Silicon Valley: Die Angst vor der Blase wächst

Silicon Valley: Die Angst vor der Blase wächst

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Uber, Airbnb, SpaceX, Pinterest und Dropbox zählen zu den wertvollsten Startups.

von Stefan Hajek und Matthias Hohensee

Investoren bewerten junge Internetfirmen wie Uber oder Airbnb höher als Dax-Konzerne. Gewinn bleiben die meisten noch schuldig. In Kalifornien wächst die Furcht vor einer Internetblase.

Nach 20 Minuten wird es dem jungen Mann zu dumm. Man habe nun „lange genug gewartet auf den blöden Bus“, teilt er seiner Begleiterin mit. „Let’s uber to that place.“ Er zückt sein Handy, wischt kurz darauf herum; zwei Minuten später rollt ein schwarzer VW Passat aus der Dunkelheit. Der Fahrer betätigt die Lichthupe, die beiden steigen ein. Wenig später wird das Start-up Uber den Fahrpreis von seiner Kreditkarte abbuchen; wenn er Lust und Zeit hat, wird er dem Fahrer eine Bewertung geben. „Ubern“ ist in Kalifornien ein gebräuchliches Verb, wie „googeln“. Der Fahrdienst hat die Taxibranche komplett überrollt, man sieht kaum noch Taxis in San Francisco, San Diego oder Los Angeles.

Uber ist damit ein Game Changer: ein Unternehmen mit dem theoretischen Potenzial, eine ganze Branche zu revolutionieren. Und mit dem Potenzial, seine frühen Investoren sehr reich zu machen. Die Uber-Gründer verkauften im Juli zwei Prozent ihrer Mitfahr-App für mehr als eine Milliarde US-Dollar, was die Bewertung auf 51 Milliarden Dollar hob; Uber ist gerade mal drei Jahre am Markt. Gewinne hat es seitdem nicht erwirtschaftet.

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Unicorns schreiben keine Gewinne

Eine einmalige Geschichte? Nicht im Silicon Valley dieser Tage. Dort, wo man aus Träumen Zukunft formt – und auch sehr viel Geld. 133 Unicorns sehen Investoren derzeit weltweit, die allermeisten davon im Silicon Valley. Unicorns, das sind Start-ups, die jeweils mehr als eine Milliarde Dollar wert sein sollen; ein Wort übrigens, das es noch vor drei Jahren gar nicht gab, einfach weil das Phänomen so selten war. Die bekanntesten sind neben Uber die Bettentauschbörse Airbnb, der Speicherdienst Dropbox und der Büroraumvermittler WeWork. Was sie, neben der Milliardenbewertung, noch gemein haben: Sie verraten keinen Umsatz und schreiben keine Gewinne.

Die wertvollsten Start-ups der Welt

  • Platz 10: WeWork

    Wert: 10 Milliarden Dollar

    Branche: Büro-Vermietung

    Herkunft: USA

  • Platz 10: LuFax

    Wert: 10 Milliarden Dollar

    Branche: Fin-Tech

    Herkunft: China

  • Platz 10: Dropbox

    Wert: 10 Milliarden Dollar

    Branche: Cloud-Software

    Herkunft: USA

  • Platz 9: Pinterest

    Wert: 11 Milliarden Dollar

    Branche: Kommunikation

    Herkunft: USA

  • Platz 8: SpaceX

    Wert: 12 Milliarden Dollar

    Branche: Raumfahrt

    Herkunft: USA

  • Platz 6: Didi Kuaidi

    Wert: 15 Milliarden Dollar

    Branche: Fahrdienste

    Herkunft: China

  • Platz 6: Flipkart

    Wert: 15 Milliarden Dollar

    Branche: E-Commerce

    Herkunft: Indien

  • Platz 5: Snapchat

    Wert: 17 Milliarden Dollar

    Branche: Kommunikation

    Herkunft: USA

  • Platz 4: Palantir

    Wert: 21 Milliarden Dollar

    Branche: Software

    Herkunft: USA

  • Platz 3: Airbnb

    Wert: 26 Milliarden Dollar

    Branche: Reisen

    Herkunft: USA

  • Platz 2: Xaiomi

    Wert: 46 Milliarden Dollar

    Branche: IT-Hardware

    Herkunft: China

  • Platz 1: Uber

    Wert: 51 Milliarden Dollar

    Branche: Fahrdienste

    Herkunft: USA

Die großen Risikokapitalfirmen – also Investoren, deren Geschäftsmodell das Anschubfinanzieren und Weiterverkaufen mit möglichst hohem Gewinn ist – aus Palo Alto, Menlo Park und San Francisco fluten die Stars unter den Start-ups mit Geld; branchenfremde Geldgeber wie Pensionskassen und Hedgefonds springen auf. Zum ersten Mal seit 2008 fließt derzeit mehr neues Geld in Start-ups, als bei Verkäufen oder Börsengängen erlöst wird. Das aber zehrt am Geschäftsmodell: Wenn immer mehr Geld in die Unternehmen fließt, aber immer weniger erlöst wird, stimmt der Verdienst nicht mehr. Das klassische Merkmal einer Blase.

Angst vor der Blase

Noch haben zwar weder die Zahl der Deals noch die in Start-ups investierte Summe die Rekordwerte von 2000 erreicht, als rund 105 Milliarden Dollar vorbörslich in junge US-Firmen flossen. Anders als damals aber konzentriert sich das Geld dieses Mal auf einige wenige Start-ups, während damals breit gestreut wurde. Und: Seit Jahresbeginn investieren Risikokapitalgeber mit 43 Milliarden Dollar 207 Prozent mehr als 2010, und das starke vierte Quartal steht noch aus.

Auf einer Risikokapitalkonferenz Anfang Oktober fiel das Wort „Bubble“ öfter als „Unicorn“. Starinvestor Michael Fritz nannte gerade „viele der Unicorns sub-prime“, also minderwertig. „Wir laufen in eine neue Techblase“, sagt Tim Chang von Mayfield, einem der großen Techinvestoren. Der Lackmustest dürfte noch in diesem Herbst erfolgen, wenn der Smartphone-Bezahldienst Square nicht die avisierten 2,5 Milliarden Dollar einspielt. Die Schockwellen wären weit über Kalifornien hinaus spürbar.

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