Rohstoffe: Wohin drehen die Rohstoffpreise?

Rohstoffe: Wohin drehen die Rohstoffpreise?

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Transport von Kupferspulen im südwest-chinesischen Nanchang. Rohstoffe sind häufig Spielbälle von chinesischen Spekulanten

von Stefan Hajek

Der Preiseinbruch freut Verbraucher, verunsichert aber die Anleger weltweit. Was die Korrektur bedeutet, warum Rohstoffe auf lange Sicht als Inflationsschutz unverzichtbar sind und weshalb Rohstoffaktien attraktiver sind als Zertifikate.

Die Beamten glaubten zunächst an einen Scherz. Ein Spaziergänger hatte sich bei der Polizei gemeldet. Er hatte bei seiner Tour durch einen Mülheimer Park eine leere Stelle entdeckt, an der etwas hätte stehen sollen: die 1,5 Tonnen schwere Bronze-Plastik „Der Bogenschütze“ von Herman Lickfeld. 75 Jahre hatte sie den Park verziert, bis sie diesen Mai Opfer eines dreisten Diebstahls wurde. Hier waren jedoch keine Kunsträuber am Werk; die Diebe hatten es vielmehr auf das Material abgesehen, dessen Wert die Polizei auf 4000 Euro schätzt.

Die Metalldiebe hatten aber kein glückliches Timing. Nur zwei Tage nach dem Raub brachen weltweit die Rohstoffpreise ein. Der Kupferpreis gab an nur zwei Handelstagen um sieben Prozent nach, Silber verlor in einer Woche ein Drittel seines Werts. Die Verkaufswelle erfasste die anderen Industriemetalle und den Ölhandel, den nach Volumen größten Rohstoffmarkt; der Ölpreis ging um 14 Prozent zurück. Mitte Mai verzeichneten die Händler den stärksten Einbruch der Rohstoffpreise seit der Finanzkrise im Herbst 2008.

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Rohstoffe lohnen sich auf lange Sicht

Nun rätseln Investoren: War das nur die erwartbare Korrektur, nachdem die Preise zuvor heißgelaufen waren, eine gesunde Verschnaufpause auf dem Weg zu langfristig noch höheren Preisen? Oder ist der Preisrutsch doch Vorbote eines viel schlimmeren Ausverkaufs, weil die Weltkonjunktur sich überraschend stark abschwächt? 

Banken verkaufen ihre Rohstofffonds und Zertifikate gerne als „no brainer“ – idiotensicher. Die Preise für Metalle, Öl, oder Weizen könnten nur steigen: anhaltend hohe Nachfrage (China!) treffe auf ein endliches und immer knapperes Angebot. Das stimmt – im Prinzip. Doch der Rohstoffcrash von Mitte Mai beweist: Rohstoffinvestments sind für Anleger langfristig aussichtsreich, aber eines sicher nicht: todsicher. Die Preise schwanken heftig; Angebot und Nachfrage sind für Privatanleger kaum realistisch einzuschätzen, die Akteure bleiben häufig im Dunkeln. Welche Rolle zum Beispiel Spekulanten spielen, ist umstritten.

Langfristiger Trend zu höheren Preisen

Verglichen etwa mit Aktienbörsen, sind die Rohstoffbörsen kleine Veranstaltungen. Die Aktienmärkte sind rund 250-mal so groß: Weltweit sind an den Börsen Unternehmen im Wert von rund 60 Billionen Dollar notiert. Das Volumen aller gehandelten Kontrakte auf die 25 wichtigsten Rohstoffe liegt dagegen bei rund 250 Milliarden Dollar. Schon vergleichsweise wenig Anlegergeld hat deshalb großen Einfluss auf die Preise – auch nach unten: „Obwohl der langfristige Trend zu höheren Preisen intakt ist, können Anleger mit Rohstoffinvestments immer mal 50 Prozent verlieren“, sagt Alfred Roelli, Leiter Anlagestrategie bei Pictet in Genf.

Der Crash im Mai erwischte auch Rohstoffprofis auf dem falschen Fuß. Der weltgrößte Rohstoffhedgefonds Clive Capital verzockte in nur zwei Tagen mehr als 400 Millionen Dollar, zehn Prozent seiner Anlegergelder; Rivale BlueGold versenkte 26 Prozent der 2,6 Milliarden Dollar, die der Fonds für reiche Privatanleger, Pensionskassen und Banken in Rohstoffe investiert.

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