Schuldenkrise: Portugal schafft Befreiungsschlag am Kapitalmarkt

Schuldenkrise: Portugal schafft Befreiungsschlag am Kapitalmarkt

Die Kapitalmärkte schenken dem Krisenland mehr Vertrauen, Portugals Staatsanleihen sind wieder gefragt. Einige Marktteilnehmer jubeln. Aber die wirtschaftliche Lage bleibt heikel, das Volk ist wütend.

Knapp zwei Jahre nach der Flucht unter den Euro-Rettungsschirm ist Portugal mit einer längerfristigen Staatsanleihe die Rückkehr an die Kapitalmärkte gelungen. Bei der Platzierung von fünfjährigen Schuldtiteln über Banken flossen am Mittwoch in Lissabon 2,5 Milliarden Euro in die noch maroden Staatskassen. Insgesamt gab es Gebote für ein Anleihevolumen von zwölf Milliarden Euro und damit knapp das fünffache der angebotenen Summe. Mehr als 90 Prozent der Anleihen wurden vom Ausland gekauft. Es war die erste Platzierung eine länger laufenden Staatsanleihe, seit Portugal im Jahr 2011 unter den Euro-Rettungsschirm schlüpften musste. In den vergangenen zwei Jahren hatte das ärmste Land Westeuropas seitdem nur kurz laufende Geldmarktpapiere aufgelegt.

Dank der hohen Nachfrage musste Portugal mit 4,891 Prozent eine deutlich niedrigere Rendite bieten als zunächst erwartet. 2011 musste Portugal den Anlegern von 6,4 Prozent für eine fünfjährige Anleihe bieten. Der Staat wolle weitere Anleihen mit unterschiedlichen Laufzeiten begeben, kündigte Albuquerque an. Die Rendite der bereits gehandelten Papiere infolge der Platzierung auf 4,879 Prozent, den niedrigsten Stand seit Dezember 2010. Die Zinsen seien damit auf einem tragbaren Niveau, sagte Finanzministerin Maria Luis Albuquerque. Die Auktion zeige, dass die Märkte wieder Vertrauen in Portugal gefasst hätten. "Das war sicherlich ein wichtiger Schritt im Programm", sagte Albuquerque.

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Dank der bewilligten Rettungsmilliarden ist Portugals Zahlungsfähigkeit noch bis Ende 2013 gesichert. Danach muss sich das Land wieder dauerhaft über den Kapitalmarkt refinanzieren können. Die erfolgreiche Rückkehr an den Kapitalmarkt mit der Platzierung langlaufender Anleihen ist auch Voraussetzung für die Inanspruchnahme des Anleihekaufprogramms der Europäischen Zentralbank (EZB), die angekündigt hat, Anleihen von angeschlagenen Euro-Ländern in Notfall unbegrenzt zu kaufen um den Krisenländern die Finanzierung zu erleichtern.

Portugals Zeugnis 2012

  • Politische Stabilität

    Coelhos Zweier-Koalition macht einen stabilen Eindruck. Auch in der Bevölkerung genießt der Premier das Vertrauen. Je länger die Krise aber andauert, desto schwerer wird es für ihn, sich gegen die aufkeimende Wut der Gewerkschaften und Angestellten zu wehren.

    Note: 3

  • Umsetzung von Reformen

    Lob von allen Seiten und das – anders als im Fall Griechenland – zu Recht: Portugal hat seine Arbeits- und Rentenmarkt in weiten Teilen neu gestaltet und sich so fit für die Zukunft gemacht. Trotz aller Schmerzen während der Übergangszeit.

    Note: 2

  • Sparwille

    2010 lag das Haushaltsdefizit noch bei 9,8 Prozent. Inzwischen wurde es fast halbiert. 2013 rechnet die EU-Kommission mit einem Minus von 4,5 Prozent. Dass es nicht besser läuft, liegt an der Rezession in Südeuropa (allen voran in Spanien). Viel mehr sparen kann Portugal nicht.

    Note: 2

  • Gesamtnote

    Portugal hat 2012 vieles richtig gemacht. Neben Irland ist das Land der einzige Lichtblick unter den Hilfsgeldempfängern Europas. Doch die Abhängigkeit von Spanien macht eine schnelle Genesung unmöglich. Portugal wird noch Zeit brauchen.  

    Note: 2

Platziert hat Portugal seine Anleihen nicht wie marktüblich über eine Auktion, sondern über ein Bankenkonsortium, dass diese gezielt zum Verkauf anbot - Fachleute sprechen von einer syndizierten Anleihe. Dieses Vorgehen hatten zuvor auch schon Irland und Spanien angewendet. Unter den fünf Konsortialbanken, die die portugiesischen Staatsanleihen übernommen und interessierten Investoren angeboten hatten, war auch die Deutsche Bank.

Mit der erfolgreichen Rückkehr an die Kapitalmärkte hat sich die Lage Portugals weiter entspannt. Erst am Montag war die Rendite für portugiesische Anleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren erstmals seit Ende 2010 wieder unter die Marke von 6,0 Prozent gefallen.

Ricardo Salgado, Chef der portugiesischen Banco Espírito Santo, die ebenfalls dem Konsortium angehörte, äußerte sich nach der Emission vom Mittwoch geradezu euphorisch. Es sei „der Beginn der Wiedereroberung der finanziellen Unabhängigkeit“, die für Portugal „fundamental wichtig“ sei, sagte Salgado. Zudem könne man von „einem Sieg über die Ratingagenturen“ sprechen, da das Land für die Rückkehr keine Verbesserung der Bewertungen benötigt habe. Die Ratingagenturen bewerten Portugal derzeit nur noch eine Stufe über Ramschstatus.

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