Schweizer Großbank: Facebook-Börsengang belastet UBS

Schweizer Großbank: Facebook-Börsengang belastet UBS

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UBS-CEO Sergio Ermotti sieht wenig erfreut aus. Die Schweizer Bank verbuchte einen Gewinneinbruch im zweiten Quartal.

Die Schuldenkrise und der enttäuschende Börsengang von Facebook haben der Schweizer Großbank UBS das zweite Quartal verhagelt: Der Gewinn brach um mehr als die Hälfte ein.

Der Reingewinn sank im Vergleich zum Vorjahr um mehr als die Hälfte auf 425 Millionen Franken (350 Millionen Euro), wie die UBS mitteilte. Wann es wieder besser läuft, hängt nach den Worten von Konzernchef Sergio Ermotti von der politischen und wirtschaftlichen Großwetterlage ab. Wenn es in der europäischen Schulden- und Bankenkrise und beim amerikanischen Staatshaushalt keine nachhaltige Besserung gebe, seien Ergebnisverbesserungen angesichts der herrschenden Marktlage unwahrscheinlich.

An der Börse wurde das Quartalsergebnis mit Enttäuschung aufgenommen. Die Aktie verlor knapp sechs Prozent auf 10,30 Franken. Analysten und Anleger hatten einen doppelt so hohen Gewinn erwartet. Der von der US-Börse Nasdaq schlecht gemanagte Börsengang des Internet-Kontaktnetzes Facebook kostete die UBS 349 Millionen Franken. Das schlug im Investmentbanking zu Buche, wo die Einnahmen wegen der Schuldenkrise ebenso wie bei Konkurrenten wie der Deutschen Bank ohnehin unter Druck stehen. Im Handel mit Aktien und Zinspapieren gingen die UBS-Umsätze deutlich zurück. Unter dem Strich schrieb die Sparte den dritten Quartalsverlust in Folge, der mit 130 Millionen Franken aber deutlich geringer ausfiel als im Quartal davor.

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Die Nasdaq-Systeme hatten aufgrund technischer Probleme die hohe Order- und Stornierungs-Zahlen bei dem IPO nicht bewältigen können. Die von Nasdaq gebotene Entschädigung in Höhe von 62 Millionen Dollar wurde bereits als nicht ausreichend kritisiert. Die UBS hatte bereits erklärt, wenn die Entschädigung nicht den tatsächlichen Schaden abdecke, könnte sie vor Gericht ziehen. Die Finanzfirmen, die den Facebook-Börsengang begleiteten, haben mutmaßlich mehr als 200 Millionen Dollar eingebüßt.

Verpatzter Börsengang Nasdaq erhöht Entschädigung für Facebook-Panne

Die US-Technologiebörse Nasdaq ist bereit, eine höhere Entschädigung zu zahlen.

"Willkommen Facebook" - doch der Börsengang an der Nasdaq geriet zum Desaster. Quelle: dapd

Punkten konnte die größte Schweizer Bank bei reichen Kunden. Das Netto-Neugeld im Wealth Management stieg auf 9,5 Milliarden Franken von 6,7 Milliarden Franken im Quartal davor. Die Geldabzüge europäischer Europa kamen fast zum Stillstand und in Asien und aufstrebenden Ländern gewann die Bank neue Kunden. Doch auch die Reichen sind vorsichtig und halten ihre Vermögen zurzeit lieber in Bargeld oder bombensicheren Anlagen, an denen die Bank nur wenig verdient. Der Gewinn der Sparte sank um ein Viertel auf 502 Millionen Franken. „Das Geschäft läuft erst wieder besser, wenn die Leute aus ihrer Erstarrung herauskommen und wenigstens wieder zu einem konservativen Risikoverhalten zurückkehren“, erklärte Ermotti.

Die Vermögensverwaltung ist der größte Gewinnbringer vor dem traditionellen Schweizer Bankgeschäft. Solange die Unsicherheit bei den Anlegern und an den Märkten anhält, liegt der Schwerpunkt auf den Kosten. UBS sieht sich auf Kurs, die bis Ende 2013 angepeilte Kostensenkung um zwei Milliarden Franken im Jahr zu realisieren. „Kostensenkung ist im gegenwärtigen Umfeld ein Muss“, sagte Ermotti. Im zweiten Quartal baute UBS 723 Stellen ab und zählt nun noch rund 63.500 Arbeitsplätze. Ein weiteres „fine tuning“ werde folgen, sagte Finanzchef Tom Naratil. „Wir werden das nicht mit Pauken und Trompeten machen“.

Ihre Bilanzrisiken baute UBS schneller ab als geplant und die Eigenkapitalausstattung verbesserte sich. Die auf Basis von Basel III berechnete Kernkapitalquote stieg auf 8,8 Prozent „Wir erwarten, dass unsere Tier 1 Ratio gemäß Basel III bis Ende 2012 komfortabel über neun Prozent liegt“, sagte der Konzernchef. Die Bilanzrisiken von derzeit 170 Milliarden Franken sollen bis 2016 auf 135 Milliarden Franken zurückgefahren werden. Das Ergebnis sei insgesamt schwach. „Aber die größte Enttäuschung ist der Verlust im Investmentbanking, wo die Einnahmen in fast allen Segmenten gesunken sind“, sagte Sarasin-Analyst Rainer Skierka.

Ermotti wies Berichte zurück, die Bank stehe im Zentrum des Skandals um Zinsmanipulationen. „Die UBS steht nicht im Zentrum von irgendetwas, das ist kristallklar“, sagte er. „Wir haben keinen Hinweis, dass wir in dieser Sache in einer außergewöhnliche Position sind“.

Was den Libor so wichtig macht

  • Für wen gilt der Libor?

    Grundsätzlich gilt der Libor für alle Kreditnehmer aus den folgenden Währungsräumen:

    - Australischer Dollar
    - Kanadischer Dollar
    - Neuseeland-Dollar
    - US-Dollar
    - Schweizer Franken
    - Dänische Krone
    - Schwedische Krone
    - Euro
    - Pfund Sterling
    - Yen

  • Was legt der Libor fest?

    Der Libor ist ein Angebotszins, also der Satz, zu dem Banken Geld verleihen können. Grundsätzlich gilt der Libor nur für Kredite mit einer Laufzeit von einem Tag bis zu zwölf Monaten. Das heißt, er betrifft Optionen, Derivate und Termingeschäfte, aber auch den Kredit fürs neue Auto oder die Eigentumswohnung.

  • Wer bestimmt den Libor?

    Grundsätzlich legt die British Banker's Association (BBA) den Libor (London Interbank Offered Rate) jeden Tag aufs Neue fest. Die BBA saugt sich den Satz allerdings nicht einfach so aus den Fingern, sondern ermittelt einen Durchschnittssatz aus den Angaben verschiedener Banken. 19 Institute melden der BBA täglich, zu welchem Zinssatz sie sich untereinander Geld leihen.

  • Welche Banken stehen jetzt in der Kritik?

    Grundsätzlich gibt es derzeit einen Verdacht gegen alle 19 Banken, die ihre Zinssätze der BBA mitteilen. Barclays hat die Manipulationen bereits zugegeben, ermittelt wird des Weiteren gegen die Royal Bank of Scotland, die Deutsche Bank, die HSBC, die UBS, Citigroup und Lloyds.

Die Bank habe mit den zuständigen Wettbewerbsbehörden im Zusammenhang mit dem Verdacht auf Zinsmanipulationen bei Yen und Franken kooperiert und „bedingte Milde“ zugesichert bekommen. Hinweise, dass UBS-Händler an Libor-Manipulationen in anderen Währungen beteiligt seien, habe die Bank bei ihren internen Untersuchungen nicht gefunden.

Aus verschiedenen Dokumenten, die die Nachrichtenagentur Reuters einsehen konnte, geht hervor, dass neben Barclays-Händlern auch Mitarbeiter der britische Royal Bank of Scotland sowie der UBS eine zentrale Rolle in dem Skandal spielten. Barclays hat als erstes Geldhaus ein Fehlverhalten eingeräumt. Mit den Aufsichtsbehörden aus Großbritannien und den USA einigte sich die britische Bank auf eine Strafzahlung von knapp einer halben Milliarde Dollar. Ob sich UBS auf eine Buße einstellt, wollte Finanzchef Naratil nicht sagen. „Wir haben ausreichend Rückstellungen für alle erkennbaren Problembereiche einschließlich der Libor-Frage vorgenommen“, erklärte er, ohne auf Einzelheiten einzugehen.

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