Schrottrecycler Scholz: Investoren drohen bis zu 99 Prozent Verlust

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Schrott.

von Annina Reimann

Das Schrottrecycling-Unternehmen Scholz könnte Anleihegläubigern noch weniger zurückzahlen als an der Börse erwartet. Darauf deutet eine KPMG-Studie hin.

Anleihegläubiger des finanziell angeschlagenen Schrottrecyclers Scholz würden im Fall einer Insolvenz und dem darauffolgenden Verkauf der Unternehmensteile nur 10 Euro pro 1000 Euro aus einer Anleihe zurückerhalten. Das entspricht einer Quote von einem Prozent des bei den Anleihen ausstehenden Nennwertes. Diese Quote haben die Wirtschaftsprüfer von KPMG in einer Liquidationsanalyse zum 26. Januar errechnet. Das geht aus einem Bericht der Anleihekuratorin Ulla Reisch hervor, der der WirtschaftsWoche vorliegt. Die eingesetzte Kuratorin soll die Anleihegläubiger vertreten.

Demnach nimmt KPMG an, dass bei einem Verkauf der Unternehmensteile insgesamt 146,6 Millionen Euro erlöst werden könnten. 142,3 Millionen Euro aber müssten dem Bericht zufolge Gläubigern mit Kreditsicherheiten zugesprochen werden.

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Für diese entspräche das einer Quote von rund 23 Prozent. Anleihegläubiger, die keine Kreditsicherheiten haben, würden in diesem Szenario nur 2,1 Millionen Euro bekommen. Ihnen schuldet Scholz aber noch 182,5 Millionen. KPMG wollte sich nicht zu Kundenaufträgen äußern, auch ein Sprecher von Scholz wollte keine Stellungnahme abgeben.

Die Börse preist die Anleihen noch bei 5,8 Prozent

Die Scholz Holding versucht aktuell, Schulden von 1,1 Milliarden Euro außerhalb einer Insolvenz zu restrukturieren. Sie hat zu diesem Zweck ihren Sitz nach England verlegt. Dort ist das Management nicht verpflichtet, einen Insolvenzantrag zu stellen, solange Gründe dafür sprechen, dass es aussichtsreich ist, die finanziellen Verbindlichkeiten neu zu ordnen. Ein Unternehmen kann sich dort sanieren, ohne insolvent zu sein. Der Clou: Dazu reicht es, die Verwaltung zu verschieben. Die Holding von Scholz sitzt nun in der King William Street im Herz der Londoner Innenstadt. Gängig ist in England das Scheme of Arrangement. Genehmigt ein Gericht den Plan, dürfen große Kreditgeber kleine überstimmen.

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Noch ist also unsicher, welche Quote Anleger am Ende bekommen. Die Börse ist jedenfalls noch optimistisch, dass es bei einer gütlichen Einigung mit den besicherten Gläubigern mehr als ein Prozent werden könnte: In Frankfurt konnten Anleger ihre Anteile heute noch für 5,8 Prozent verkaufen.

Die Stundung von fälligen Zinsen verhindert vorerst eine Insolvenz

Doch diese Quote scheint allenfalls bei einer Fortführung des Unternehmens denkbar. Denn auch in anderen England-Szenarien wie dem Pre-Pack, bei dem Werte des Unternehmens an eine neue Firma verkauft werden, dürften Scholz-Anleger kaum besser bedient werden. Die Kuratorin hält auch in diesem Szenario eine Quote von einem Prozent für „nicht unplausibel“. 

Scholz geht es so schlecht, dass die Kuratorin, die die Anleger vertritt, zuletzt die im März fälligen Zinsen bis zum 31. Mai stunden musste. Bis zuletzt wurde versucht, wenigstens 25 Prozent ausgezahlt zu bekommen. Das scheitere, weil das Vorhaben die Verlängerung einer Zwischenfinanzierung torpediert hätte, heißt es im Bericht der Kuratorin. Würde Scholz die fälligen Zinsen zahlen, könne „eine Überschuldung eintreten“, welche „die Stellung eines Insolvenzantrages notwendig mache“.

Die Hoffnung auf eine höhere Quote für Scholz-Anleger stirbt eben zuletzt.

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