Rohstoffhändler: Hoffen auf den Mangel

Rohstoffhändler: Hoffen auf den Mangel

, aktualisiert 30. März 2017, 14:10 Uhr
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Das Geschäft der Rohstoffhändler erfordert nicht nur ausreichend Lagermöglichkeiten, sondern auch viel Kapital. Die Margen sind vergleichsweise gering.

von Matthias StreitQuelle:Handelsblatt Online

Über die Wirkung der Öl-Förderkürzung wird gestritten. Klar ist nur: Sie hat im den ersten drei Monaten des Jahres für stabile Preise gesorgt. Das sind schlechte Nachrichten für Händler, die von Schwankungen profitieren.

LausanneWie viel schwieriger die Geschäfte durch die stabilen Preise tatsächlich sind, dazu möchte sich keiner der Ölhändler genau äußern. Allenfalls generelle Erklärungen waren auf dem Branchentreffen „Commodities Summit“ der Zeitung Financial Times im Schweizerischen Lausanne zu hören. Der Chef-Rohstoffstratege von BPs Handelsgeschäft, James Foster, spricht von einem „flauen Markt“, in dem es „nicht viele Optionen gebe“. Russel Hardy, Leiter des Handels bei Vitol in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika, wird etwas konkreter: „Wenn der Preis weniger schwankt, fällt es uns schwerer, Profite zu machen.“

Doch die Händler haben einen Hoffnungsschimmer: Aufgrund der anhaltend niedrigen Ölpreise halten sich die großen Ölproduzenten derzeit mit Investitionen in neue große Langfristprojekte zurück. Bis 2022 könnte das zu einem Angebotsengpasse führen, warnte die Internationale Energieagentur (IEA) Anfang März in ihrem mittelfristigen Marktausblick „Oil 2017“. Demzufolge sind die jährlichen Investitionsausgaben der Ölproduzenten von knapp 800 Milliarden Dollar im Jahr 2014 auf nur noch 433 Milliarden Dollar 2016 gefallen.

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Da die Ölmultis in ihren Budgets auch in diesem Jahr mit weiteren Investitionskürzungen planen, wächst die Sorge vor einem mittelfristigen Engpass. Mike Muller, der Vizepräsident des Ölhandelsgeschäfts bei Shell, erklärt, dass all die Tiefseeprojekte, die heute auf den Markt kommen, bereits vor acht bis zehn Jahren angeschoben wurden, als der Ölpreis noch um die 100 Dollar lag. „Während jeder der großen Ölkonzerne damals noch ein bis zwei Projekte jährlich neu startete, lässt sich die Zahl über die gesamte Branche heute an einer Hand abzählen“, sagt Muller. Einen ähnlichen Zustand habe er in seinen dreißig Jahren in der Branche noch nicht erlebt, blickt der Fondsmanager Shawn Reynolds von VanEck ernüchtert auf die mangelnde Investitionsfreudigkeit der Unternehmen.

Selbst wenn die Multis heute in konventionelle Großprojekte investieren würden, kämen sie kaum rechtzeitig, um den möglichen Engpass abzuwenden. Während die flexiblen, vor allem US-amerikanischen Schieferölunternehmen nur wenige Monate von der Erschließung bis zur Ausbeutung eines neuen Ölbohrlochs benötigen, kann sich dieser Prozess bei Ölbohrplattformen auf den Ozeanen zwischen fünf und zehn Jahren hinziehen.


Viel Einsatz, wenig Gewinn

Unter dem Strich könnte das in den nächsten fünf Jahren steigende Preise auslösen, zumindest aber größere Schwankungen. Den Rohstoffhändlern käme das gerade recht: Sie machen gerade bei schwankenden Preisen gute Geschäfte, weil sie Differenzen beim Preis ausnutzen.

Die Stabilität der vergangenen Monate macht ihnen zu schaffen. Ohnehin ist der Rohstoffhandel ein kapitalintensives Geschäft mit geringen Renditen. So hat etwa Trafigura, einer der drei Branchengrößen, im Geschäftsjahr 2016 bei einem Umsatz von rund 98,1 Milliarden Euro nur einen Gewinn von 975 Millionen Euro eingefahren. Die Marge beträgt nur knapp ein Prozent – üblich für die Branche. Die Umsätze dürften in diesem Jahr zwar wieder steigen. Das liegt jedoch an den höheren Ölpreisen. Eine Garantie für steigende Gewinne ist das wegen der geringen Schwankungen nicht.

Daniel Jaeggi, Gründer und Präsident des Schweizer Rohstoffhändlers Mercuria, erkennt zwar, dass die Branche in kurzfristige Projekte investiert. Dahinter verbergen sich vor allem Schieferölprojekte in den USA. „Diese Akteure sichern sich bis ans Ende der Preiskurve, also 2019 und 2020, ab“, erklärt Jaeggi. Das halte die erwarteten Preise bis 2020 niedrig.

„Wir säen jetzt die Saat für künftige Instabilität und mehr Volatilität“, sagt Jaeggi. Dabei bezieht er sich auf die unterschiedliche Produktionsentwicklung zwischen Schiefer- und konventionellen Ölprojekten. Während gewöhnliche Bohrlöcher über die Jahre eine relativ konstante Förderrate mit einer kontinuierlichen, aber leichten Rückgangsrate aufweisen, kennzeichnet Schieferöl eine besonders hohe Produktion zu Beginn, die kurz darauf aber steil abfällt. Heute würden zudem die besten Schieferölquellen zuerst angezapft. Konsequenz: In drei bis vier Jahren lasse sich die Nachfrage nicht mehr mit den kurzfristigen Investitionen stillen, prognostiziert Jaeggi.

Aus Verbrauchersicht klingt das wie eine Warnung vor schlimmstenfalls stark steigenden Preisen. Aus Händlersicht klingt es eher wie das Versprechen auf bessere Geschäfte.

Quelle:  Handelsblatt Online
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