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Rohstoff-Kasino: Wie Banken mit Nahrungsmitteln zocken

von Daniel Delhaes, Jörg Hackhausen und Christoph Kapalschinski und Christian Panster Quelle: Handelsblatt Online

Foodwatch greift die Deutsche Bank frontal an. Die Banker seien mit ihrer "Zockerei" schuld daran, dass Millionen Menschen hungern, schimpft die Verbraucherorganisation. Sie fordert: Rohstofffonds gehören verboten.

Weizenähren auf einem Feld bei Stuttgart: Die Verbraucherorganisation Foodwatch fordert ein Verbot von Rohstofffonds und Zertifikaten. Quelle: handelsblatt.com
Weizenähren auf einem Feld bei Stuttgart: Die Verbraucherorganisation Foodwatch fordert ein Verbot von Rohstofffonds und Zertifikaten. Quelle: handelsblatt.com

Die Botschaft des Briefes ist eindeutig: "Sehr geehrter Herr Ackermann, die Investmentbanken und damit auch Sie persönlich tragen Mitschuld daran, dass die Menschen in den ärmsten Ländern Hunger leiden und am Hunger sterben", schreibt Thilo Bode an Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. "Sie schädigen mit Spekulationen auf die Nahrungsmittelpreise das globale Gemeinwohl."

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Bode ist Geschäftsführer der Nichtregierungsorganisation Foodwatch. Er präsentiert heute eine Studie, deren Inhalt dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. "Die Hungermacher - Wie Deutsche Bank, Goldman Sachs & Co. auf Kosten der Ärmsten mit Lebensmitteln spekulieren" heißt die knapp 90 Seiten starke Anklageschrift gegen die Finanzbranche.

"Die unverantwortliche Zockerei im globalen Rohstoff-Kasino muss durch klare Spielregeln eingedämmt werden", sagt Ex-Greenpeace-Chef Bode. Foodwatch forderte ein Verbot von Rohstofffonds und Zertifikaten auf Rohstoffe. Die Banken rief die Organisation zum Verzicht auf Spekulationen mit Nahrungsmitteln auf.

Die Wut auf die Finanzkonzerne wächst, nicht zuletzt wegen ihrer Wetten auf den Rohstoffmärkten. Bundespräsident Christian Wulff sagte kürzlich, die hohen Preisschwankungen, ausgelöst von Spekulanten, führten dazu, dass viele Menschen in der Welt Hunger litten. Klaus Josef Lutz, Vorstandschef beim Agrarkonzern Baywa, meint, dass der Einfluss der Banken und Fonds auf die Preise mittlerweile sehr groß sei, sehr viel größer als noch in früheren Jahren: "Der Markt ist unberechenbar geworden."

Global operierende Banken und große Fonds haben das Rohstoffmonopoly längst als lukratives Spielfeld entdeckt und bewegen sehr viel Geld, egal ob es um Schweinbäuche, Mais oder Sojabohnen geht.

Bis Ende März dieses Jahres hatten Spekulanten den Experten des britischen Finanzkonzerns Barclays zufolge mehr als 400 Milliarden Dollar in Wertpapiere investiert, mit denen sie auf steigende Preise am Rohstoffmarkt spekulierten. Etwa ein Drittel dieser Summe floss in Anlagen für Agrarrohstoffe; und diese Summe steige monatlich um fünf bis zehn Milliarden Dollar an, schreiben die Barclays-Analysten. An der Rohstoffbörse in Chicago beispielsweise wurden allein im Mai rund 350 Millionen Tonnen Weizen virtuell gehandelt. Das ist mehr als die Hälfte der weltweiten Weizenproduktion dieses Jahres. Die Folge: Die Spekulanten treiben die Preise für Nahrungsmittel in die Höhe. In den vergangenen zehn Jahren ist der Preis für Reis um 315 Prozent und der für Mais um 215 Prozent gestiegen; Sojabohnen haben sich um 192 Prozent verteuert.

"Es muss uns nachdenklich stimmen"

"Es gibt in diesem Bereich sehr viel zu verdienen", sagt ein Banker, der für einen großen europäischen Finanzkonzern arbeitet. Und die Banken verdienen gleich doppelt. Sie sichern Unternehmen über Termingeschäfte gegen die stark schwankenden Preise ab, aber auf der anderen Seite gehen sie selbst auf Einkaufstour, ordern Kaffee und Weizen, um die Bestände später teurer wieder auf den Markt zu werfen. Das Pikante daran: Indem sie in großem Stil einkaufen, verstärken die Finanzakrobaten die Preisschwankungen, gegen die sie ihre Kunden eigentlich absichern sollen. Je heftiger die Ausschläge an den Märkten, desto teurer das Absicherungsgeschäft. Die Bank gewinnt immer.

Darunter leiden müssten diejenigen, die sich die Nahrungsmittel nicht mehr leisten können, heißt es in der Foodwatch-Studie. Auch die Experten der Uno-Organisation Unctad warnen vor zu viel Spekulation. Sie führe zu falschen Signalen an den Markt, weil sich Preise kurzfristig von den Mengen lösten. Die hohen und unberechenbaren Nahrungsmittelpreise bedrohten vor allem die Ärmsten. Nach Angaben im Welthungerbericht 2011 der Uno hungern auf der Welt etwa 925 Millionen Menschen. Für den Banker dagegen ist Reis ein Rohstoff wie jeder andere, der Terminkontrakt auf ein Nahrungsmittel ist für ihn ein Finanzprodukt wie jedes andere.

In den Bankentürmen in London, Frankfurt und New Yorker verweisen sie darauf, dass ihre Milliarden helfen, die Märkte sehr viel liquider zu machen. Daran, dass die Preise so stark gestiegen seien, träfe sie keine Schuld. "Finanzprodukte auf der Basis von landwirtschaftlichen Rohstoffen helfen Produzenten und Abnehmern das Preisrisiko zu begrenzen. Außerdem geben sie frühzeitig Hinweise auf zu erwartende Knappheiten", wehrt sich die Deutsche Bank. Sie betreibe außerdem keinen physischen Handel mit Agrarrohstoffen, erklärt die Bank.

Unterstützung erhalten sie vom Berliner Agrar-Ökonomen Harald von Witzke: "Die Agrarpreise steigen, weil die weltweite Nachfrage schneller steigt als das Angebot." Das liege am Bevölkerungswachstum und dem steigenden Konsum in den Schwellenländern.

Auch Peter Brabeck-Letmathe, Verwaltungsratschef beim Lebensmittelhersteller Nestlé, steht hinter den Bankern. Er nannte die Spekulationen der Finanzjongleure kürzlich in einem Zeitungsinterview "irritierend", aber letztlich nicht "ausschlaggebend" für die Preissteigerungen.Für den katholischen Erzbischof Robert Zollitsch ist es eine Frage der Moral. In seiner Predigt beim Erntedankgottesdienst im Freiburger Münster verurteilte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz die Spekulationen mit Lebensmitteln: "Es muss uns nachdenklich stimmen, wenn mit Nahrungsmitteln spekuliert wird - wenn das, was zum Lebensunterhalt dient, zum reinen Objekt der Gewinnmaximierung wird."

4 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 18.10.2011, 15:01 UhrAnonymer Benutzer: JuHa

    immer feste druff!
    "Moral"?
    Wir, die EU, fischen doch die Meere leer, so daß die lokalen Fischer kein Einkommen mehr haben!
    Wir, die EU, exportieren doch die "Hähnchen des Todes" und machen mit subvetionierten KDumpingpreisen die lokale Hähnechenzucht in Afrika kaputt!
    Wir, die EU, schaffen es sogar, mit exportierten Zwiebeln den lokalen bauern in Afrika ihre Lebensgrundlage zu entziehen!

    Was ist denn das für eine heuchlerische Doppelmoral, pfui.

  • 18.10.2011, 13:21 UhrAnonymer Benutzer: echt

    ein Seil, ein baum ... und aus der Traum.

  • 18.10.2011, 13:16 UhrAnonymer Benutzer: wählt PIRATEN

    und bitte auch nicht vergessen, dass SPD und GRÜNE bewirkt haben, dass dieses Zocken und Spekulieren gesetzlich legitimiert wurde ...
    SPD und GRÜNE stehen somit genauso am Pranger, für tausendfachen Hungertod weltweit direkt verantwortlich zu sein.
    WiR KLAGEN AN !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
    Volksvernichter gehören abgewählt ....

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