Schuldenkrise: Investoren gewähren keine Atempause

Schuldenkrise: Investoren gewähren keine Atempause

, aktualisiert 21. November 2011, 10:16 Uhr
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Börse in Madrid: Seit Jahresbeginn sind die Kurse um 15 Prozent gefallen.

Quelle:Handelsblatt Online

Der Regierungswechsel in Madrid wird an den Märkten wohlwollend zur Kenntnis genommen. Dass die Politik die Schuldenkrise in den Griff bekommt, erwarten Investoren jedoch nicht. Die ganze Hoffnung ruht auf einem Italiener.

DüsseldorfDer Erdrutschsieg der oppositionellen Konservativen bei der Parlamentswahl in Spanien wird an den Märkten wohlwollend zur Kenntnis genommen. Immerhin könnte die neue Regierung nötige Reformen zum Abbau des Schuldenbergs schneller durchsetzen. Der künftige Ministerpräsident Mariano Rajoy hat seine Landsleute bereits auf weitere Entbehrungen eingeschworen. "Ich bitte Euch alle, mir weiterhin zu helfen. Schwere Zeiten stehen bevor", sagte Rajoy am Sonntagabend vor jubelnden Anhängern in der Parteizentrale in Madrid. Im Kampf gegen die Schuldenkrise dürfe aber niemand Wunder erwarten.

Wunder erwartet an den Finanzmärkten ohnehin niemand mehr. Viele Investoren bezweifeln, dass die Regierung - egal von welcher Partei sie gestellt wird - überhaupt noch etwas ausrichten kann. Hinzu kommt die Befürchtung, dass nun auch größere Volkswirtschaften in der Euro-Zone Probleme an den Anleihemärkten bekommen könnten.

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Die Renditen für zehnjährige Anleihen aus Spanien stiegen am Montagmorgen um 18 Basispunkte auf 6,67 Prozent. Für italienische Anleihen lag die Rendite acht Basispunkte höher bei 6,71 Prozent.

Marcel Bross, Analyst bei der Commerzbank, fürchtet speziell für Italiens Anleihen einen Käuferstreik. Allein durch diese Aussicht sei die „nächste Krisenphase bereits eingeläutet, nämlich Risse im Kern der Euro-Zone.“ Die Risikoprämie für französische Staatsbonds kletterte auf bis zu zwei Prozentpunkte. Selbst die Renditen französischer, niederländischer, österreichischer und finnischer Staatsanleihen stiegen in der vergangenen Woche so deutlich über die deutscher Bundesanleihen wie noch nie seit Bestehen des Euros.

Die Hoffnungen der Börsianer richten sich jetzt zunehmend darauf, dass die Europäische Zentralbank (EZB) in noch größerem Umfang als bisher Staatsanleihen der kriselnden Euro-Länder kauft, um deren Kurse zu stützen. Nur die EZB könne schnell handeln und den Investoren die Unsicherheit darüber nehmen, ob die Politik tatsächlich dazu stehe, die Euro-Zone auf jeden Fall zu erhalten, meint Frédéric Buzaré, Leiter des Aktienbereichs bei der Fondsgesellschaft Dexia Asset Management. Für Alexander Lukas, Stratege bei der Weberbank, ist es nur noch eine Frage der Zeit bis dahin, dass die Notenbank massiver als bisher Staatsanleihen kaufen wird.


Draghi soll es richten

Im politischen Streit um eine stärkere Rolle der EZB bei der Bewältigung der Krise wurden am Freitag auf der Euro Finance Week in Frankfurt große Widerstände aus Deutschland und aus der EZB deutlich. Der neue EZB-Präsident Mario Draghi ermahnte die Politik, die neuen Instrumente zur Bewältigung von staatlichen Zahlungsschwierigkeiten in der Währungsunion, schneller einsatzfähig zu machen. Deutsche-Bank-Chef Ackermann stieß in das selbe Horn, Bundesfinanzminister Schäuble und Bundesbankpräsident Jens Weidmann lehnten eine stärkere Rolle der EZB dezidiert ab.

Daher könnten entsprechende Hoffnungen enttäuscht werden. Die Aktienmärkte werden deshalb nach Ansicht von Aktienstrategen wie Andreas Hürkamp von der Commerzbank und Markus Reinwand von der Helaba weiter stark schwanken.

Auch für den Euro halten die Strategen von HSBC Trinkaus in den kommenden Tage eine „deutliche Erholung für sehr unwahrscheinlich.“ Kritisch werde es für den Euro, wenn er unter die Marke von 1,34 Dollar falle – aus charttechnischer Sicht warte die nächste Unterstützung dann erst wieder bei 1,3145 Dollar. Am Montagmorgen fiel die Gemeinschaftswährung unter 1,35 Dollar auf 1,3461 Dollar.

Quelle:  Handelsblatt Online
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