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Schuldenschnitt für Kleinanleger: Was wird aus meinen Griechen-Anleihen?

Quelle: Handelsblatt Online

Griechenland hat mit den Großbanken einen Schuldenschnitt vereinbart. Doch was bedeutet das für deutsche Kleinanleger? Müssen sie mitziehen? Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Schuldenschnitt.

Zwei Griechen stehen vor dem abgeriegelten griechischen Parlament. Quelle: dpa
Zwei Griechen stehen vor dem abgeriegelten griechischen Parlament. Quelle: dpa

Was wurde von den Euro-Finanzministern vereinbart?

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130 Milliarden Euro wollen die Euro-Länder und der Internationale Währungsfonds (IWF) bis 2014 schrittweise an Athen überweisen. Damit ist eine Staatspleite zumindest vorerst abgewendet. Gleichzeitig sollen die privaten Gläubiger freiwillig auf einen Großteil der Forderungen verzichten. Zu den privaten Gläubigern zählen nicht nur die Banken, sondern auch Fondsgesellschaften, Versicherer und Kleinanleger. Das Problem: Wenn nicht genug Gläubiger freiwillig mitmachen, kann Griechenland die Bedingungen für seine Anleihen ändern und den Schuldenschnitt erzwingen.

Viele Kleinanleger, die in den letzten Monaten besonders mit der im März fällig werdenden Anleihe gezockt haben, schwant inzwischen Böses. Seit Freitag ist der Kurs dieses Bonds von 43 auf 29 Prozent des Nominalvolumens gesunken. „Der Verlauf spiegelt deutlich die große Unsicherheit vieler Anleger wider“, sagt Markus Gross, Handelsexperte der Börse Stuttgart. Die Verkäufer seien in Überzahl. „Auf der anderen Seite gibt es trotzdem einige, die diese Staatsanleihe kaufen. Da sich das Papier momentan auf einem sehr niedrigen Kursniveau befindet, scheint ihnen auch das Verlustpotenzial überschaubar“, erläutert Gross.

Auf wie viel Geld verzichten die Schuldner nominal?

Die privaten Gläubiger verzichten auf 53,5 Prozent des Nennwerts ihrer Anleihen. Eine Anleihe über 1000 Euro ist also nur noch 46,5 Prozent des Nennwerts und somit 465 Euro wert.

Was bekommen sie dafür?

Die Gläubiger bekommen 15 Prozent des ursprünglichen Nominalwerts, also im Beispiel 150 Euro, in Form von Anleihen des Euro-Rettungsschirms EFSF. Die werden innerhalb der nächsten zwei Jahre, also bis 2014, fällig. Das ist zwar kein Bargeld, gilt aber als Quasi-Cash-Komponente, weil die Anleihen des EFSF als sicher und jederzeit verkäuflich gelten - wobei auch bei diesen Bonds die Kurse schwanken. Die restlichen 31,5 Prozent des ursprünglichen Nominalwerts, also 315 Euro, werden in neue griechische Anleihen getauscht.

Welche Laufzeit haben die neuen griechischen Anleihen?

Sie werden im Jahr 2042, also in 30 Jahren, fällig. Nach elf Jahren werden sie aber bereits teilweise zurückgezahlt. Vincent Chaigneau, Zinsstratege bei der Société Générale, interpretiert das so, dass ab 2023 jährlich fünf Prozent der neuen Bonds getilgt werden.

Welche Zinsen gibt es für die neuen Anleihen?

Die Verzinsung der EFSF-Anleihen steht noch nicht fest. Bislang gibt es keine zweijährigen EFSF-Anleihen, der in drei Jahren fällige Bond des Rettungsfonds rentiert mit knapp 1,3 Prozent. Die Zinsen der umgetauschten neuen griechischen Anleihen steigen im Zeitablauf. Für die ersten drei Jahre gibt es Zinsen von zwei Prozent, für die folgenden fünf Jahre drei Prozent und danach 4,3 Prozent.


Umtauschangebote bekommen Anleger von der Verwahrstelle

Können Zinsen noch steigen?

Die Zinsen können ab 2015 um einen Prozentpunkt steigen, wenn für das jeweilige Jahr das griechische Wirtschaftswachstum über den Prognosen der Troika - der Vertreter von EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und IWF - liegt. Die genauen Schwellen stehen aber noch nicht fest.

Wie kommen Privatanleger an die Liste der Umtauschanleihen?

Das Umtauschangebot bekommen private Anleger über ihre Depotverwahrstelle. Beispielsweise die größte Wertpapierverwahrbank in Deutschland, die dwp Bank, verschickt Schreiben an Anleger, in denen steht, welche Anleihen sie bis zu welchem Zeitpunkt zu welchen Konditionen tauschen können.

Müssen Privatanleger an der Umschuldung teilnehmen?

Zunächst nicht. Aber: Wenn nicht 90 Prozent der privaten Gläubiger freiwillig mitmachen, will die griechische Regierung die Anleger nachträglich ins Boot holen. Dafür hat das Kabinett bereits am Dienstag einen Gesetzentwurf über die rückwirkende Einführung von sogenannten Collective Action Clauses (CACs) gebilligt. Er soll im Parlament im Eilverfahren als Teil des Gesetzes zur Beteiligung des Privatsektors - des sogenannten PSI - bis Donnerstag verabschiedet werden.

Was besagen die CACs?

Sie verpflichten alle privaten Gläubiger zur Teilnahme an dem Anleihetausch, sofern mindestens 50 Prozent der Gläubiger - bezogen auf den Nennwert der Papiere - mitmachen und von diesen 66 Prozent dem Anleihetausch zustimmen. Ob die CACs aktiviert werden, will die Regierung erst entscheiden, wenn sie voraussichtlich am 9. März einen Überblick über das Ausmaß der freiwilligen Beteiligung hat. Die Anleihen sollen dann bis 12. März umgetauscht werden.

Gibt es keine Ausnahmen für die Kleinsparer?

Am Schuldenschnitt sollen grundsätzlich auch Kleinanleger beteiligt werden, sagte Finanzminister Evangelos Venizelos. Dabei handelt es sich allein in Griechenland um etwa 11.000 natürliche Personen. Venizelos kündigte jedoch an, man werde bestimmte Kleinanleger „mit Sonderregelungen schützen“. So könnten Anleger, die Anleihen im Nennwert von bis zu 100.000 Euro halten, mit neuen griechischen Staatsanleihen in voller Höhe entschädigt werden. Das beträfe etwa 9500 der 11.000 Kleinanleger. Möglicherweise wird man dabei aber unterscheiden zwischen Anlegern, die ihre Papiere bei der Emission oder kurz danach zu Kursen nahe am Nennwert gekauft haben, und solchen Anlegern, die in den vergangenen Monaten Papiere zu stark gefallenen Kursen kauften, um Spekulationsgewinne einzustreichen.


Die meisten Versicherer stimmen dem Schuldenschnitt zu

Gilt das nur für die griechischen Kleinanleger?

Das ist noch offen. Schränkt der Finanzminister den Kreis der Entschädigten auf einheimische Anleger ein, könnte das rechtliche Komplikationen auslösen.

Wollen Fondsgesellschaften mitmachen?

Bei institutionellen Investoren sprechen Fondsmanager mit diesen konkret deren Wünsche ab und handeln entsprechend. Bei Publikumsfonds entscheidet jede Fondsgesellschaft individuell. Vom Fondsverband BVI wünscht man sich hier eine Richtschnur, bekommt sie aber bislang nicht. Darum prüfen die Anbieter derzeit das Umtauschangebot. „Einige wichtige Details sind noch ungeklärt“, sagt Johannes Müller, Chef-Volkswirt der Deutsche-Bank-Fondstochter DWS, und verweist auf die Handelbarkeit der neuen Bonds und den Kupon der EFSF-Anleihe. „Wir schließen nicht aus, dass wir mitmachen“, sagt Müller. Auch andere Fondsanbieter erwägen dies. Zur großen Unsicherheit rund um den Umtausch trage allerdings bei, dass noch unklar sei, welche Beteiligungsquote Griechenland akzeptiere, sagt Müller. Es kursieren Schätzungen zwischen zwei Dritteln und 95 Prozent.

Wie verhalten sich die Versicherer?

Die meisten Versicherer haben in den letzten Monaten Zustimmung zum Schuldenschnitt signalisiert. Bei der Allianz und dem Munich-Re-Konzern, zu dem auch die Ergo gehört, heißt es, man prüfe nun die Details der Vereinbarung. Überraschend ablehnend äußerte sich vor kurzem der Chef der drittgrößten deutschen Versicherungsgruppe Talanx, Herbert Haas. „Warum sollte ich freiwillig auf etwas verzichten?“, sagte er in einem Interview.

Was raten Verbraucherschützer den Kleinanlegern?

Die Schutzvereinigung der Kapitalanleger (SdK) weist darauf hin, dass die Beteiligung der Kleinanleger wohl nicht ausschlaggebend sein wird, ob der Schuldenschnitt ausreicht. Dazu sei ihr Anteil an den Papieren mit rund einem Prozent viel zu klein. Dass die Kleinanleger schon bald zu einem Forderungsverzicht gezwungen werden, hält man bei der SdK für unwahrscheinlich. „Jeder Anleger muss aber das Risiko selbst einschätzen. Wir empfehlen den freiwilligen Umtausch der Anleihen nur bei längeren Laufzeiten“, sagt SdK-Vorstand Daniel Bauer. Denn es sei fraglich, ob die bisherigen Maßnahmen ausreichen, damit Griechenland nicht in ein paar Jahren wieder vor der Pleite steht.

Was raten Banken den Kleinanlegern?

Ähnlich argumentieren Bankberater. „Es ist bisher keine nachhaltige Trendwende in Griechenland zu erkennen“, sagt beispielsweise Harald Norbisrath, Leiter Vertrieb private Kunden bei der Stadtsparkasse Düsseldorf. Daher rät er privaten Anlegern, deren Anleihen noch einige Jahre laufen, dem Umtauschangebot zuzustimmen. Bei kurzfristigen Papieren, die in diesem oder nächsten Jahr fällig werden, hält Norbisrath die Gefahr eines totalen Ausfalls hingegen für „weniger wahrscheinlich“. Bislang dürfte dies nicht im Sinne der verhandelnden Politiker sein.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 25.02.2012, 17:22 UhrAnonymer Benutzer: Ausundvorbei

    Wer diesen Mist noch nach dem Frühjahr 2010 gekauft hat, ist selbst Schuld. Man kann nicht in absolute Risikopapiere gehen und hoffen, dass einem der Steuerzahler dann raushilft.

    Da habe ich absolut kein Mitleid.

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