Rocket Internet: Für 500 Millionen Euro ins Pizza-Taxi

Rocket Internet: Für 500 Millionen Euro ins Pizza-Taxi

Rocket Internet steigt mit knapp 500 Millionen Euro bei Delivery Hero ein. Zu der Berliner Lieferdienst-Plattform für 24 Länder gehört auch die deutsche Tochter Lieferheld. Ein gutes Geschäft?

Bei Internet-Unternehmen sind meist die Wachstumsraten hoch, die Schulden und Verluste dafür ebenso. Aber um einen Markt zu besetzen, kommt es auf das Tempo und ausreichende Mittel für Investitionen, Beteiligungen oder Übernahmen an. Diese Prinzip haben die umtriebigen Samwer-Gründer Marc, Oliver und Alexander mit ihrer Beteiligungsfirma Rocket Internet professionalisiert und durch den Börsengang Anfang Oktober 2014 mit Aktienverkäufen für 1,4 Milliarden ausreichend finanziert.

Sammelstelle für Essensbestellungen

Ein großer Batzen diese Geldes fließt jetzt in die Übernahme von Delivery Hero. Rocket Internet AG einen 30-prozentigen Minderheitsanteil an dem Lieferdienst für Essen erworben. Das vor vier Jahren gegründete Unternehmen wird mit knapp 1,7 Mrd. Euro bewertet. Nach jüngsten Angaben hat Delivery Hero 90.000 Restaurants als Partner, 5,8 Millionen Nutzer und mit ihnen in 2014 etwa 63 Millionen Bestellungen bearbeitet. Die Zahlen deuten schon auf das enorme Potenzial hin. Die Samwers setzen gleich mit mehreren Beteiligungen auf diesen Markt.

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Rocket zahlt für die Beteiligung 496 Millionen Euro. Delivery Hero ist in 24 Ländern in Europa und Südamerika aktiv, das Maskottchen ist eine Superheldenfigur. In Deutschland firmiert es unter dem Namen Lieferheld. Im November tauschten Essens-Lieferdienste von Rocket Internet lokale Geschäfte in Argentinien, Chile, Kolumbien, Ecuador und Peru gegen Sparten von Delivery Hero in Indien und Mexiko, so dass die beiden Unternehmen in diesen Märkten nicht mehr konkurrieren. Zu den frühen Investoren von Delivery Hero gehören der Verleger Georg von Holtzbrinck und der Einzelhandelskonzern Tengelmann.

Pizza, Sushi und Burritos für 90 Milliarden Euro

Rocket bildet zudem eine neue Einheit, in der die internationalen Aktivitäten bei der Essenszustellung mit mehreren Firmen zusammengefasst werden sollen. In diese "Global Online Takeaway Group“ kommt der hauseigene Konkurrent von Delivery Hero, Foodpanda. Zudem kaufte Rocket Internet in Spanien den Lieferdienst La Nevera Roja und in Italien den Zusteller Pizzabo. Insgesamt kämen die Rocket-Beteiligungen in dieser Sparte auf 78 Millionen Essensbestellungen pro Jahr. Rocket sehe insgesamt einen rund 90 Milliarden Euro großen weltweiten Markt für Essenszustellung, der online noch weitgehend unerschlossen sei, hieß es.

Die Gesamtbewertung der unter dem Dach von Rocket Internet aktiven großen Startups sei seit dem Börsengang im Oktober um rund 800 Millionen Euro gestiegen, hieß es am Freitag weiter. Fast alle von ihnen schreiben allerdings bisher auch operativ rote Zahlen. Rocket Internet entwickelt Internet-Unternehmen vor allem im Bereich des Online-Handels und Dienstleistungen. Die Firma wird von den Internet-Investoren Oliver, Marc und Alexander Samwer kontrolliert. Der Börsengang von Rocket fiel zunächst schwach aus, die Aktie fiel unter den Ausgabepreis. Inzwischen steht sie deutlich höher und Rocket Internet ist insgesamt rund 7,2 Milliarden Euro wert.

Die "proven winners" von Rocket Internet

  • Best of 100

    Auf diese elf Unternehmen ist Rocket besonders stolz: Sie sind die größten und erfolgreichsten in ihrem Portfolio. Die Firmen, an denen der Samwer-Inkubator jeweils Minderheitsbeteiligungen hält, wurden in der letzten Finanzierungsrunde mit mindestens 100 Millionen Euro bewertet und sind länger als zwei Jahre am Markt. Aber auch die Gewinner stecken noch in den roten Zahlen. Bei Gesamterlösen von 757 Millionen summierten sich die Jahresfehlbeträge auf 442 Millionen Euro.

  • Dafiti

    Geschäftsmodell: E-Commerce (Mode)

    Gründungsjahr: 2010

    Erlös 2013: 146 Millionen Euro

    Anteil Rocket Internet: 22,7 Prozent

    Insgesamt erhaltene Finanzierung: 218 Millionen Euro

    Von Rocket Internet erhaltene Finanzierung: 5 Millionen Euro

  • Lamoda

    Geschäftsmodell: E-Commerce (Mode)

    Gründungsjahr: 2010

    Erlös 2013: 122 Millionen Euro

    Anteil Rocket Internet: 23,5 Prozent

    Insgesamt erhaltene Finanzierung: 219 Millionen Euro

    Von Rocket Internet erhaltene Finanzierung: 6,6 Millionen Euro

  • Zalora

    Geschäftsmodell: E-Commerce (Mode)

    Gründungsjahr: 2011

    Erlös 2013: 69 Millionen Euro

    Anteil Rocket Internet: 25 Prozent

    Insgesamt erhaltene Finanzierung: 292 Millionen Euro

    Von Rocket Internet erhaltene Finanzierung: 2,6 Millionen Euro

  • Jabong

    Geschäftsmodell: E-Commerce (Mode)

    Gründungsjahr: 2010

    Erlös 2013: 57 Millionen Euro

    Anteil Rocket Internet: 21,4 Prozent

    Insgesamt erhaltene Finanzierung: 189 Millionen Euro

    Von Rocket Internet erhaltene Finanzierung: 4,3 Millionen Euro

  • Namshi

    Geschäftsmodell: E-Commerce (Mode)

    Gründungsjahr: 2012

    Erlös 2013: 11 Millionen Euro

    Anteil Rocket Internet: 34,4 Prozent

    Insgesamt erhaltene Finanzierung: 47 Millionen Euro

    Von Rocket Internet erhaltene Finanzierung: 0,8 Millionen Euro

  • Lazada

    Geschäftsmodell: E-Commerce (Online-Warenhaus)

    Gründungsjahr: 2011

    Erlös 2013: 57 Millionen Euro

    Anteil Rocket Internet: 26,7 Prozent

    Insgesamt erhaltene Finanzierung: 319 Millionen Euro

    Von Rocket Internet erhaltene Finanzierung: 2,5 Millionen Euro

  • Linio

    Geschäftsmodell: E-Commerce (Online-Warenhaus)

    Gründungsjahr: 2011

    Erlös 2013: 48 Millionen Euro

    Anteil Rocket Internet: 35,2 Prozent

    Insgesamt erhaltene Finanzierung: 120 Millionen Euro

    Von Rocket Internet erhaltene Finanzierung: 1,4 Millionen Euro

  • Jumia

    Geschäftsmodell: E-Commerce (Online-Warenhaus)

    Gründungsjahr: 2012

    Erlös 2013: 29 Millionen Euro

    Anteil Rocket Internet: 26,8 Prozent

    Insgesamt erhaltene Finanzierung: 62 Millionen Euro

    Von Rocket Internet erhaltene Finanzierung: 0,2 Millionen Euro

  • Home24

    Geschäftsmodell: E-Commerce (Möbel)

    Gründungsjahr: 2009

    Erlös 2013: 93 Millionen Euro

    Anteil Rocket Internet: 49,5 Prozent

    Insgesamt erhaltene Finanzierung: 205 Millionen Euro

    Von Rocket Internet erhaltene Finanzierung: 9,7 Millionen Euro

  • Westwing

    Geschäftsmodell: E-Commerce (Möbel)

    Gründungsjahr: 2011

    Erlös 2013: 111 Millionen Euro

    Anteil Rocket Internet: 33,7 Prozent

    Insgesamt erhaltene Finanzierung: 155 Millionen Euro

    Von Rocket Internet erhaltene Finanzierung: 3,3 Millionen Euro

  • Hellofresh

    Geschäftsmodell: E-Commerce (Lebensmittel)

    Gründungsjahr: 2011

    Erlös 2013: 14 Millionen Euro

    Anteil Rocket Internet: 37,1 Prozent

    Insgesamt erhaltene Finanzierung: 39 Millionen Euro

    Von Rocket Internet erhaltene Finanzierung: 0,5 Millionen Euro

Bekannt wurde die Samwer-Brüder mit ihren Investments in Kopien von Internet-Geschäftsmodellen, unter anderem von Groupon Inc. und Airbnb Inc. Der Börsengang von Rocket Internet machte sie zu Milliardären.

Der Aktienkurs von Rocket Internet legte am Freitag in Frankfurt acht Prozent zu auf 50,67 Euro. Seit dem Börsengang hat die Aktie inzwischen rund 19 Prozent zugelegt, nachdem der Aktienkurs zunächst unter den Ausgabepreis gefallen war und viele neue Aktionäre somit enttäuschte. Mittlerweise kommt das Unternehmen auf einen Marktwert von 7,7 Milliarden Euro.

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