Schuldenkrise: Anleihemarkt erholt sich leicht

Schuldenkrise: Anleihemarkt erholt sich leicht

, aktualisiert 16. November 2011, 13:38 Uhr
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Die Rendite der zehnjährigen Schuldtitel aus Rom fiel zurück unter sieben Prozent.

Quelle:Handelsblatt Online

Die Zinsen auf italienische Staatsanleihen sind auf unter sieben Prozent gefallen. Auch sonst erholte sich der Anleihemarkt leicht. Neue Anleihekäufe der EZB sollen eine Rolle gespielt haben.

Frankfurt/MainDie Wogen am Anleihemarkt haben sich nach dem jüngsten Ausverkauf von Papieren starker Euroländer etwas geglättet. Die Kurse französischer, österreichischer, niederländischer und finnischer Anleihen zogen wieder an. Die Rendite der zehnjährigen Schuldtitel aus Rom fiel zurück unter die als langfristig kritisch geltende Grenze von sieben Prozent. Entspannung war auch bei spanischen und portugiesischen Anleihen zu beobachten. Kreditausfallversicherungen für diese Länder verbilligten sich. Die zuletzt als sicherer Hafen massiv nachgefragten Bundesanleihen gaben nach. Zehnjährige Papiere rentierten um 1,8 Prozent.

„Die aktuelle Erholung ist vor allem eine Gegenbewegung auf die starken Anleihekursverluste am Vortag“, sagte Rainer Guntermann, Anleiheexperte von der Commerzbank. „Die Bewegungen am Vortag war wohl etwas übertrieben.“ Die zum Teil panischen Reaktionen seien aber auch durch einen dünneren Handel begünstigt gewesen, sagte Guntermann. Auch die Einigung auf eine mit Fachleuten besetzte Regierung unter Regierungschef Mario Monti in Italien habe für Entspannung gesorgt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat laut Guntermann durch Anleihekäufe zu einer Entspannung beigetragen.

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„Wir stehen kurz vor einer Eskalationsstufe, und es gibt nur noch einen Rettungsanker - die EZB“, sagte ein anderer Analyst, der anonym bleiben wollte. „Wir haben Rettungsprogramme aufgelegt, Sparpläne ausgehandelt, Regierungen ausgetauscht, aber es hat alles nichts genützt.“ Entweder Europa laufe jetzt direkt in die Katastrophe oder die EZB schalte sich entschieden ein. „Sie könnten den Schweizer Weg nehmen und sagen, Renditen steigen auf höchstens 4,5 Prozent, ansonsten halten wir dagegen.“ Für die EZB hieße das letzten Endes nichts anderes als die Notenpresse anzuwerfen.

Die Schweizerische Nationalbank hatte in ihrem Kampf gegen die Aufwertung der heimischen Währung Anfang September einen Mindestkurs festgesetzt. Mit unbeschränkten Devisenkäufen verhindert sie seitdem, dass der Euro unter die Marke von 1,20 Franken fällt.


Bäte vermutet koordinierte Aktionen von Investoren bei Anleihen

EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso sprach am Mittwoch von einer „systemischen Krise“. Um diese zu überwinden, müssten sich alle Länder stärker engagieren, sagte Barroso vor dem Europäischen Parlament in Straßburg. Dies könne auch bedeuten, dass noch zusätzliche und wichtigere Maßnahmen vonnöten seien.

Der Euro erholte sich bis auf 1,3525 Dollar, nachdem er im frühen asiatischen Geschäft noch bis auf 1,3427 Dollar und damit den tiefsten Stand seit einem Monat gefallen war.

Aus Angst vor einer weitreichenden Ausbreitung der Schuldenkrise waren am Dienstag erstmals Euroländer mit höchster Bonitätsnote - wie Frankreich, Österreich und die Niederlande - ins Visier der Finanzinvestoren geraten. „Das war ein ordentlicher Schock, und jetzt geht es erst einmal ans Aufarbeiten“, sagte ein Händler. Vor allem asiatische Verkäufer seien unterwegs gewesen. „Wir haben ein heftiges Kommunikationsproblem, denn offensichtlich verstehen die asiatischen Investoren nicht, dass wir hier auf einem guten Weg sind; dass wir sparen und nicht einfach Geld drucken wie die Amerikaner.“

Der Händler ging davon aus, dass die aus Europa abgezogenen Gelder vor allem in Dollar-Anlagen umgeschichtet wurden. „Nur der US-Markt ist groß und liquide genug.“ Der Finanzvorstand der Versicherungsgruppe Allianz, Oliver Bäte, vermutet hinter dem Druck auf Staatsanleihen koordinierte Aktionen einzelner Investoren. Er forderte, auch bei Staatsanleihen nach Risiko geordnete Tranchen einzuführen. 

Trotz der Entspannung auf den Anleihemärkten lag die Rendite für französische Papiere mit 3,555 Prozent zuletzt deutlich über der entsprechenden deutschen, die bei 1,780 Prozent notierte. „Vor allem die Furcht, dass Frankreich seine Bestnote bei der Kreditbewertung verlieren könnte, belastet den französischen Markt“, sagte Guntermann. „Ein Ende der hohen Verunsicherung der Anleger ist nicht in Sicht.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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