Bild: REUTERSBRIC-Staaten: Die Globalisierung hat Brasilien, Russland, Indien und China ein rasantes Wachstum ermöglicht. Doch die Staaten haben bei ihrem Sprung in neue Sphären des Wohlstands auch Schwierigkeiten und Probleme erdulden müssen. Die sind in den Schwellenländer jedoch recht unterschiedlich gelagert.
Im Bild: Die Skyline der Millionen-Metropole Shanghai, China.
Bild: dapdBrasilien: Der Konsumhunger der neuen, auftstrebenden Mittelschicht ist der Garant für künftigen Wohlstand. Es gibt viel Nachholbedarf in puncto Konsumgüter. Forbes listet 30 brasilianische Milliardäre für das Jahr 2011 auf - die höchste Dichte auf dem südamerikanischen Kontinent und damit Platz acht im weltweiten Vergleich. Doch der Konsum hat auch seine Tücken. Die Verbraucher werden nach Berechnungen der Brasilianischen Zentralbank bald 28 Prozent ihres Einkommens für Schuldentilgung ausgeben müssen. Etwa 28 Millionen Bürger der 195 Millionen Brasilianer haben mehr als 3000 Dollar Schulden.
Im Bild: Leute gehen auf den Straßen von Sao Paulo, Brasilien einkaufen.
Bild: dpaDass die Brasilianer nun ihren Konsumhunger stillen wollen, hängt auch mit einem stetigen Wirtschaftswachstum zusammen. 2010 wuchs das BIP des südamerikanische Landes nach Angaben des IWF um 7,49 Prozent. Betrug das BIP im Jahr 2001 noch knapp 500 Milliarden Euro, so kann Brasilien zehn Jahre später mit dem fünffachen rechnen. Der gigantische, blau-gelbe Sprung nach vorne hat den Energiehunger des Landes in die Höhe getrieben. Brasilien, das bisher gut mit der heimischen Spritproduktion aus Rohrzucker auskam, baut neue Kraftwerke, egal ob konventionell oder aus erneuerbaren Energien. Brasilien zieht hinaus aufs Meer, um in Tiefen von bis zu 5000 Metern neue Erdölfelder anzuzapfen.
Im Bild: Der ehemalige brasilianische Präsident Lula da Silva mit ölverschmierten Händen auf einer Ölplattform vor Bacia De Campos.
Bild: dapdIndien befindet sich laut einer Studie der Weltbank zu den Rahmenbedingungen für unternehmerische Tätigkeiten nur auf Platz 132. Genehmigungen, Kredite bekommen, Vertragseinhaltung - alles ist auf dem Subkontinent mit erheblichen Aufwand und Unsicherheiten verbunden. Hinzu kommt Korruption, eines der größten Probleme für das Land. Transparency International listete Indien im Jahr 1999 noch auf Patz 72, elf Jahre später ist das Land auf Platz 87 im Korruptionsindex abgerutscht. Nicht nur für die ausländischen Unternehmen ist Korruption ein Ärgernis, weil sie stets fürchten müssen, dass Verträge nicht eingehalten werden. Korrupte Beamte und Politiker sind auch eine enormes Problem für die mittleren und unteren Schichten, denen schlicht das Geld zur Bestechung fehlt. Um öffentliche Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen, die den Bürgern per Gesetz zustehen, müssen laut Transparency International mindestens 50 Prozent ihrer Befragten Bestechungsgelder zahlen.
Der volkswirtschaftliche Schaden ist immens. Analysten gehen davon aus, dass die Direktinvestitionen in Indien um ungefähr 31 Prozent zurückgegangen sind und aus dem indischen Aktienmarkt etwa 1,4 Milliarden Euro abgezogen worden sind. Besonders brisant: nach einer Studie der Washingtoner Global Financial Integrity Organisation leitete die Liberalisierung und Markt-Deregulierung im Jahr 1991 die Hochzeit der Korruption und des illegalen Geldtransfers ein.
Im Bild: Der Antikorruptions-Aktivist, Anna Hazare, im August 2011 in Neu Delhi. Hazare ging für zwölf Tage in einen Hungerstreik, um gegen die grassierende Korruption seines Landes zu protestieren. Tausende Sympathisanten unterstützen den Aktivisten bis zum Schluss seiner Aktion.
Bild: APAuch das wirtschaftliche Wachstum war in den letzten Jahren sehr hoch. 2010 wuchs das Land noch um 10,1 Prozent. Die rasante wirtschaftliche Entwicklung ist allerdings auch ein Problem: sie stößt in Indien auf eine alte Infrastruktur, die gemessen am rasanten Wachtstum des Landes deutlich hinterherhinkt.
Im Bild: Verkehrsstau auf dem Delhi-Gurgaon Expressway, in Neu Delhi, Indien.
Bild: REUTERSChina: Die chinesischen Unternehmen setzen zur weltweiten Expansion an. Nach Angaben der WTO exportiert China mittlerweile Waren im Wert von etwa 1.578 Milliarden Euro. In vielen Industriebranchen hat sich das Reich der Mitte von einem Markteinsteiger zum Marktführer gemausert. So auch in der Textilindustrie, in der chinesische Anbieter mittlerweile weltweit die Konkurrenz das Fürchten lehrt. Einige Staaten wie die USA versuchen mit Importbeschränkungen für chinesische Textilien dagegen zu halten.
Im Bild: eine Fabrikarbeiterin in einer Textilfabrik aus der Provinz Anhui, China.
Bild: REUTERSZu einem großen Problem in China entwickelt sich die Inflationsrate. Sie hat dieses Jahr mit 6,5 Prozent ein Drei-Jahres-Hoch erreicht. Vor allem Nahrungsmittel werden immer teurer. Die Wirtschaft, die 2011 voraussichtlich um 9,47 Prozent wachsen wird, bekommt die Preissteigerungen nicht in den Griff. Die ärmeren Bevölkerungsschichten leiden.
Im Bild: Eine Eierverkäuferin schläft an ihrem Marktstand in Jiaxing, Zhejiang Provinz.
Bild: dapdRussland: Mitte September 2011 fiel an den Märkten der Rubelkurs. Die Ursache: der weltweite Ölpreis befand sich zu diesem Zeitpunkt auf Talfahrt. Die russische Währung verlor damit an Wert. Schlecht für Russland. Denn das Wohlergehen des Riesenreichs ist stark von den Exporten seines Erdöls abhängig. Russland verfügt über 25,2 Prozent der Weltgasreserven und ein Viertel des kostbaren Rohstoffs gehen nach Europa. Die große Abhängigkeit vom Rohstoffexport macht das Bruttoinlandsprodukt (BIP) so zum Spielball der Rohstoffmärkte: im Krisenjahr schrumpfte die russische Wirtschaftsleistung so um 7,8 Prozent. Das Riesenreich hat sich davon bis heute nicht ganz erholt - schwankte das Wachstum Mitte der Nullerjahre noch zwischen fünf und acht Prozent, hat sich das BIP nach 2009 bei knapp vier Prozent eingependelt. Der Grund laut Analysten: die Abhängigkeit vom Ölpreis.
Im Bild: Frauen laufen in Moskau an einer Wechselstube vorbei.
Bild: dpa/dpawebAndererseits: die Erdöl- und Gasexporte haben Russland vom europäischen Sorgenkind aus den Neunzigern zu dem großen Wachstumsmarkt von heute gemacht. Deutschland ist ein dankbarer Abnehmer des russischen Erdgases - die neue Pipeline Nord Stream führt von Russland direkt über die Ostsee nach Deutschland.
Im Bild: Eine Gaspipeline des deutsch-russischen Joint Ventures Achimgaz in Russland.
Bild: ReutersRussland pflegt zwar gute, wirtschaftliche Beziehungen mit seinem Partner Deutschland. Doch das russische Erdgas sollen auch die chinesischen Nachbarn zugeliefert bekommen. Beide Länder stehen kurz vor dem Abschluss eines bedeutenden Gasliefervertrags.
Im Bild: Chinas Premierminister Wen Jiabao und Premierminister Vladimir Putin auf dem offiziellen Staatsbesuch in Peking, im Oktober 2011, bei dem die Details zu dem Liefervertrag ausgehandelt wurden.
BRIC-Staaten: Die Globalisierung hat Brasilien, Russland, Indien und China ein rasantes Wachstum ermöglicht. Doch die Staaten haben bei ihrem Sprung in neue Sphären des Wohlstands auch Schwierigkeiten und Probleme erdulden müssen. Die sind in den Schwellenländer jedoch recht unterschiedlich gelagert.
Im Bild: Die Skyline der Millionen-Metropole Shanghai, China.
Russland stark dank Rohstoffen
Größter Favorit von Mobius ist derzeit allerdings Russland. Dabei zieht er vor allem die Bewertung heran, die mit einem durchschnittlichen KGV von unter 5 deutlich unterhalb derer der westlichen Nachbarn liegt. Hinzu kommen die Devisenreserven, welche zurzeit die dritthöchsten der Welt sind. Sie ermöglichten Russland, „jedwedem externen Schock standzuhalten“. Zudem überzeugen die Rohstoffvorkommen den Investmentguru: „Bei Russland-Investitionen können wir von steigenden Rohstoffpreisen profitieren.“
Viele der Rohstoffunternehmen des Landes könnten auch global betrachtet besonders kostengünstig produzieren. Unter einem bestimmten Aspekt sieht Mobius Russland sogar als Nutznießer der aktuellen Probleme der westlichen Volkswirtschaften. So sorgten die Aktivitäten der Notenbanken für Auftrieb, da die quantitative Lockerung Liquidität in die Rohstoffmärkte fließen lasse.
Krise ohne Einfluss
Grundsätzlich haben die Auswirkungen der aktuellen Schuldenkrise in Europa nach Mobius‘ Ansicht nur bedingten Einfluss auf die Schwellenländer: „Die Banken in europäischen Schwellenländern verfügen über kein ausgeprägtes Engagement in jenen Ländern der Eurozone.“ Zudem spielten die Querelen in Griechenland und Spanien für die Exporte der meisten Unternehmen in den erwähnten Ländern „keine wesentliche Rolle“.
Fehlende Kenntnis sorgt für Desinteresse
Einige Fachleute sind sich zwar sicher, dass der Umfang direkter Investitionen in Schwellenländer künftig zunehmen werde. So äußerte sich Goldman-Sachs-Experte Jim O'Neill, der das Kürzel BRIC (steht für Brasilien, Russland, Indien und China) kreiert hat, jüngst in der „Welt“: „Vor allem aus Bewertungsgründen ist es derzeit der beste Weg, direkt in Schwellenländer und Wachstumsmärkte zu investieren, anstatt indirekt daran teilhaben zu wollen.“
Dass sich westliche Anleger dennoch bislang nur in geringem Umfang in den osteuropäischen Schwellenländern engagieren, liegt für Mark Mobius an der fehlenden Kenntnis der Investoren über diese Märkte. Viele ausländische Investoren seien sich des Entwicklungsstandes der Kapitalmärkte in diesen Regionen nicht bewusst. „Manche Investoren halten sie für unfreundlich und intransparent. Tatsächlich aber sind sie gut etabliert und verfügen über einen angemessenen rechtlichen Rahmen.“
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