Royal Bank of Scotland: Was der Rechenfehler der RBS für Anleger bedeutet

Royal Bank of Scotland: Was der Rechenfehler der RBS für Anleger bedeutet

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Die Royal Bank of Scotland hat massenhaft Papiere zu falschen Kursen gehandelt.

von Anton Riedl

Die Royal Bank of Scotland hat massenhaft Papiere zu falschen Kursen gehandelt. Die Bank zeigt Reue und will die Inhaber entschädigen. Können Anleger ihre Verlustgeschäfte nun rückgängig machen?

Die E-Mail scheint Routine: „Sehr geehrter Kunde, bitte beachten Sie, dass in Ihrem Postfach eine aktuelle Nachricht eingegangen ist.“ Die Nachricht aber ist so gar nicht mehr banktypisch; es ist die Rede von „operativen Fehlern“, in deren Folge Anleger „einen Verlust erlitten“ hätten. Für betroffene Anleger kann das viel Geld bringen: Sie bekommen nicht nur Geld zurück, das ihnen die Bank zu viel berechnet hat, sondern können womöglich Geschäfte, die ihnen Verlust gebracht haben, auch nach Jahren noch komplett stornieren.

Es geht um Zertifikate von Royal Bank of Scotland (RBS). Zertifikate sind Papiere, mit denen Anleger in Gold, Rohstoffe, Aktien oder Währungen investieren können. In aller Stille ist hier eine gigantische Entschädigungsaktion angelaufen. Die Bank, bis vor Kurzem eine ganz große Adresse in dem Geschäft, hat die Preise von über 300 Zertifikaten über Jahre falsch gerechnet. Das hat sie jetzt in Briefen an Anleger von sich aus zugegeben.

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Wer Geld verloren hat, soll entschädigt werden. Der Fall ist einzigartig: Falsche Kurse in diesem Ausmaß und ein solches Entschädigungsangebot gab es noch nie, seit Zertifikate vor einem Vierteljahrhundert an deutschen Börsen eingeführt wurden.

Es geht dabei keineswegs um Peanuts: Deutsche Anleger haben aktuell 66 Milliarden Euro in Zertifikaten stecken. Anders als bei Aktien werden die Kurse von Zertifikaten nicht von Angebot und Nachfrage bestimmt, sondern von der Emittentin – der Bank, die sie konstruiert und verkauft hat. Rechnet die falsch, kann das Anleger viel Geld kosten.

Die Zertifikate beziehen sich vor allem auf Rohstoffe und auf Gold, Silber und Öl. Einige bilden auch internationale Aktienindizes ab, etwa den japanischen Nikkei oder den amerikanischen S&P 500. Zwei Drittel der betroffenen Papiere sollen den Preis ihres entsprechenden Basiswerts eins zu eins abbilden, etwa den für Gold. Andere sind Hebelzertifikate – riskante Spekulationsvehikel, die Kursbewegungen ihrer Basiswerte um ein Vielfaches verstärken und so mit kleinem Einsatz große Gewinne ermöglichen. Oder Verluste.

Kurse der Quanto-Zertifikate falsch berechnet

Herausgegeben wurden die Zertifikate seit 2003, viele von der niederländischen ABN Amro Bank. 2007 übernahm die RBS die ABN Amro und deren Zertifikategeschäft. Der Rohstoffboom an den Weltbörsen führte dazu, dass Anleger der ABN Amro und später der RBS die Zertifikate aus den Händen rissen. 2012, als die Preiskurven für Gold und Öl nahe ihrem Rekordniveau verliefen, hatte die RBS an dem damals 100 Milliarden Euro großen deutschen Zertifikatemarkt insgesamt 3,6 Prozent Anteil. Bei spekulativen Hebelpapieren war sie mit fast zwölf Prozent Marktanteil einer von drei ganz großen Spielern.

Falsch berechnet wurden vor allem die Kurse von sogenannten Quanto-Zertifikaten. Das sind Zertifikate, die Anleger vor Währungsverlusten schützen sollen, etwa vor Einbußen durch einen fallenden Dollar. Dieser Schutz ist sinnvoll, weil fast alle Rohstoffe in Dollar notieren. Wer Gold- oder Ölzertifikate kauft, hat automatisch auch die US-Währung im Depot. Quanto-Zertifikate sicherten Anleger vor einem Wertverfall des US-Dollar ab – gegen eine Gebühr, die sich die Bank sofort vom Kurs des Zertifikats abzweigt. Und diese Gebühr wurde falsch berechnet. „Bestimmte Eingabewerte“ seien über „einen längeren Zeitraum nicht aktualisiert“ worden, heißt es in einem RBS-Schreiben an ihre Anleger.

Hinter Quanto steckt eine komplizierte Rechnung, die Gebühr muss ständig parallel zum Auf und Ab an den Währungsmärkten aktualisiert werden. Zieht die Bank zu wenig Gebühr vom Zertifikatekurs ab, kommt sie nicht auf ihre Kosten, denn Währungssicherung ist teuer. Zieht sie zu viel ab, nimmt sie dem Anleger zu Unrecht Geld weg.

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