Russischer Markt: "Für antizyklische Investoren ist Russland attraktiv"

InterviewRussischer Markt: "Für antizyklische Investoren ist Russland attraktiv"

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Angelika Millendorfer verwaltet seit zwei Jahrzehnten unter anderem den Raiffeisen Russland-Aktienfonds.

von Andreas Macho

Angelika Millendorfer ist professionelle Russlandversteherin. Für die österreichische Fondsgesellschaft Raiffeisen verwaltet sie seit zwei Jahrzehnten unter anderem den Russland-Aktienfonds. Im Interview mit der WirtschaftsWoche erklärt sie, welche Investments in Russland lohnen und warum Raiffeisen wieder in griechische Banken investiert.

WirtschaftsWoche: Der Erdölpreis ist so tief wie seit Jahren nicht mehr. Was bedeutet diese anhaltende Schwäche des Ölpreises für die Erdöl-Exportnation Russland?

Angelika Millendorfer: Der Ölpreisverfall hat Konsequenzen für die Währung. Der Rubel hat massiv verloren. Das hat aber auch einen Vorteil: Denn die Abwertung funktioniert quasi als Schockabsorber. Dadurch konnte sich die Wirtschaft stabilisieren.

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Wie gehen die russischen Erdöl-Unternehmen mit dem niedrigen Ölpreis um?

Die Erdölunternehmen sowie alle anderen Exportunternehmen konnten die Kostenbasis durch die Abwertung deutlich senken. In Rubel hat sich der Ölpreis nicht so stark verringert wie in Dollar. Insofern ist die Profitabilität der russischen Erdölunternehmen durch den niedrigen Rubel positiv abgefedert worden.

Zur Person

  • Angelika Millendorfer

    Angelika Millendorfer ist Leiterin des Osteuropa Fondsmanagements und Russland-Expertin bei Raiffeisen Capital Management in Wien.

Wie bewerten Sie Unternehmen wie Gazprom, die im Energiesektor tätig sind?

Die Gasexporte nach Westeuropa nehmen gerade wieder etwas zu, dadurch hat sich die Profitabilität von Gazprom nicht stark verringert. Gazprom hat aber auch andere Themen: Da wurden viele Investitionen in Bereichen getätigt, wo man sich nicht so ganz sicher ist, ob da auch entsprechende Renditen erwirtschaftet werden. Allerdings ist die Hoffnung auch groß, dass Gazprom in Zukunft nach China exportieren wird, entsprechende Projekte gibt es ja bereits. Denn in China wird der Gasimport voraussichtlich stark zunehmen und das ist sicherlich ein Hoffnungsmarkt.

Der Raiffeisen Russland Fonds, den Sie verwalten, hat trotz aller wirtschaftlichen und politischen Turbulenzen um fast 20 Prozent zugelegt. Wie kam das?

Man muss klar sagen, dass wir ein schlimmes Jahr 2014 in Russland hatten. Da kamen gleich mehrere Faktoren zusammen: Einerseits die politische Situation in der Ukraine und dann die politischen Sanktionen, die daraus erfolgten. Andererseits kam zum Jahresende der massive Ölpreisverfall und in der Folge davon die Rubelabwertung. Von diesem tiefen Niveau im Dezember 2014 konnten wir etwas zulegen. So hat sich der Aktienmarkt im ersten Halbjahr 2015 sehr gut erholt. In der zweiten Hälfte hat sich das leider etwas abgeschwächt.

Welchen Anteil hatten Währungseffekte an dem positiven Ergebnis Ihres Fonds?

Der US-Dollar hat sicherlich mitgeholfen. Der Rubel orientiert sich etwas mehr am US-Dollar als am Euro. Nachdem der Euro ja relativ schwach ist, haben wir von der Dollarseite sicher etwas profitiert.

Nun waren ja auch 2014 und 2015 politisch sehr turbulente Jahre für Russland. Welche Auswirkungen hatte das für Anleger?

Natürlich gab es eine deutlich negative Kursentwicklung. Allerdings ist der Aktienmarkt in Rubel betrachtet seit Ausbruch der Krimkrise sogar leicht im Plus. Aber umgerechnet in Hartwährung ist durch die Abwertung des Rubels doch ein deutliches Minus festzustellen.

Was erwartet Investoren im Jahr 2016 in Russland?

Wenn man antizyklisch agiert, könnte es nun ein guter Moment sein, in Russland Geld anzulegen. Russland hat in letzten beiden Jahren von vielen Seiten negative Einflussfaktoren gespürt: Einerseits die politische Situation und andererseits die Rohstoff-Situation und natürlich auch die generell negative Stimmung auf Emerging Markets. Betrachtet man den Markt jedoch längerfristig, ist deshalb der Einstieg momentan sehr günstig. Aber natürlich: Ob wir jetzt schon das Tief gesehen haben, ist schwer zu sagen. Und man kann auch nicht sagen, ob in drei Wochen die Kurse wieder steigen. Zeitlich bleibt eben eine Unsicherheit.

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