Rohstoffradar: Politische Konflikte treiben den Ölpreis

Rohstoffradar: Politische Konflikte treiben den Ölpreis

von Bert Losse und Andreas Toller

Bei vielen Rohstoffpreisen droht 2012 ein noch hektischeres Auf und Ab als im vergangenen Jahr – auch weil geopolitische Faktoren an Gewicht gewinnen. Vor allem auf den Ölpreis haben sie Einfluss.

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Die Straße von Hormus, aufgenommen von der Weltraumstation ISS: Durch die Meerenge zwischen Oman und Iran muss rund ein Fünftel aller weltweiten Ölexporte transportiert werden

Die globalen Öllager sind gut gefüllt, die Weltkonjunktur kühlt sich ab, Libyen ist als Produzent zurück am Markt: Nach allen Regeln von Angebot und Nachfrage müsste der Ölpreis derzeit eigentlich sinken. Tut er aber nicht. In der vergangenen Woche kletterten die Notierungen für ein Barrel (159 Liter) Brent auf bis zu 114 Dollar, den höchsten Stand seit November. Der Grund für die plötzliche Hausse: Am 23. Januar wollen die EU-Außenminister über ein Ölembargo gegen den Iran beraten – und die Mullahs drohen, im Gegenzug die Wasserstraße von Hormus zu schließen, über die ein Fünftel des weltweiten Ölexports läuft. Auch wenn die Hormus-Blockade wenig wahrscheinlich ist, reagieren die Märkte auf die Drohgebärden aus Teheran extrem nervös. Inzwischen sind sich die 27 EZ-Staaten bereits weitgehend einig über den Zeitplan für die Umsetzung der Importverbote. Demnach soll das Ölembargo innerhalb von sechs Monaten in Kraft treten. Das Importverbot für petrochemische Produkte soll schon in den nächsten drei Monaten greifen. Die EU-Staaten importieren derzeit knapp 600.000 Barrel (Fässer á 159 Liter) pro Tag. Für den Iran ist die EU damit nach China der zweitgrößte Abnehmer. Die europäischen Ölkonzerne sollen ihre Sofortkäufe iranischen Öls bereits zurückgefahren haben. Und sogar Japan will das Embargo auf Druck der USA unterstützen. Zehn Prozent seines Ölbedarfs deckt Japan bisher im Iran.

Hormus-Blockade wäre fatal

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Die Lage ist angespannt. US-Präsident Obama hat laut New York Times sogar den geistlichen Anführer Ajatollah Ali Chamenei auf inoffiziellem Wege gewarnt: Die Blockade der Straße von Hormus sei das Überschreiten einer Grenze und würde eine amerikanische Reaktion provozieren. Der US-Generalstabchef Martin Dempsey hatte in der vergangenen Woche damit gedroht, dass die USA den Seeweg bei einer Blockade notfalls mit Gewalt wieder öffnen würden.

Geopolitisch verschärft wird die Situation zusätzlich durch die gleichzeitig ausgebrochenen Unruhen in Nigeria, dem größten Ölförderer Afrikas. Zwei wichtige Ölarbeiter-Gewerkschaften haben ihre Teilnahme an einem seit Tagen andauernden Generalstreik angekündigt. Wesentlicher Streitpunkt im Land ist die geplante Streichung der staatlichen subventionierten Öl- und Benzinpreise im Volumen von acht Milliarden Dollar - was etwa einem Viertel der gesamten Staatsausgaben entspricht. Billiges Benzin war bislang der einzige Vorteil für Nigerianer aus dem Ölreichtum. Nigeria ist Afrikas zweitgrößte Volkswirtschaft und der achtgrößte Ölproduzent der Erde. Das Land leidet seit Jahrzehnten unter Misswirtschaft und Korruption. Die Ankündigung der Gewerkschaften sorgte umgehend für einen spürbaren Anstieg des Ölpreises an den Rohstoffbörsen.

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