Saudi-Arabien: Was den Ölpreis derzeit antreibt

Saudi-Arabien: Was den Ölpreis derzeit antreibt

, aktualisiert 06. November 2017, 19:53 Uhr
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Seit Ende Juni 2017 verteuert sich der Rohstoff mit kleineren Rücksetzern nahezu unaufhaltsam.

von Matthias StreitQuelle:Handelsblatt Online

Öl kostet erstmals seit Juni 2015 wieder mehr als 62 Dollar – und das, obwohl die US-Produktion steigt. Der jüngste Preisschub ist vor allem auf politische Ereignisse auf der arabischen Halbinsel zurückzuführen.

FrankfurtWas in Saudi-Arabien passiert, betrifft nicht allein den Wüstenstaat. Das Land produziert mit rund zehn Millionen Barrel (à 159 Liter) etwa zehn Prozent des weltweit benötigten Öls. Wann immer etwas geschieht, das die politische oder wirtschaftliche Stabilität des Königreichs beeinträchtigen könnte, bekommt die Welt dies in Form steigender Ölpreise zu spüren.

So auch am Wochenende, als gleich zwei Ereignisse in Saudi-Arabien Wellen schlugen: Unmittelbar nachdem Kronprinz Mohammed bin Salman eine Anti-Korruptionskommission ins Leben gerufen hatte, ließ er Medienberichten zufolge etwa 50 Prinzen, Minister und Ex-Minister festnehmen. Ihnen werden illegale Geschäfte, Geldwäsche und Veruntreuung öffentlicher Gelder vorgeworfen.

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Was außerdem aufschreckte: Jemenitische Huthi feuerten erstmals seit Kriegsbeginn im Jemen im Jahr 2015 eine Rakete auf die saudische Hauptstadt Riad. Sie wurde von einem Raketenabwehrsystem abgefangen.

Beide Ereignisse haben zwar keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Ölförderung des Landes. Mittelbar aber beeinflusst es sehr wohl den Ölpreis: „Diese Ereignisse erinnern uns an die politischen Risiken im Nahen Osten und tragen dazu bei, dass sich die Ölpreisrally in der neuen Woche fortsetzt“, schreiben die Experten der Wiener Energieanalysefirma JBC Energy in einem Kommentar.

Bereits seit Ende Juni verteuert sich der Rohstoff nur mit kleineren Rücksetzern nahezu unaufhaltsam. Von seinem damaligen Jahrestiefstand bei 44,35 Dollar ging es nun auf das Zweieinhalb-Jahres-Hoch von 62,50 Dollar. Das sind zehn Prozent mehr als noch zu Jahresbeginn.

Den anhaltenden Anstieg führen Analysten einerseits auf die Förderkürzungen des Ölkartells Opec gemeinsam mit zehn weiteren Fördernationen zurück. Gemeinsam verzichten sie jeden Tag auf knapp 1,8 Millionen Barrel ihrer Produktion und wollen so den in den vergangenen Jahren von Überangebot geprägten Markt zurück zum Gleichgewicht mit der Nachfrage führen. Andererseits wuchs die Weltwirtschaft in diesem Jahr schneller, als es Prognosen noch zu Jahresbeginn annahmen. Somit vergrößerte sich auch der Bedarf an Öl. Allein in diesem Jahr wird die Nachfrage laut Schätzungen der Internationalen Energieagentur um 1,6 Millionen Barrel pro Tag zunehmen.

Dämpfen kann den Preisauftrieb dieser Tage nicht einmal mehr die in diesem Jahr stark gestiegen Ölproduktion in den USA. Seit Jahresbeginn weiteten die Amerikaner ihre Förderung um rund zehn Prozent auf 9,6 Millionen Barrel pro Tag aus. Damit liegen sie heute nahezu auf dem gleichen Niveau wie die Saudis.


Benzinpreise mit moderatem Anstieg

Im kommenden Jahr rechnen Analysten zwar erneut mit Produktionssteigerungen in den USA, die allerdings nicht mehr so stark ausfallen dürften wie in diesem Jahr. Für diese Annahme gibt es drei Gründe: Erstens seien die am leichtesten zugänglichen und ergiebigsten Quellen jetzt bereits erschlossen.

Zweitens stiegen die Kosten, weil sich geschultes Personal und Ressourcen verknappen. Dabei muss man wissen, dass zur Gewinnung von Schieferöl unter anderem viel Sand benötigt wird. Und drittens wollten gerade die größeren Unternehmen nun mehr auf Qualität statt Quantität setzen, um so einen stabilen Cashflow zu gewährleisten.

Folglich könnten die Produktionsanstiege in den USA 2018 geringer ausfallen. Nach knapp einer Million Barrel pro Tag Zuwachs könnten es im kommenden Jahr „nur“ noch 500.000 Barrel sein, schätzt Jan Edelmann, Ölanalyst der HSH Nordbank.

Erste Entwicklungen in diese Richtung sind schon jetzt zu erkennen: Obwohl sich Öl in den vergangenen Wochen verteuert hat, ist die Zahl der neu angebohrten Ölquellen in der vergangenen Woche zurückgegangen. Laut der Öl-Dienstleistungsgesellschaft Baker Hughes fiel die Zahl der Ölbohrquellen von 768 im August auf aktuell noch 729.

Für deutsche Autofahrer bleibt immerhin ein Trost: Die Benzinpreise sind in den vergangenen Monaten nur leicht gestiegen. Ein Liter Superbenzin hat sich laut Mineralölverband zwischen Juni und September um drei Cent auf 1,37 Euro verteuert.

Quelle:  Handelsblatt Online
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