"Sell in May and go away": Die Börsenweisheit gilt 2015 nicht

"Sell in May and go away": Die Börsenweisheit gilt 2015 nicht

von Saskia Littmann

Jedes Jahr vor dem Sommer ertönt die Börsenweisheit "Sell in May and go away". Warum Anleger damit in diesem Jahr falsch liegen.

Mit Börsenweisheiten ist das so eine Sache. Sie mögen ein Indiz für mögliche Kursbewegungen liefern, mehr aber auch nicht. Das zeigt sich auch in diesem Jahr. Pünktlich vor Beginn des Sommers tönt es aus allen Ecken: „Sell in May and go away... but remember to come back in September”. Aber wäre das wirklich klug?

Zu wörtlich sollten Anleger das Sprichwort nicht nehmen. Ursprünglich basiert es auf der Annahme, dass die Kurse in den Sommermonaten im Vergleich zum Rest des Jahres deutlich volatiler sind. Händler und Privatanleger genießen das gute Wetter, das Handelsvolumen sinkt, einzelne Ausreißer fallen dadurch stärker ins Gewicht.

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Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

  • Eigene Strategie festlegen

    Gegen die größer werdenden Unwägbarkeiten sollte man sich zuallererst mit einer Strategie wappnen: Wer an kräftiges Wachstum in Deutschland glaubt, an einen anhaltenden Boom der Schwellenländer und hohen privaten Konsum, kann weiter am Aktienmarkt investieren. Wer skeptisch ist, sollte seine Bestände hingegen nicht aufstocken.

  • Widerstandskraft zeigen

    Eng verbunden mit der ersten Regel: Immer wieder kommt es vor, dass sich Dinge anders entwickeln, als man erwartet hat. Es ist wichtig, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und nicht jeder Entwicklung hinterherzulaufen. Eine solche Reaktion zeugt nicht von einem geringen Vertrauen in die eigene Strategie. Es kostet meist auch Geld, weil die Masse schon vorher diese Richtung eingeschlagen und das Gros an Rendite eingefahren hat.

  • Richtig mischen

    Groß oder klein, spekulativ oder konservativ, liquide oder illiquide, dividendenstark oder dividendenschwach, Substanz oder Wachstum: Bei Aktien ist die Auswahl riesig. Der richtige Mix aus spekulativen und konservativen Titeln hilft, Schwankungen zwischen guten und schlechten Zeiten auszugleichen. Nicht zu unterschätzen sind starke Dividendenzahler, die Jahr für Jahr den Grundstock für eine solide Rendite legen.

  • Barrieren einbauen

    Keine Frage, die Börsen haben in den vergangenen zehn Jahren stärker geschwankt als in allen Dekaden zuvor. Das wird so bleiben, mit wachsendem Computerhandel sogar noch zunehmen. Wer sein Risiko minimieren will, baut Barrieren ein – sogenannte Stopps. Gerne werden Stopps bei 20 Prozent über und unterhalb des aktuellen Kurses gewählt. Dann wird automatisch verkauft, wenn diese Grenzen erreicht sind. Kommt eine Phase überraschend steigender Kurse mit anhaltendem Aufwärtstrend, lässt sich die Barriere leicht nach oben verschieben. Wichtig ist dann, auch die Barriere am unteren Ende nachzuziehen.

  • Herdentrieb beobachten

    Wichtig in Phasen überraschender Kurssteigerungen oder -stürze ist es, das Verhalten der Masse zu beobachten. Ist es noch nachvollziehbar oder völlig irrational? Häufig ist es irrational. Dann hilft meist die zweite Regel: Widerstandskraft zeigen. Nach einigen Monaten kehrt die Rationalität von ganz allein zurück. Der Kurssturz aus dem vergangenen Jahr und die jüngste Entwicklung beweisen das gerade wieder.

  • Risiko rausnehmen

    Sind Aktien wie seit Jahresbeginn schon um 30, 40 oder gar 50 Prozent gestiegen, dann sind Anschlussgewinne in der Regel nur noch schwer zu erzielen. Phrasenverdächtig ist zwar die alte Weisheit: „An Gewinnmitnahmen ist noch niemand zugrunde gegangen.“ Richtig ist sie trotzdem.

  • Insidern folgen

    Firmenchefs haben einen gewaltigen Vorteil gegenüber normalen Aktionären. Sie wissen weit mehr als jeder Analyst oder Kommentator, wie es in ihrem Unternehmen aussieht. Insider nennt man sie deshalb. Sie melden ihre Orders innerhalb von fünf Handelstagen an die Börsenaufsicht Bafin. Das Handelsblatt veröffentlicht alle zwei Wochen das sogenannte Insider-Barometer, das aus der Summe aller Kauf- und Verkaufsorders Schlüsse für den weiteren Verlauf in Dax & Co. zieht. Jüngste Tendenz: Vorstände und Aufsichtsräte verkaufen mehr als sie kaufen. Vorsicht also!

  • Geopolitische Ereignisse beachten

    Terroranschläge und Naturkatastrophen kommen unerwartet. Politische Konflikte wie aktuell zwischen Israel und dem Iran schwelen meist länger. Entscheidende Wahlen wie jüngst in Russland und in diesem Jahr noch in Frankreich und den USA sind vorhersehbar und haben immer Einfluss auf die Börse. Dabei gilt generell: Wahljahre sind gute Börsenjahre.

  • Auf reale Werte setzen

    Mit Optionsscheinen oder Bonus-Zertifikaten lässt sich zwar aus einem Aufwärtstrend ein noch größerer Profit schlagen. Dies sind jedoch in der Regel Wetten ohne realen Hintergrund. Aktien sind reale Werte.

  • Moden misstrauen

    Vor allem Aktien einzelner Branchen unterliegen immer wieder gewissen Moden. Doch die wechseln wie im realen Leben, und manchmal geht das schneller, als man denkt. Das bekommt gerade die einst angesehene Solarenergie-Branche bitter zu spüren.

Gerade der September gilt historisch als schlechter Börsenmonat. Allerdings haben Sonderereignisse durch Verzerrung einen erheblichen Teil dazu beigetragen – unter anderem die Terroranschläge am 11. September 2001 und die Lehman-Pleite 2008.

„Es gibt gute Börsenweisheiten“, sagt Michael Piesche von der Vermögensverwaltung Unikat. Wer allerdings jede davon als Anlass für Handel nehme, der käme aus dem Handeln gar nicht mehr heraus. Zudem, mahnt Piesche, sei es gerade in den letzten Jahren ab Juli oft zu nicht unerheblichen Gewinnen gekommen.

Ein solches Hoch erwartet auch Robert Rethfeld von Wellenreiter Invest ab Mitte Juni. Deswegen sollten Anleger die Ansage „sell in May“ lieber nicht allzu wörtlich nehmen. Ratsamer seien Gewinnmitnahmen bei Kurssprüngen.

Ein kompletter Ausstieg aus Aktien ist für Analysten dagegen gar nicht ratsam, angesichts der niedrigen Zinsen fehlt es weiter an möglichen Anlagealternativen.

Ein gutes hat die Börsenweisheit allerdings: sie lenkt die Aufmerksamkeit der Anleger auf mögliche schwankende Kurse. Denn Risikofaktoren wie die unsichere Zukunft Griechenlands, eine mögliche Zinswende in den USA oder die schwelende Ukraine-Krise gibt es durchaus.

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Wer aber die Kurse im Blick hat und rechtzeitig reagieren kann beziehungsweise die richtigen Absicherungsmaßnahmen trifft, der sollte mittelfristig von den positiven Kursfaktoren profitieren. Dazu gehört nicht nur das Geld aus dem Anleihekaufprogramm der EZB, sondern auch der niedrige Ölpreis und der schwache Euro.

Fazit: angesichts der Höchststände an den Börsen müssen Anleger wachsam sein wie nie. Gewinnmitnahmen können Sinn machen, ein Ausstieg ist aber nicht angebracht.

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