Rohstoffradar: Ölpreis steigt trotz Überangebot

Rohstoffradar: Ölpreis steigt trotz Überangebot

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In den vergangenen Tagen ist der Ölpreis wieder gestiegen - Grund dafür ist neben dem schwachen Dollar auch die durch die Geldflut der EZB ausgelösten Hochstimmung an den Finanzmärkten

von Andreas Toller

Öl ist teurer geworden, aber langfristig spricht einiges gegen deutlich steigende Ölpreise - auch wenn der Iran mit dem Säbel rasselt. Was den Ölpreis bewegt, wohin er auf Jahressicht tendiert.

Derzeit notiert Brent-Öl bei einem Preis von 116 Dollar je Barrel (Fass á 159 Liter). Die Commerzbank erwartet zum Ende des ersten Quartals einen Ölpreis von mindestens 102 Dollar für die Nordseesorte Brent.

Allerdings sind in der Prognose der Rohstoffanalysten der Commerzbank bislang keinerlei geopolitische Risiken eingepreist - etwa der Atomstreit mit dem Iran und der damit verbundene Ölimport-Stopp der Europäischen Union. ""Der jüngste Anstieg beim Ölpreis enthält nun eine Risikoprämie, auch wenn es sehr unwahrscheinlich ist, dass der Iran die Straße von Hormus und damit knapp ein Drittel der Öltransporte blockiert", sagt Rohstoffanalyst Eugen Weinberg. "Schließlich gibt es im Iran nur wenige Raffinerien, dem Land würde im Fall einer Blockade schnell der Treibstoff ausgehen." Dennoch will die Commerzbank die Prognose für das erste Quartal in den kommenden Wochen anheben, da die geopolitischen Risiken insgesamt einen größeren Einfluss auf den Ölpreis haben und längerfristig einen höheren Preis rechtfertigen.

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Jahresprognose zum Ölpreis: Tendenziell wieder steigend

Jahresprognose zum Ölpreis: Tendenziell wieder steigend (Für eine vollständige Ansicht bitte klicken)

Bild: Commerzbank AG

Faktoren für den Preisanstieg

Wichtige Faktoren, die den Ölpreis in den vergangenen Tagen haben ansteigen lassen, waren allerdings weniger die verbalen Muskelspiele von Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad, sondern vielmehr ein schwacher Dollar, positive Konjunkturdaten und "die gute Stimmung an den Finanzmärkten, seit der Geldflut durch die Europäische Zentralbank", sagt Eugen Weinberg. Der nun doch noch eiskalte Winter in Europa habe eher wenig damit zu tun.

Abgesehen von dem kaum seriös kalkulierbaren Risiko, das an der Straße von Hormus lauert, sprechen die anderen Marktfaktoren eher gegen neue Höhenflüge beim Ölpreis. So geht aus den Zahlen der Internationalen Energie-Agentur (IEA) hervor, dass die Opec derzeit täglich fast eine Million Barrel Rohöl mehr fördert, als nachgefragt werden. Libyen produziert nach eigenen Angaben wieder 85 Prozent der Menge, die es vor dem Sturz des Diktators Gaddafi zu Tage förderte. Daneben sind die USA als Abnehmer von 20 Prozent der weltweit produzierten Ölmenge zwar noch immer der größte Ölverbraucher auf dem Globus. Mittelfristig gibt es aber auch dort einen Trend zum Benzinsparen. Zudem fiel auch dort der amerikanische Winter milde aus, die schwache Einkommenssituation in den USA bremst die Ölnachfrage zusätzlich.

Der Rohstoffradar vom Februar 2012

Der Rohstoffradar vom Februar 2012: Augenmerk auf den Energiesektor (zum vergrößern bitte klicken). Der Rohstoffradar misst die Volatilität ausgewählter Rohstoffpreise und ist damit ein wichtiger neuer Indikator für Unternehmen und Anleger. Er stellt die durchschnittliche prozentuale Abweichung vom Mittelwert der vergangenen zwölf Monate grafisch dar. Hohe Schwankungsbreiten signalisieren steigende Preis- und Planungsrisiken. Der Rohstoffradar erscheint mehrmals jährlich exklusiv bei der WirtschaftsWoche.

Inflationssicheres Investment

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Bis zum Jahresende ist daher eher mit einem moderat ansteigenden Ölpreis zu rechnen. Zum Jahresende erwarten die Rohstoffexperten der Commerzbank einen Ölpreis von 110 Dollar, andere Finanzinstitute sehen einen Anstieg bis auf 125 Dollar - was dem Höchststand von 2011 entspräche. Dass auch Spekulanten den Ölpreis zuletzt stützen und weiter nach oben trieben, sieht Eugen Weinberg nicht kritisch: "Aus Sicht der Anleger ist das ein sinnvolles, inflationssicheres Investment angesichts der negativen Realzinsen unter Berücksichtigung der Inflation."

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