renditeanstieg auf 0,6 Prozent (Umlaufrendite) wieder auf etwa 0,4 Prozent nachgegeben. Allerdings ist der Verlauf dabei keineswegs so, als ob der Zinsanstieg eine Eintagsfliege sei. Dann nämlich hätte es, am besten mit der Dynamik des Anstiegs, eine ebensolche Erholung der Anleihekurse geben müssen. Die allerdings fand bisher so nicht statt.

Damit sieht es am Zinsmarkt seit Mitte April so aus, als ob nach dem massiven Anstieg von 0,05 auf 0,6 Prozent zunächst eine bilderbuchmäßige Konsolidierung zwischen 0,6 und 0,4 Prozent folgt. Geht dieses klassische Schema weiter, müsste es noch einen zweiten, ebenfalls heftigen Anstieg geben, der etwa bis 0,8 gehen könnte. Erst dann wäre wieder mit einer längeren Pause zu rechnen.

Aktienkultur in Deutschland

  • Aktienbesitz

    Menschen mit Aktieninvestments im Jahr 2014: 8,4 Millionen

    Vorjahr: 8,9 Millionen

    Anteil der Bevölkerung über 14 Jahren im Jahr 2014: 13,1 Prozent

    Vorjahr: 13,8 Prozent

  • Investitionsarten

    Wie die deutschen Aktionäre investiert sind:

    4,3 Millionen Menschen besitzen nur Aktienfonds.

    1,6 Millionen Menschen besitzen Aktien und Aktienfonds.

    2,5 Millionen Menschen besitzen nur Aktien.

  • Langfristige Entwicklung

    Seit 2001 haben rund 4,4 Millionen Menschen dem Aktienmarkt den Rücken gekehrt.

    Aktionärsanzahl 2001: 12,8 Millionen

    Aktionärsanzahl 2014: 8,4 Millionen

  • Aktienbesitz nach Altersgruppen

    Das Interesse an Aktien hat in den vergangenen Jahren besonders bei den Jüngeren stark nachgelassen.

    Anteil der Aktien- und Aktienfondsbesitzer nach Altersgruppen:

    20-29 Jährige: 7,2 Prozent (2001: 17,5 Prozent)

    30-39 Jährige: 12,1 Prozent (2001: 27,9 Prozent)

    40-49 Jährige: 17,2 Prozent (2001: 25,5 Prozent)

    50-59 Jährige: 17,1 Prozent (2001: 24,5 Prozent)

    60-69 Jährige: 13,6 Prozent (2001: 14,4 Prozent)

  • Aktienbesitz nach Beruf

    Anteil von Aktienbesitzer nach beruflicher Position:

    Leitende Angestellte: 28,4 Prozent

    Leitende Beamte: 30,1 Prozent

    Selbstständige/Freie Berufe: 26,0 Prozent

    Sonstige Beamte: 29,5 Prozent

    Öffentlicher Dienst: 22,7 Prozent

    Sonstige Angestellte: 14,8 Prozent

    Rentner/Pensionäre: 12,3 Prozent

    Studenten: 4,3 Prozent

    Facharbeiter: 8,9 Prozent

    Selbstständige Landwirte: 23,5 Prozent

    Schüler: 1,9 Prozent

    Sonstige Arbeiter: 4,2 Prozent

    Auszubildende: 4,6 Prozent

  • Aktienbesitz nach Einkommen

    Menschen mit höherem Einkommen, haben ein höhere Interesse an Aktien.

    Anteil von Aktien und Aktienfondsbesitzern nach Nettohaushaltseinkommen:

    750-1.250 Euro: 2,5 Prozent

    1.250-2.000 Euro: 6,9 Prozent

    2.000-3.000 Euro: 24,6 Prozent

    3.000-4.000 Euro: 18,5 Prozent

    Über 4.000 Euro: 34,3 Prozent

  • Aktienbesitz nach Bundesländern

    Alte Bundesländer: 13,8 Prozent besitzen Aktieninvestments

    Neue Bundesländer: 10,3 Prozent besitzen Aktieninvestments

    Gesamt: 13,1 Prozent

So gesehen ist die Unsicherheit am Zinsmarkt nach wie vor ein hoher Risikofaktor für die Aktienentwicklung. Da zugleich die Marktbewertung (das Dax-KGV 2015 liegt gemessen an den optimistischen Konsensschätzungen der Analysten bei 14,5) natürlich nicht mehr günstig ist, besteht auch von fundamentaler Seite Spielraum für eine weitere Korrektur.

Vom Euro hingegen dürfte auf absehbare Zeit keine Störung kommen. Der Anstieg auf 1,15 Dollar war eine durchaus normale Zwischenerholung und keine Trendwende. Mindestens 1,05 Dollar könnte der Euro in den nächsten Wochen noch einmal sehen. Erst dann dürfte sich die Frage nach der Trendwende stellen – oder die nach neuen Tiefpunkten. Für den Dax heißt das: Die positiven Währungseffekte, die deutschen Unternehmen vor allem im ersten Quartal geholfen haben, halten bis auf weiteres an.

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