Rubel fällt: Russland senkt den Leitzins

Rubel fällt: Russland senkt den Leitzins

, aktualisiert 30. Januar 2015, 13:33 Uhr

Russlands Zentralbank hat nur Wochen nach einer kräftigen Leitzinserhöhung nun wieder den Rückwärtsgang eingelegt. Daraufhin sackte der Rubelkurs ab.

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Russische Rubel-Banknoten

Russlands Notenbank stemmt sich mit niedrigeren Zinsen gegen die Rezession. Überraschend kappte sie am Freitag den Schlüsselzins für die Versorgung der Banken mit Geld von 17 auf 15 Prozent. Dies bedeutet eine scharfe Kehrtwende, da die Notenbank 2014 die Zinszügel kräftig angezogen hatte. Die westlichen Sanktionen wegen der Ukraine-Krise und der Ölpreisverfall haben eine Kapitalflucht aus Russland ausgelöst und den Rubel auf Talfahrt geschickt. Mit niedrigeren Zinsen versuchen die Geldpolitiker nun, den wirtschaftlichen Niedergang zu bekämpfen und Kredite für Firmen und Verbraucher erschwinglicher zu machen.

Die Konjunkturaussichten sind düster: Die Notenbank erwartet, dass die Wirtschaft bis zur Jahresmitte um 3,2 Prozent schrumpfen wird. Die überraschende Leitzinssenkung machte dem Rubel zu schaffen. Der Dollar kletterte in der Spitze um 4,2 Prozent auf ein Sechs-Wochen-Hoch zur russischen Währung. An der Börse in Moskau gab der Leitindex 3,2 Prozent nach.

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Der Rubel ist zum Dollar dank Ölpreisverfall und Ukrainekrise nur noch die Hälfte wert. Für Russlands Wirtschaft wird die Lage bedrohlich. Jetzt prophezeien Forscher die Pleite von 200 russischen Banken.

In Russland sind vor allem kleinere Banken durch den Rubelverfall bedroht. Quelle: REUTERS

Ökonom Nicholas Spiro vom Londoner Anlageberatungshaus Spiro Sovereign Strategy vermutet, dass der Kreml Druck gemacht hat, den Banken die Geldbeschaffung zu erleichtern: "Es sieht so aus, als ob der Notenbank ins Ruder gegriffen wurde." Die bisherigen Strafmaßnahmen gegen Russland wegen dessen Rolle im Ukraine-Konflikt schlagen immer stärker auf die Wirtschaft zwischen Kaliningrad und Wladiwostok durch.

Russische Banken haben im Zuge der Strafmaßnahmen nur noch beschränkten Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten. Die Europäische Union hat zudem jüngst beschlossen, dass Reisebeschränkungen und Kontensperrungen zunächst weitere sechs Monate in Kraft bleiben. Nächste Woche soll ein Vorschlag vorgelegt werden, wie die Sanktionsliste erweitert werden kann.

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Die Notenbanker um Gouverneurin Elwira Nabiullina bewegen sich mit dem Zinsentscheid auf einem schmalen Grat: Sie wollen die Wirtschaft stärken und müssen zugleich die anziehenden Preise im Zaum halten. Experten wurden von dem Schritt der Notenbank kalt erwischt: Schließlich hatte sie signalisiert, die Zinsen erst zu kappen, wenn die Inflation eingedämmt sei.

Im Sog des Rubel-Verfalls waren die Preise im Dezember zum Vorjahr jedoch um 11,4 Prozent nach oben geschossen. Für den Januar erwarten Fachleute sogar einen Anstieg um 13,3 Prozent. Die Geldpolitiker setzen darauf, dass die Preise mittelfristig wieder langsamer steigen werden. Vor allem Importgüter, die in westlichen Devisen bezahlt werden müssen, haben sich wegen der Rubel-Talfahrt zuletzt teils massiv verteuert.

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