Rubel rutscht ab: Russland in der Rohstoffgrube

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Rubel rutscht ab: Russland in der Rohstoffgrube

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Der russische Rubel stürzt ab. Die Gründe liegen in der Ukraine-Krise und den gefallenen Rohstoffpreisen.

von Andreas Toller

Erst Sanktionen, dann fallende Öl- und Gaspreise: Russlands rohstofflastige Wirtschaft ist auf Talfahrt, der Rubel ist im freien Fall. Die Notenbank hat schon aufgegeben - und will das Problem aussitzen.

Wladimir Putin glaubt, die Amerikaner machen das mit Absicht. Und zwar nicht nur die Wirtschaftssanktionen im Zuge der internationalen Empörung über die Ukraine-Krise und Krim-Annexion, sondern auch der niedrige Ölpreis. Vielleicht sind aber auch die Saudis schuld – oder beide machen gemeinsame Sache.

Das Putin so nicht gesagt. Aber er hat Gedanken dieser Richtung in einem Interview mit chinesischen Medien geäußert. "In manchen Krisenmomenten wächst der Eindruck, dass die Politik bei der Preisgestaltung für Energieressourcen die führende Rolle spielt", sagte Putin. Für jemanden wie Putin klingt das erstaunlich zerknirscht. Die russischen Medien vermuten bereits ein saudisch-amerikanisches Komplott. Schließlich sorgt auch das billige Schieferöl aus den USA und die Rabatte, die der größte OPEC-Förderstaat Saudi-Arabien den amerikanischen Abnehmern gewährt, für die rasant fallenden Ölpreise. Seit Juni ist auch der Preis für russisches Öl um rund 25 Prozent gefallen

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Russlands Wirtschaft wie auch der Staatshaushalt sind abhängig vom Rohstoffgeschäft. Fast 19 Prozent tragen sie zum Bruttoinlandsprodukt bei. Weil die Rohstoffpreise fallen, ist auch die Währung der Russen seit langem auf Talfahrt. Jetzt aber hat der Absturz des Rubels eine neue Qualität erreicht.

Seitdem die Notenbank vor einer Woche den Leitzins überraschend stark um 1,5 Prozentpunkt auf 9,5 Prozent erhöhte, hat die russische Währung gegenüber dem Euro um knapp vier Prozent an Wert verloren. Es war bereits die vierte Leitzinserhöhung in diesem Jahr.

Die Talfahrt der Landeswährung hat sich somit enorm beschleunigt. Seit Juli hat der Rubel gegenüber dem Euro 20 Prozent verloren, gegenüber dem Dollar war es ein Verlust von 28 Prozent im gleichen Zeitraum.

Lange hatte die russische Notenbank versucht, mit unbegrenzten Devisenverkäufen zu stützen. Im Oktober gab handelte sie dafür am Devisenmarkt mit einem Volumen von 30 Milliarden Dollar. Seit dem 5. November hat sie ihren Interventionsspielraum auf 350 Millionen Dollar pro Tag beschränkt. Nur im äußersten Notfall, wenn die Finanzmarktstabilität akut bedroht ist, will sie wieder ohne Limit am Devisenmarkt intervenieren.

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Der Rückzug der Notenbank geht sogar noch weiter: Künftig will sie keinen Wechselkurskorridor gegenüber Euro und Dollar mehr als Ziel verfolgen. Anders ausgedrückt, überlässt sie den Rubel dem freien Spiel der Märkte. Dieser Schritt war für 2015 ohnehin angestrebt worden.

Die deutliche Zinserhöhung dient dabei einerseits der Inflationsbekämpfung – sie liegt aktuell bei 8,3 Prozent – und andererseits, um Investorenkapital nach Russland zu locken. Das Land leidet unter Kapitalflucht, die durch die Ukraine-Krise ebenfalls deutlich Fahrt aufgenommen hat. Mehrere ausländische Großkonzerne beendeten ihre Geschäftstätigkeit in Putins Reich. Die Notenbank rechnet für das zu Ende gehende Jahr und die ersten Monate 2015 nicht mehr mit einem Wachstum der russischen Wirtschaft. Sollten die Preise insbesondere für Öl und Gas nicht bald wieder steigen, wird Putin wohl noch zerknirschter klingen – oder seine verbalen Angriffe verschärfen.

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