
Das riecht förmlich nach Trendwende an den Finanzmärkten: Mit deutlichen Kursgewinnen haben die europäischen Börsen auf die angekündigten Hilfskredite für die spanischen Banken reagiert. Die Benchmark für den Euroraum, der Finanztitel-lastige Euro Stoxx 50, legte 1,6 Prozent zu auf 2.315 Punkte zu. Der Frankfurter Börsenindex Dax festigte sich um 2,2 Prozent und mit 6.264 Punkten wieder deutlich oberhalb der psychologisch wichtigen 6.000-Punkte-Marke. Selbst der Schweizer SMI gewann 1,1 Prozent.
Auch wenn im Tagesverlauf die Kursgewinne langsam wieder dahin bröckelten: Bankenwerte waren nach den angekündigten Hilfsgeldern für spanische Banken bei Anlegern gefragt. An der Börse Madrid schnellten die Titel der in Schieflage geratenen Bankengruppe Bankia um 16,6 Prozent nach oben. Und die Titel der spanischen Großbank Banco Bilbao Vizcaya Argentaria (BBVA) etwa stiegen um 6,3 Prozent. In Frankfurt freuten sich Aktionäre der Commerzbank und der Deutschen Bank über ein Kursplus von etwa vier Prozent.
Die Titel der Schweizer Großbanken UBS AG und Credit Suisse Group AG verteuerten sich zwischen zwei und drei Prozent.
Europas Banken: Pleiteaktien oder Riesenchance für Anleger?
Die Deutsche Bank gehört in der Euro-Krise zu den "Top Picks" der Branche, sagen die Analysten von Kepler. Das größte deutsche Geldhaus hat den Vorteil, nur wenige spanischen Anleihen und Kredite in der Bilanz zu haben. Die Experten empfehlen daher die Aktien des Finanzinstituts zum Kauf. Dennoch ist Vorsicht geboten: Sollte sich die europäische Bankenkrise weiter zuspitzen, dann wird sich die Deutsche Bank einer damit einhergehenden Abwärtsdynamik der Branche nicht entziehen können. Vermutlich lohnt es sich, noch etwas abzuwarten.
Kursentwicklung (seit Jahresanfang): - 6,0 Prozent
Texte: Jessica Schwarzer
Im letzten Jahr waren die Aktien der Commerzbank die schwächsten Dax-Titel. Sie verloren über 70 Prozent. 2012 ging es dann kräftig nach oben. Doch die Papiere der zweitgrößten Bank Deutschlands bleiben spekulativ. Daher hat die Citigroup ihre Einstufung für die Commerzbank auf "neutral" belassen. Ohne eine weitere Eskalation der Schuldenkrise in der Eurozone böten die Papiere der Bank langfristig durchaus Wertpotenzial, schrieb Analyst Andrew Coombs in einer aktuellen Studie. Doch derzeit sieht es eher nach einer weiteren Zuspitzung als nach einer Entspannung der Krise aus. Die größte Gefahr gehe bei der Commerzbank von der Hypothekentochter Eurohypo aus.
Kursentwicklung (seit Jahresanfang): + 3,2 Prozent
Spaniens größte Bank, die Banco Santander, verliert im Strudel der Euro-Krise immer mehr an Wert. Vor allem die angespannte Wirtschaftslage im eigenen Land macht die Aktien der Banco Santander zu einer riskanten Geldanlage. Die Ratingagentur Fitch senkte ihre Bewertung von "AA-" auf "A". Dennoch sehen die Analysten von Kepler großes Aufholpotenzial für die Bank. Vor allem mit den Hilfsmilliarden des Euro-Rettungsschirm könnte sich die Banco Santander wieder erholen. Doch der Kauf der Aktien der Bank ist mit großen Risiken verbunden. Denn mit den Geldern sind die Probleme nicht gelöst, sondern höchstens aufgeschoben.
Kursentwicklung (seit Jahresanfang): - 18,2 Prozent
Am härtesten von allen spanischen Banken hat es die Sparkassengruppe Bankia erwischt. Sie musste im Mai eine Finanzspritze in Höhe von 19 Milliarden Euro vom Staat in Anspruch nehmen, wodurch die spanische Staat nun mit 45 Prozent bei der Bank investiert ist. Die Bank musste sich im Gegenzug zu den Hilfsgeldern der spanischen Kontrolle unterstellen. Schaut man auf die Bilanz des laufenden Jahres kann man kein gutes Wort über die Bankia verlieren.
Kursentwicklung (seit Jahresanfang): - 71,1 Prozent
In Zukunft werden die meisten Anleger die Aktien der Banco Popular wohl meiden. Die kritische Lage der spanischen Wirtschaft spitz sich immer weiter zu und die EBA-Richtlinien rücken immer näher. Der europäische Bankenstresstest ließ schon erahnen, dass es nicht gut steht um das spanische Finanzinstitut. Auch das Rating der Banco Popular malt ein düsteres Bild. Derzeit wird die Bank von der Ratingagentur Standard & Poor's mit "BBB+" bewertet.
Kursentwicklung (seit Jahresanfang): - 51,9 Prozent
Die spanische Banco Sabadell nutzte, wie die Banco Popular, das Geld der beiden Tender der Europäischen Zentralbank um teure, unabgesicherte Banken- und Staatsanleihen zu ersetzen. Genutzt hat es der Bank jedoch kaum etwas. Seit Jahresanfang geht es bei den Aktien der Banco Sabadell bergab.
Kursentwicklung (seit Jahresanfang): - 54,4 Prozent
Die französische Bank BNP Paribas fiel im Vergleich zu seinen europäischen Konkurrent zurück. Die Bank hat deutliche Abschläge hinnehmen müssen, da sie ein großes Engagement in Griechenland betreibt. Die französischen Parlamentswahlen sorgten ebenfalls für weitere Verluste. Analysten äußern sich verhalten über die zukünftige Entwicklung der Aktie. Die Experten der Citigroup gehen davon aus, dass sich die eintrübende Wirtschaft in Frankreich negativ auf die Aktien der BNP Paribas auswirken wird.
Kursentwicklung (seit Jahresanfang): - 9,3 Prozent
Das Analysehaus S&P Equity hat das Kursziel für Societe Generale von 23,00 auf 20,00 Euro gesenkt und die Einstufung auf "hold" belassen. Insbesondere die Krise in Griechenland bereitet der französischen Bank große Probleme. Denn die Bank ist im Krisenland in der griechischen Bank Geniki investiert. Auch das in jüngster Zeit gut laufende Investmentbanking scheint nicht mehr so viel abzuwerfen.
Kursentwicklung (seit Jahresanfang): + 0,3 Prozent
Auch die französische Credit Agricole hat jede Menge Griechenland-Anleihen in ihren Büchern, die auf die Zahlen schlagen. Deshalb haben die Experten von S&P Equity Research das Kursziel von 3,00 auf 2,90 Euro gesenkt und empfehlen die Aktie zum Verkauf. Wegen der erneuten Eskalation der Eurokrise habe er seine Ergebnisprognosen für die Jahre 2013 und 2014 um 1 bis 2 Prozent reduziert, schrieb Analyst Jawahar Hingorani in einer Studie. Auch die fallenden Immobilienpreise in Frankreich stellten ein Risiko dar und könnten zu zusätzlichen Abschreibungen führen. Die vergleichsweise hohe Verschuldung der Bank mache wohl weitere Verkäufe von Vermögenswerten notwendig.
Kursentwicklung (seit Jahresanfang): - 69,2 Prozent
Die italienische Unicredit gehörte zu den Verlieren. Während die Aktien der Wettbewerber stiegen, stürzten die Aktien der Unicredit von 6,50 Euro auf 2,30 Euro ab. Eine Kapitalerhöhung führte zur Verwässerung des Aktienkurses. Spannend wird sein, ob Unicredit in der Lage sein wird, die zukünftig gültigen EBA-Richtlinien für europäische Banken einzuhalten. Die Analysten des japanischen Analysehauses Nomura jedenfalls sehen die Bank auf einem guten Weg. Seit der abgeschlossenen Kapitalerhöhung sei der Spielraum für positive Überraschungen groß, so die Experten. Die angespannte Lage an den europäischen Finanzmärkten könnte jedoch für einen Dämpfer sorgen.
Kursentwicklung (seit Jahresanfang): - 58,0 Prozent
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Die Deutsche Bank gehört in der Euro-Krise zu den "Top Picks" der Branche, sagen die Analysten von Kepler. Das größte deutsche Geldhaus hat den Vorteil, nur wenige spanischen Anleihen und Kredite in der Bilanz zu haben. Die Experten empfehlen daher die Aktien des Finanzinstituts zum Kauf. Dennoch ist Vorsicht geboten: Sollte sich die europäische Bankenkrise weiter zuspitzen, dann wird sich die Deutsche Bank einer damit einhergehenden Abwärtsdynamik der Branche nicht entziehen können. Vermutlich lohnt es sich, noch etwas abzuwarten.
Kursentwicklung (seit Jahresanfang): - 6,0 Prozent
Texte: Jessica Schwarzer
Sorgenkinder an Europas Börsen
Bankenaktien gehören nun schon seit der Verschärfung der Finanzkrise vor drei Jahren zu den Sorgenkindern der europäischen Börsen. Vor allem die schwer kalkulierbaren Risiken durch Schrottpapiere in den Bankbilanzen, teilweise oder vollständige Verstaatlichungen im Zuge der Finanz- und Euro-Krise und das wachsende Misstrauen der Banken untereinander haben der Finanzbranche in den vergangenen Jahren schwer zugesetzt.
Affären und Skandale um unsaubere Geschäftsmethoden im Bankenvertrieb oder Händler, die Milliarden ihrer Geldhäuser verzockten, gaben vielen Aktien des Bankensektors den Rest und zerstörten viel Vertrauen bei den Anlegern.
Als Folge davon sind viele Bankentitel gemessen an ihren Gewinnperspektiven niedrig bewertet und somit günstig zu haben. Das zeigt etwa das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) vieler Bankaktien. Derzeit ist die Aktie der Deutschen Bank mit dem sechs- bis siebenfachen der erwarteten Unternehmensgewinne für 2012 bewertet. Allgemein gilt ein KGV von weniger als zehn als Indiz für eine niedrige Bewertung. Die Aktien großer europäischer Aktien liegen denn auch meist unterhalb von sechs. Selbst Spaniens Großbanken Banco Santander und BBVA kommen auf Werte von 7,9 und 9,3. Die britische Barclays kann mit einem KGV von 6,1 aufwarten, die französische BNP Paribas mit 5,1 und die niederländische ING sogar mit nur 4,0. Commerzbank und Deutsche Bank sind aktuell mit dem 5,5-fachen ihrer Gewinne bewertet. Insbesondere letztere Aktie empfehlen viele Analysten zum Kauf.
Mit den niedrigen Bewertungen gibt es jedoch ein Problem: Sie basieren auf den Gewinnerwartungen, die von einer anhaltend guten Konjunktur ausgingen. Kommt es zum scharfen Konjunktureinbruch oder müssen die Banken und Bankanalysten im Jahresverlauf ihre Gewinnschätzungen revidieren, sind die optisch niedrigen Bewertungen dahin. Das niedrige KGV ist eben Indiz für günstige Bewertung, mehr nicht.
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