Schön gerechnet: Bilanzkennzahlen und was sie taugen

Schön gerechnet: Bilanzkennzahlen und was sie taugen

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Das nachhaltige Nettoergebnis, das RWE präsentiert ist kein Maßstab

von Christof Schürmann

Unternehmen kennen nicht nur eine Gewinnkennzahl. Es gibt sie etwa als Ebit, Ebitda oder Netto. An welchen Gewinnziffern sich Anleger noch orientieren können.

Die International Financial Reporting Standards (IFRS) sind ein internationaler Bilanzstandard, der in rund 120 Ländern angewendet wird. Seit 2005 sind die IFRS in Deutschland Pflicht für den Konzernabschluss aller Unternehmen, die Anleihen oder Aktien öffentlich notiert haben. Allerdings sind viele Unternehmenschefs nicht einverstanden mit der üblichen Gewinn-und-Verlust-Rechnung und präsentieren Anlegern deshalb eine Vielzahl von Ertragszahlen, die nichts mit den IFRS zu tun haben.

Die Kennzahlen der Unternehmen

  • Ebitda

    Ebitda ist eine Schönwetterkennzahl, die keinem Bilanzstandard unterliegt. Sie kann von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich errechnet sein. Eine Aussagekraft hat die Kennzahl im Verhältnis zum Schuldenstand (je geringer die Relation zwischen Ebitda zu Schulden, desto besser steht das Unternehmen bei seinen Verbindlichkeiten da).

  • Ebita

    Ergebnis vor Steuern, Zinsen, regelmäßigen Abschreibungen. Ebenfalls eine wenig taugliche Schönwetterkennzahl.

  • Ebit

    Ergebnis vor Steuern und Zinsen. Kann als operatives Ergebnis (Betriebsergebnis) herhalten, falls keine außerordentlichen Zinsausgaben oder -einnahmen anfallen

  • Ebt

    Ergebnis vor Steuern sowie der Nettogewinn (Jahresüberschuss) als Kernkennzahl für den Aktionär. Aus dem Jahresüberschuss errechnet sich der Gewinn je Aktie, wenn der Nettogewinn durch die Anzahl der ausgegebenen Aktien geteilt wird.

  • KGV

    Der aktuelle Aktienkurs geteilt durch den Gewinn je Aktie ergibt das KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis).

  • Vergleichbarkeit

    Da heutzutage allerdings einige Unternehmen eben mit bereinigten Nettoergebnissen rechnen, und diese von vielen Analysten kritiklos übernommen werden, sind selbst Ergebnisse je Aktie und damit die KGVs nicht miteinander vergleichbar. Anleger finden die wahren Nettozahlen aber in den Quartals- und Geschäftsberichten.

Regelmäßig sind diese Gewinnzahlen bereinigt, adjusted oder angepasst, wie es dann wortreich heißt. Fällt unterm Strich in Wahrheit ein Verlust an, hantieren die Vorstände naturgemäß lieber mit schwarzen Zahlen; statt eines müden Jahresüberschusses zeigen sie lieber eine tolle Gewinnsteigerung. Alles machbar, da es für die Präsentation der Ertragssituation keine Regeln, keine Regulierung und keine Sanktion gibt.

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Die Deutsche Telekom etwa verkauft aktuell ihren Aktionären ein „bereinigtes Ebitda“ (Ergebnis vor Steuern, Zinsen, regelmäßigen Abschreibungen und Sonderabschreibungen auf aufgekaufte Unternehmen (Firmenwerte/Goodwill) als Kernkennzahl. RWE-Aktionäre sollen sich mit einem „nachhaltigen Nettoergebnis“ anfreunden, bei E.On geht es um den „nachhaltigen Konzernüberschuss“ bei Konkurrent EnBW um den „adjusted Konzernüberschuss ohne neutralen Konzernfehlbetrag“, Linde stellt ein „operatives Konzernergebnis“ in den Vordergrund, das ein „Ebitda inklusive des anteiligen Ergebnisses aus assoziierten Unternehmen und Joint Ventures“ ist.

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Durchschaubar ist das nicht. Regelmäßig ändern viele Unternehmen auch die Gewinnkennzahlen, an denen sie gemessen werden wollen. Diese sind also schon von Jahr zu Jahr bei demselben Unternehmen möglicherweise schwer vergleichbar, von Unternehmen zu Unternehmen in der Regel ohnehin oft nicht mehr.

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