
Spanien hat sich kurz vor einem Antrag auf EU-Bankenrettungshilfen zu weit höheren Kosten als zuletzt mit frischem Geld eingedeckt. Bei einer Auktion von Anleihen mittlerer Laufzeit nahm das klamme Land am Donnerstag rund 2,2 Milliarden Euro ein - 200 Millionen mehr als veranschlagt. Die Papiere mit den Fälligkeiten 2014, 2015 und 2017 waren jeweils mehr als dreifach überzeichnet.
Die Rendite der Bundesanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren lag zuletzt drei Basispunkte niedriger bei 1,58 Prozent. Der Terminkontrakt Bund-Future stieg um 36 Basispunkte auf 140,84 Prozent. Die Bund-Rendite hatte sich innerhalb von zwei Tagen um 20 Basispunkte erhöht und war am Mittwoch bis auf 1,64 Prozent geklettert.
Spanien hat zweijährige Papiere mit einer durchschnittlichen Rendite von 4,706 Prozent gegenüber 2,069 Prozent bei der vorhergehenden Auktion im März am Markt untergebracht. Die durchschnittliche Rendite der dreijährigen Papiere lag bei 5,547 Prozent gegenüber zur 4,876 Prozent. Die vierjährigen Anleihen kamen mit einer durchschnittlichen Rendite von 6,072 Prozent im Vergleich zu 4,96 Prozent an den Markt.
Im Vorfeld der Auktion waren die Renditen der spanischen Anleihen gesunken und behielten diese Tendenz auch danach bei. Die Rendite der zehnjährigen Spanien-Bonds lag zuletzt acht Basispunkte tiefer bei 6,62 Prozent. Die kritische Marke von 7,0 Prozent hatten die Bonds am Mittwoch hinter sich gelassen. Am Dienstag war die Rendite zeitweise bis auf 7,19 Prozent geklettert und erreichte damit einen Rekordwert für die Zeit seit der Euro-Einführung.
Spanien hat sich mit einem Hilferuf für seine marode Banken an Brüssel gewandt. Noch im Lauf des Tages wurde ein offizieller Antrag auf Milliardenhilfen aus dem Euro-Rettungsfonds EFSF erwartet. Die Regierung wartete dazu einen Bericht von Beratungsunternehmen zur Höhe der Kapitallücke ab. Die Eurogruppe hatte Spanien vor kurzem bereits eine Unterstützung von bis zu 100 Milliarden Euro zugesagt. Das Geld aus diesem sogenannten kleinen Rettungsschirm soll ausschließlich zur Stützung von Banken verwendet werden. Die konservative Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy will trotz der massiv gestiegenen Refinanzierungskosten die Schuldenkrise mit eigenen Kräften meistern und nicht unter den großen Rettungsschirm für Staaten schlüpfen, unter den bereits das Nachbarland Portugal flüchten musste.
Auch Frankreich platziert Anleihen
Frankreich ist ebenfalls am Markt aufgetreten und hat Anleihen mit Fälligkeit 2014, 2015,2016 und 2017 platziert. Das angestrebte Maximalvolumen von 8,50 Mrd. Euro wurde mit 8,432 Mrd. Euro nicht ganz erreicht. Die Renditen waren jeweils niedriger als bei den vorhergehenden Auktionen. Bei den zehnjährigen französischen Staatspapieren lag die Rendite zuletzt zwei Basispunkte niedriger bei 2,65 Prozent.
Am Markt für US-Staatsanleihen sind die Kurse ebenfalls gesunken. Die Rendite der zehnjährigen Treasuries lag zuletzt einen Basispunkt niedriger bei 1,65 Prozent. Die US-Notenbank Federal Reserve hatte am Vorabend die sogenannte Operation Twist bis Ende des Jahres verlängert. Mit diesem Programm verlängert die FED die durchschnittliche Laufzeit ihrer Anleihebestände, in dem sie Papiere mit kürzeren Laufzeiten verkauft und solche mit längeren Laufzeiten kauft. Das Volumen beträgt 267 Mrd. Dollar.
Notenbankchef Ben S. Bernanke signalisierte zudem weitere Maßnahmen, sollte sich die Lage am Arbeitsmarkt nicht verbessern. Die Fed senkte ihre Wachstumsprognose für die USA in diesem Jahr. Sie geht nun von einem Wachstum in der Bandbreite von 1,9 bis 2,4 Prozent aus, gegenüber 2,4 bis 2,9 Prozent in der Prognose vom April.























