Saisonalität: Das erwartet Anleger im Crash-Monat September

Saisonalität: Das erwartet Anleger im Crash-Monat September

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Im September geht es an der Börse oft turbulent zu. Nicht selten fallen die Kurse deutlich.

von Sascha Grundmann

Der September hat als Börsenmonat einen katastrophalen Ruf. Was wirklich dran ist an dem Mythos und womit Börsianer in diesem Jahr rechnen müssen.

Börsianer sind für Außenstehende ein komisches Volk. Sie geben sich gegenseitig Tiernamen und nennen sich Bulle oder Bär, sie tragen in ihre Kalender Termine wie den „dreifachen Hexensabbat“ ein und sie werfen sich wunderlich blumige Ratschläge an den Kopf wie „Sell in May and go away“. Doch so kryptisch dieser Soziolekt mitunter für Nicht-Insider sein mag – wenn er erst einmal entschlüsselt ist, ergibt er manchmal sogar einen Sinn.

Bei den Begriffen Bulle (steht für steigende Kurse und damit den Optimisten an der Börse) und Bär (für fallende Kurse und den Pessimisten) mag man da noch geteilter Meinung sein. Für ihre Herkunft gibt es unterschiedliche Erklärungen. Eine lautet, dass der Bulle deshalb für steigende Kurse stehe, weil er mit seinen Hörnern nach oben stieße und damit eine Bewegung von unten nach oben mache. Der Bär hingegen haue mit seiner Pranke von oben nach unten und vollführe damit dieselbe Kurve wie ein fallender Aktienkurs. Ob diese Herleitungen wirklich einleuchten, sei einmal dahingestellt.

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Der Ausdruck Hexensabbat für den Verfallstag von Optionen ist da schon eher nachvollziehbar – da es an einem solchen Tag am Aktienmarkt hoch hergehen kann, mag sich der eine oder andere Börsianer tatsächlich in einer Art Teufelstanz wähnen.

Sinnvolle Strategie

Im Vergleich dazu ist der Hintergrund vieler Sprichwörter bei genauerem Hinsehen sogar noch einfacher zu verstehen, bei manchen kann er sogar als Anlagestrategie dienen. Die Börsenweisheit „Sell in May and go away“ – verkaufe im Mai und gehe – etwa rät dem Anleger, sich rechtzeitig zum Wonnemonat aus dem Markt zurückzuziehen, sprich seine Aktien zu verkaufen. Und das kann richtig sinnvoll sein.

Die Taktik, sich im Mai von seinen Papieren zu trennen, hat einen statistischen Hintergrund. Empiriker haben anhand über Jahrzehnte gesammelter Daten festgestellt, dass die Börsen bestimmte saisonale Muster aufweisen: In manchen Monaten steigen Aktien im Durchschnitt besonders stark, in manchen fallen sie überwiegend. Daraus lassen sich ein gutes und ein schlechtes Börsenhalbjahr ableiten. So weisen die sechs Monate ab Mai eher unterdurchschnittliche Wertentwicklungen auf, die Monate zwischen November und April hingegen sind für Anleger wesentlich lukrativer. Und daher der Tipp „Sell in May“.

Für dieses Phänomen, das Experten Saisonalität nennen, gibt es mehrere Erklärungen. Dimitri Speck, der sich schon lange mit der Saisonalität beschäftigt, führt etwa die gute Performance, welche die Aktienmärkte gegen Jahresende aufweisen, die vielzitierte Jahresendrally, auf das erhöhte Engagement institutioneller Investoren zurück: „Investmentfonds bemühen sich eine gute Jahresperformance auszuweisen und treiben so die Aktienkurse. Ein weiterer Grund sind Ausschüttungen zum Jahreswechsel, denn Zinserträge aus Anleihen fließen zum Teil auch in den Aktienmarkt“, so Speck. Er weist aber auch darauf hin, dass sich nicht alles mit saisonalen Mustern erklären lässt: „Es kann auch mehrmals hintereinander zu Bewegungen in der gleichen Jahreszeit kommen, ohne dass es sich um saisonal verursachte Bewegungen handelt. So können etwa überraschende Firmennachrichten zufällig mehrmals hintereinander zur gleichen Jahreszeit an die Öffentlichkeit geraten.“

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