Rohstoffe: Kein Ende der Ölschwemme in Sicht

Rohstoffe: Kein Ende der Ölschwemme in Sicht

, aktualisiert 13. September 2016, 15:26 Uhr
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Die Ölvorräte der OECD-Staaten sind prall gefüllt.

von Matthias StreitQuelle:Handelsblatt Online

Die Internationale Energieagentur hat zuletzt 2017 einen ausgeglichenen Ölmarkt erwartet, zieht diese Prognose aber wieder zurück. Ein entscheidender Faktor für den Ölpreis dürfte der Ausgang der Wahlen in den USA sein.

FrankfurtDie Internationale Energieagentur (IEA) befürchtet laut ihrem aktuellen Ölmarktreport, dass sich die globale Nachfrage schwächer entwickelt als bislang erwartet. Zuletzt rechnete die Agentur, die die OECD-Staaten in Energiefragen berät, noch damit, dass sich Angebot und Nachfrage spätestens im ersten Halbjahr 2017 ausgleichen. Nun scheint diese Prognose hinfällig.

Denn auf die große Frage, wann der globale Ölmarkt wieder ausgeglichen sei, bleiben die Experten in ihrem Bericht eine konkrete Antwort schuldig. Stattdessen heißt es: „Wir müssen wohl noch eine Weile warten.“ Die IEA erwartet kaum eine Veränderung bei Angebot und Nachfrage auf dem Ölmarkt. Damit dürfte das Angebot weiterhin die Nachfrage übersteigen, zumindest bis in das erste Halbjahr nächsten Jahres, stellte die IEA weiter fest. Derzeit werden auf der Welt täglich 97 Millionen Fass Öl aus dem Boden gepumpt.

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Eigentlich könne man bei den aktuellen Marktpreisen davon ausgehen, dass die Ölflut abebbe und die Nachfrage steige. „Doch das Gegenteil scheint der Fall“, heißt es in dem Report. „Die Nachfrage sinkt, das Angebot steigt.“ In der Folge seien die Ölvorräte der OECD-Länder so gut gefüllt wie nie zuvor. Allein in den OECD-Ländern seien die Lagerbestände auf einen Rekordwert von 3,1 Milliarden Barrel gestiegen. Damit ließe sich gemessen am heutigen Verbrauch die Welt 32 Tage lang versorgen.

Und nach den IEA-Zahlen bricht auf der anderen Seite die Nachfrage regelrecht ein. Stieg der Bedarf im zweiten Quartal 2016 noch um 1,4 Millionen Barrel pro Tag, verlangsamte sich der Anstieg im dritten Quartal auf nur noch 0,8 Millionen Barrel pro Tag – den niedrigsten Wert seit zwei Jahren.

Die Nachfrage werde 2017 wohl nur noch um 1,3 Millionen Barrel pro Tag steigen und damit knapp sieben Prozent weniger als bislang angenommen. Hintergrund sind ökonomische Unsicherheiten: Der Bedarf in China und Indien schwankt und nach einem Jahr billigen Öls hat sich die Weltkonjunktur offenbar an Preise um die 50 Dollar gewöhnt. Der Wirtschaftsstimulus aufgrund niedrigerer Ölpreise nehme ab.

Selbst die Organisation erdölexportierender Staaten, die OPEC, rechnet mit weiterem Druck auf den Ölpreis wegen der schwächeren Nachfrage. Das Kartell geht auch davon aus, dass Nicht-Opec-Länder mehr Öl fördern werden als bislang angenommen, hieß es in einem Bericht vom Montag. Auch die IEA rechnet damit, dass das Nicht-Opec-Angebot 2017 steigen wird, um knapp 400.000 Barrel. Allerdings war deren Produktion in diesem Jahr um rund 800.000 Barrel gefallen, nicht zuletzt wegen des starken Rückgangs der US-Förderung.

Diese war dank reicher Schieferöl-Quellen in den vergangenen Jahren erstarkt und maßgeblich für den Ölpreisverfall zwischen Juni 2014 und Februar 2016 verantwortlich. Der Ölpreis war von über 110 Dollar je Barrel (159 Liter) auf unter 30 Dollar gefallen. Zuletzt hatte er sich wieder auf knapp 47 Dollar für ein Fass der Nordseesorte Brent erholt – Produktionsausfällen und der Aussicht auf einen Ausgleich von Angebot und Nachfrage auf dem Ölmarkt in naher Zukunft sei Dank.


Was Trump oder Clinton für den Ölpreise bedeuten

Doch die OPEC selbst ist alles andere als unschuldig, wenn es um die anhaltende Ölflut geht. Dessen Produktion stieg im August auf ein rekordverdächtiges Niveau von 33,5 Millionen Barrel pro Tag, knapp eine Million mehr als noch im Jahr zuvor. Zuletzt haben Kuwait, die Vereinigten Arabischen Emirate, Iran und Irak ihre Förderung kräftig erhöht. Und dann ist da noch Saudi-Arabien. Das mächtigste Land der Opec pumpt mit 10,6 Millionen Barrel pro Tag derzeit auf Rekordniveau. Damit ist das Königreich wieder der größte Ölproduzent der Welt, urteilt die IEA.

Der Druck auf den Markt bleibt. In der Folge des IEA-Berichtes fällt der Brent-Ölpreis am Dienstag um mehr als zwei Prozent auf 47,32 Dollar. Zwar rechnet das Gros der Analysten Ende 2016 mit einem Preis von 50 Dollar, ein Jahr später knapp 59 Dollar. Doch glaubt man den Analysten der HSH Nordbank, könnte sich die Situation nach den US-Wahlen sogar noch verschärfen: Unabhängig vom Wahlausgang werde der Preis für ein Barrel Brent in den nächsten drei Jahren auf 40 US-Dollar fallen.

„Unter Hillary Clinton sind die negativen Auswirkungen für die Ölindustrie und damit für den Ölpreis allerdings sehr viel nachhaltiger als unter Donald Trump“, sagt Jan Edelmann, Ölanalyst der HSH Nordbank. Werde die Demokratin Präsidentin, werde sich der Ölpreis bis 2020 und darüber hinaus bei 40 US-Dollar einpendeln. Schließlich wolle Clinton den Ausstieg aus der konventionellen Energiegewinnung beschleunigen. „Der mit dieser Nachfragedrosselung einhergehende Ölpreisverfall könnte noch verstärkt werden, wenn die übrigen ölproduzierenden Staaten ihre Fördermenge erhöhen, um in der Zukunft nicht auf ihren Beständen sitzen zu bleiben“, schlussfolgert die Studie.

Die USA stehen derzeit für ein Fünftel des globalen Ölverbrauchs. Eine Kehrtwende der US-Energiepolitik könnte theoretisch also durchaus für Durcheinander am Markt sorgen. „Innerhalb von zehn Jahren soll die Ölnachfrage gemäß Clintons Wahlprogramm insgesamt um vier bis fünf Millionen Barrel pro Tag sinken“, schätzt Edelmann von der HSH Nordbank.

Mit vier Fünfteln macht die Transportbranche den Großteil der US-Nachfrage aus. Genau dort müssten die Effizienzsteigerungen durchgesetzt werden, um die ambitionierten Pläne umzusetzen. Ob es die Amerikaner allerdings innerhalb so kurzer Zeit schaffen, große Teile ihre Logistik-Flotten umzustellen, ist fraglich. Auch privat sind die Amerikaner für ihre Vorliebe für Autos mit großem Hubraum und hohem Verbrauch bekannt und weniger ihr spritsparendes Umweltbewusstsein.

Erfreulicher würde es am Ölmarkt den HSH-Experten zufolge aber auch nicht mit dem Präsidenten Donald Trump aussehen. Auch während seiner ersten Amtsjahre dürfte der Preis auf 40 US-Dollar fallen, wenngleich aus ganz anderen Gründen.

Denn der Republikaner setzt auf eine Ausweitung der Schieferölförderung, um die Abhängigkeit der USA von der Opec zu verringern. Dafür möchte er Umweltauflagen kippen und Regulierung entschlacken. Das soll der Branche Kosten sparen, damit sie ihre Produktion steigern kann.

„Hier könnte sich die Katze in den Schwanz beißen“, mahnt Edelmann von der HSH Nordbank. „Wenn sich Investitionen in kapitalintensive Ölprojekte wie Tiefseebohrungen oder Ölsandförderungen heute nicht mehr rechnen, stehen die USA morgen vor einem Angebotsengpass.“

Früher oder später dürften die Preise steigen. Bei akuter Knappheit könnten sie gar auf 100-US-Dollar je Barrel explodieren, schätzen die Analysten. Während Clinton die Ölpreise nachhaltig niedrig hielte, sei die Baisse unter Trump also nur vorübergehend.

Quelle:  Handelsblatt Online
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