
WirtschaftsWoche: Herr Speck, Ex-Finanzminister Peer Steinbrück fordert ein Verbot von Investmentprodukten, die die Preise von Agrarrohstoffen abbilden. Sie dienten vorwiegend der Spekulation. Mit den zunehmenden Beträgen, die Finanzanleger an den Terminmärkten in Rohstoffkontrakte investiert haben, sind die Nahrungsmittelpreise tatsächlich nach oben gegangen. Sie bestreiten, dass es hier einen Zusammenhang gibt. Wie kommen Sie darauf?
Dimitri Speck: Es gibt den Zusammenhang nicht. Derzeit etwa verabschiedet sich eine Bank nach der anderen wegen des öffentlichen Drucks aus dem Geschäft mit Agrarrohstoffen. Es gibt kaum noch Mittelzuflüsse, aber die Agrarpreise sind weiter gestiegen.
Spürbar abgenommen haben die investierten Summen aber auch nicht.
Die Größenordnung der investierten Beträge an den Terminmärkten relativiert sich, wenn man die Größe des Gesamtmarkts betrachtet. Bei Weizen etwa liegen sie bei fünf Prozent der Weltjahresernte. Ich bestreite ja nicht, dass seit 2005 gewaltige Summen in die Rohstoffmärkte geflossen sind. Die Finanzanleger, die an den Terminmärkten Rohstoffanlagen kaufen, also neben institutionellen Investoren auch Privatanleger, die etwa Zertifikate auf Weizen kaufen, sind aber nicht für die steigenden Preise verantwortlich. 2006 gab es hohe Mittelzuflüsse in die Rohstoffmärkte, die Preise aber liefen seitwärts. Hingegen stiegen die Preise 2007 bei abnehmenden Mittelzuflüssen. Und während des Preiseinbruchs 2008 kam es kaum zu Abflüssen.
Gold vom Acker: Aussichtsreiche Agrarinvestments
Syngenta/Pflanzenschutz und Saatgut
Land: Schweiz
ISIN: CH0011037469
Währung: Schweizer Franken
Stoppkurs: 284,67
Börsenwert: 26,0 Milliarden Euro
Geschätztes Kurs-Gewinn-Verhältnis 2012: 18,9
Dividendenrendite: 2,4
Chance/ Risiko1: 7/6
Fazit: Pflanzenschutz und Saatgut; steigender Sojapreis kurbelt Absatz in Lateinamerika an, bereits gut gelaufen, Rücksetzer zum Einstieg nutzen
1: 1 = niedrig, 10 = hoch
Quelle: Bloomberg, Morningstar, Thomson Reuters; Stand: 16. August 2012
Monsanto/Gentechnik
Land: USA
ISIN: US61166W1018
Währung: Dollar
Stoppkurs: 75,30
Börsenwert: 38,2 Milliarden Euro
Geschätztes Kurs-Gewinn-Verhältnis 2012: 21,6
Dividendenrendite: 1,7
Chance/ Risiko1: 6/5
Fazit: Umstritten wegen Konflikt mit Kleinbauern, hängt von staatlichen Zulassungen für Gen-Saatgut ab, Kurs-Potenzial bei erfolgreichem Einstieg in chinesischen Sojamarkt
1: 1 = niedrig, 10 = hoch
Quelle: Bloomberg, Morningstar, Thomson Reuters; Stand: 16. August 2012
KWS Saat/Saatgut
Land: Deutschland
ISIN: DE0007074007
Währung: Euro
Stoppkurs: 172,55
Börsenwert: 1,3 Milliarden Euro
Geschätztes Kurs-Gewinn-Verhältnis 2012: 13,9
Dividendenrendite: 1,0
Chance/ Risiko1: 6/5
Fazit: Wenig konjunktursensibel, solide geführtes Unternehmen, Aktie schon gut gelaufen, im Zweifel auf Kursrückgänge warten
1: 1 = niedrig, 10 = hoch
Quelle: Bloomberg, Morningstar, Thomson Reuters; Stand: 16. August 2012
Mosaic/Düngemittel
Land: USA
ISIN: US61945A1079
Währung: Dollar
Stoppkurs: 50,61
Börsenwert: 14,3 Milliarden Euro
Geschätztes Kurs-Gewinn-Verhältnis 2012: 13,4
Dividendenrendite: 1,7
Chance/ Risiko1: 6/6
Fazit: Sollte ebenfalls von der Getreide-Rally profitieren, Aktie ist allerdings heißgelaufen, nur risikofreudige Anleger sollten einsteigen
1: 1 = niedrig, 10 = hoch
Quelle: Bloomberg, Morningstar, Thomson Reuters; Stand: 16. August 2012
Potash of Saskatchewan/Düngemittel
Land: Kanada
ISIN: CA73755L1076
Währung: Kanadische Dollar
Stoppkurs: 37,20
Börsenwert: 31,1 Milliarden Euro
Geschätztes Kurs-Gewinn-Verhältnis 2012: 14,3
Dividendenrendite: 1,3
Chance/ Risiko1: 7/6
Fazit: Hat Zugriff auf das weltweit größte Kalivorkommen, steigende Getreidepreise werden Düngernachfrage anheizen
1: 1 = niedrig, 10 = hoch
Quelle: Bloomberg, Morningstar, Thomson Reuters; Stand: 16. August 2012
K+S /Düngemittel
Land: Deutschland
ISIN: DE0007162000
Währung: Euro
Stoppkurs: 34,25
Börsenwert: 7,7 Milliarden Euro
Geschätztes Kurs-Gewinn-Verhältnis 2012: 12,7
Dividendenrendite: 3,2
Chance/ Risiko1: 7/6
Fazit: Höhere Dividende in Aussicht, Verkauf der wenig einträglichen Sparten Stickstoffdünger und Blumenerde treibt den Kurs
1: 1 = niedrig, 10 = hoch
Quelle: Bloomberg, Morningstar, Thomson Reuters; Stand: 16. August 2012
Yara International /Düngemittel
Land: Norwegen
ISIN: NO0010208051
Währung: Norwegische Krone
Stoppkurs: 249,05
Börsenwert: 11,5 Milliarden Euro
Geschätztes Kurs-Gewinn-Verhältnis 2012: 8,2
Dividendenrendite: 2,4
Chance/ Risiko1: 7/5
Fazit: Günstig bewertet, hohe Eigenkapitalrendite und Eigenkapitalquote, Insider haben gekauft, derzeit aussichtsreichste Düngeraktie
1: 1 = niedrig, 10 = hoch
Quelle: Bloomberg, Morningstar, Thomson Reuters; Stand: 16. August 2012
Deere & Co /Landmaschinen
Land: USA
ISIN: US2441991054
Währung: Dollar
Stoppkurs: 63,84
Börsenwert: 24,3 Milliarden Euro
Geschätztes Kurs-Gewinn-Verhältnis 2012: 9,3
Dividendenrendite: 2,5
Chance/ Risiko1: 6/6
Fazit: Weltgrößter Produzent von Agrarmaschinen, derzeit verhaltene Umsatzchancen wegen Trockenheit in USA, Aktie noch unter Druck
1: 1 = niedrig, 10 = hoch
Quelle: Bloomberg, Morningstar, Thomson Reuters; Stand: 16. August 2012
CNH Global /Landmaschinen
Land: USA
ISIN: NL0000298933
Währung: Dollar
Stoppkurs: 34,32
Börsenwert: 7,9 Milliarden Euro
Geschätztes Kurs-Gewinn-Verhältnis 2012: 8,9
Dividendenrendite: -
Chance/ Risiko1: 6/6
Fazit: Nummer zwei unter den Traktorenbauern, wie bei Deere derzeit noch zu wenig Fantasie, auf Kursrücksetzer warten
1: 1 = niedrig, 10 = hoch
Quelle: Bloomberg, Morningstar, Thomson Reuters; Stand: 16. August 2012
AGCO /Landmaschinen
Land: USA
ISIN: US0010841023
Währung: Dollar
Stoppkurs: 36,18
Börsenwert: 3,4 Milliarden Euro
Geschätztes Kurs-Gewinn-Verhältnis 2012: 7,4
Dividendenrendite: -
Chance/ Risiko1: 7/6
Fazit: Starke Position in Westeuropa, sollte besser als Deere und CNH laufen
1: 1 = niedrig, 10 = hoch
Quelle: Bloomberg, Morningstar, Thomson Reuters; Stand: 16. August 2012
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Syngenta/Pflanzenschutz und Saatgut
Land: Schweiz
ISIN: CH0011037469
Währung: Schweizer Franken
Stoppkurs: 284,67
Börsenwert: 26,0 Milliarden Euro
Geschätztes Kurs-Gewinn-Verhältnis 2012: 18,9
Dividendenrendite: 2,4
Chance/ Risiko1: 7/6
Fazit: Pflanzenschutz und Saatgut; steigender Sojapreis kurbelt Absatz in Lateinamerika an, bereits gut gelaufen, Rücksetzer zum Einstieg nutzen
1: 1 = niedrig, 10 = hoch
Quelle: Bloomberg, Morningstar, Thomson Reuters; Stand: 16. August 2012
Und von 2009 an?
Da war tatsächlich bis Anfang 2011 ein Gleichlauf zu erkennen. Das war aber einer gemeinsamen Ursache, dem Fluten mit Zentralbankgeld, geschuldet. Das hat sowohl die Anlagemärkte belebt als auch die physische Nachfrage nach Rohstoffen durch die Erholung der Weltkonjunktur.
Die Kritiker leugnen nicht, dass es fundamentale Gründe für einen Preisanstieg gibt, bei Nahrungsmitteln etwa das Wachstum der Weltbevölkerung und begrenzte Anbauflächen. Diese Faktoren aber wirkten langfristig und könnten das Tempo und die Höhe der Preisanstiege nicht erklären. Dafür seien Finanzanleger verantwortlich.
Wenn dem so wäre, dann frage ich mich, warum Notenbanken nicht einfach am Terminmarkt als Verkäufer auftreten. Der Hunger wäre besiegt, und die Inflation ließe sich so auch bekämpfen. Im Ernst, die Argumentation der Kritiker ist schwach. Sie sehen die Schuld der Investoren als bewiesen an, weil sie keine andere Erklärung für die Preissteigerungen haben. Preisblasen können sich aber auch ganz ohne Investoren an den Terminmärkten bilden.
Wo zum Beispiel?

Nehmen Sie Rhodium, das zum Beispiel für Katalysatoren gebraucht wird. Dessen Preis hatte sich, obwohl es überhaupt keinen Terminmarkt für Rhodium gibt, binnen fünf Jahren bis Mitte 2008 etwa verzwanzigfacht. Anschließend platzte die Preisblase binnen weniger Monate.
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