Schlag gegen Liberty Reserve: Geldwäsche à la Al Capone

Schlag gegen Liberty Reserve: Geldwäsche à la Al Capone

, aktualisiert 29. Mai 2013, 07:17 Uhr
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Firmensitz von Liberty Reserve in Costa Rica.

von Nils RüdelQuelle:Handelsblatt Online

Ermittler haben einen der größten Geldwäsche-Skandale aufgedeckt: Über die virtuelle Währung „Liberty Reserve“ sollen Gangster weltweit sechs Milliarden Dollar verschoben haben. Sind Online-Dollar die neue Lösung für schmutziges Geld?

New YorkDer Staatsanwalt konnte die Sache gar nicht hoch genug hängen. Es sei der wohl „größte internationale Fall von Geldwäsche, in dem jemals in den USA ermittelt wurde“, sagte Preet Bharara, US-Staatsanwalt in New York, am Dienstag. Man habe eine der „Drehscheiben der Cyberkriminalität weltweit“ ausgehoben.

Es ist ein System ganz neuer Dimension, auf das Bharara da zusammen mit Fahndern aus 16 weiteren Ländern gestoßen sind. Im Zentrum steht eine Firma namens Liberty Reserve aus Costa Rica, die einen Bezahldienst im Internet betrieben hat. Über diesen konnten Kriminelle ihre Einnahmen aus Drogenhandel, Kreditkartenbetrug oder Kinderpornographie verschieben – anonym und nicht nachzuverfolgen.

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Rund sechs Milliarden Dollar seien über die Firma in solche Geschäfte geflossen, sagte Bharara. Liberty Reserve sei „die Bank der Wahl für die kriminelle Unterwelt“ gewesen. Fünf Verdächtige, darunter der Firmengründer, seien gefasst, zwei noch auf der Flucht. Ihnen drohen lange Haftstrafen.

Das Prinzip von Liberty Reserve ist erstaunlich einfach. Gangster, die den Service nutzten, brauchten noch nicht einmal viel über das Internet wissen: Kunden mussten über Drittanbieter echte Dollars oder Euro in die Kunstwährung „LR“ eintauschen – anschließend konnten sie sie an andere Kunden überweisen. Die Empfänger mussten die „LRs“ dann nur noch in echte Währung zurückwechseln. Dafür habe die Firma dann eine Gebühr von einem Prozent pro Überweisung kassiert.

Der Clou: Aufseher und Behörden konnten die Transaktionen nicht überwachen. Denn laut Staatsanwaltschaft haben sich die meisten Kunden unter falschem Namen und Phantasie-Adresse angemeldet – was von Liberty Reserve genau so beabsichtigt gewesen sei.

Ein verdeckter Ermittler etwa, der das System testete, konnte problemlos den Nutzernamen „Russland-Hacker“ wählen, wohnhaft „123 Fake Main Street“ („Gefälschte Hauptstraße“) in „Completely Made Up City“ („Komplett erfundene Stadt“). Verwendungszweck: „Für Kokain“.


Druck auf virtuelle Währungen

Fazit der Strafverfolger in der Anklageschrift: Die „gesamte Existenz“ von Liberty Reserve „fußte auf einem kriminellen Geschäftsmodell“. Mehr als eine Million Kunden habe Liberty Reserve gehabt, davon 200.000 allein in den USA. In den vergangenen Jahren hätten sie 55 Millionen Transaktionen abgewickelt – das meiste davon sei illegal gewesen.

Die Konten bei Liberty Reserve und weiteren Firmen sind inzwischen beschlagnahmt worden, die Webseite zeigt nur noch die Amtssiegel der Strafverfolger. Im Web-Archiv ist allerdings noch eine Version vom 1. Mai einsehbar.

Die Anklage gegen die Firma aus Costa Rica wirft derweil ein Licht auf das schnell wachsende Phänomen virtueller Währungen wie Bitcoin oder Litecoin. Diese sind für Online-Shopper ebenso interessant wie für Spekulanten oder auch für Videospieler, die sich virtuelle Gegenstände kaufen.

Besonders attraktiv sind die Kunst-Dollars aber laut US-Behörden auch zunehmend für Kriminelle. Denn sie können auf diese Weise in der Regel anonym und weitgehend unreguliert von Finanzbehörden Gelder verschieben. Bereits im Jahr 2008 hatte das US-Justizministerium gewarnt, dass solche Dienste verstärkt für Geldwäsche genutzt würden.

Der Blogger Brian Krebs, Sicherheits-Spezialist und ehemaliger Reporter der „Washington Post“, vermutet denn auch mehr hinter der Aktion gegen Liberty Reserve. Es handle sich um „den Teil einer größeren Anstrengung der US-Regierung, den Druck auf virtuelle Währungen zu erhöhen“, schreibt er.

Staatsanwalt Bharara betonte am Dienstag, dass sich die Ermittlungen ausschließlich um Liberty Reserve drehten und er keine Meinung über Online-Währungen im Allgemeinen vertrete. Gleichwohl kritisierte er die Szene: Der Schlag gegen Geldwäsche sei „ein wichtiger Schritt dahin, den Wilden Westen des rechtswidrigen Internet-Bankings zu zähmen“.

Richard Weber, Chef-Fahnder der US-Steuerbehörde IRS, verglich das Geschäft mit dem wohl berühmtesten Gangster der Geschichte: „Wir sind im digitalen Zeitalter der Geldwäsche angekommen“, sagte Weber am Dienstag. „Wenn Al Capone heute noch leben würde, er würde auf diese Weise sein Geld verstecken“.

Quelle:  Handelsblatt Online
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