Staatsanleihen: Anleihemarkt auf Talfahrt

Staatsanleihen: Anleihemarkt auf Talfahrt

Seit die US-Notenbank Fed vergangene Woche den langsamen Rückzug aus der lockeren Geldpolitik in Aussicht gestellt hat, sind die Anleihekurse im Sinkflug. Ist das der Beginn einer langanhaltenden Flucht aus Staatsanleihen?

Bei den Anleiherenditen haben Anleger eine lange Durststrecke zurückgelegt und in den vergangenen Jahren niedrige Renditen zugunsten von Sicherheit ihrer Geldanlage hingenommen. Deutlich über der Inflationsrate liegende Renditen gab es nur für deutlich mehr Risiko: entweder in Form von Anleihen der Schuldenkrisenländer wie Spanien oder Griechenland, oder aber mit Unternehmensanleihen, die niemals so große Sicherheit bieten können, wie Staaten mit stetigen Steuereinnahmen. Die Kurse von Staatsanleihen des Bundes oder der USA kletterten in geradezu absurde Höhen, ihre Renditen aber blieben regelmäßig unterhalb der Inflationsrate.

Nun aber könnte sich eine Trendwende andeuten. Immer mehr Anleger kehren dem Anleihemarkt den Rücken. Der neue Kurs in der US-Geldpolitik belastet die europäischen Anleihemärkte. Der richtungsweisende Bund-Future rutschte um 81 Ticks auf 140,58 Zähler ab und notierte damit so niedrig wie zuletzt im Oktober 2012. Die Anleihen der hoch verschuldeten Länder Spanien und Italien gingen ebenfalls auf Talfahrt.

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Vertrauen schwindet Finanzmärkten droht ein Fiasko

In Japan hat die Zentralbank die Kontrolle über den heimischen Anleihe- und Aktienmarkt verloren. Das größte geldpolitische Experiment der Wirtschaftsgeschichte droht in einem Fiasko zu enden.

huGO-BildID: 30249747 A U.S. one-hundred dollar bill (C) and Japanese 10,000 yen notes are spread in Tokyo, in this February 28, 2013 picture illustration. The dollar also came off a three-month peak against the euro and surrendered most gains versus the yen, but analysts say the outlook for the U.S. currency remains bright on expectations the U.S. economy is outperforming its major counterparts. REUTERS/Shohei Miyano (JAPAN - Tags: BUSINESS) Quelle: REUTERS

"Die Märkte befürchten nach wie vor, dass die schwindende Liquidität für alle Assets schmerzlich sein wird", sagte Commerzbank-Analyst Rainer Guntermann. Die heftigen Kursbewegungen belegten die große Vorsicht der Anleger. Nach Einschätzung von Marktstratege Jörg Rahn von Marcard, Stein & Co wird der Richtungswechsel der Fed von Investoren als Zeitenwende interpretiert. Der Höhepunkt eines fast 30 Jahre währenden Booms am Anleihenmarkt sei vorbei. Fed-Chef Ben Bernanke hatte Mitte vergangener Woche angekündigt, er könne die Anleihenkäufe möglicherweise noch in diesem Jahr zurückfahren und sie bis Mitte 2014 auslaufen lassen.

Der amerikanische T-Bond-Future, der die Rendite von US-Staatsanleihen mit 30 Jahren Laufzeit widerspiegelt, verlor am Morgen knapp einen Punkt auf 134 Zähler. Er notiert inzwischen so niedrig wie zuletzt im August 2011. Eine Stabilisierung von Bundesanleihen und US-Treasuries ist Händlern zufolge noch nicht absehbar. “Der Markt bleibt ängstlich, dass die Ausstiegs-Politik der Fed für die Bonds eine schmerzhafte Angelegenheit werden wird”, sagte Guntermann gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg. “Es gibt kaum Anzeichen für eine Stabilisierung und der Markt ist verwundbar.” Die hohen Anleihekurse nutzten die Anleger nun für einen Verkauf und somit für die Realisierung von Kursgewinnen.

Staatsanleihen Schwellenländeranleihen gehören in jedes Depot

Staatsanleihen aus Deutschland oder den USA sind ausfallsicher, bringen aber kaum Rendite. Schwellenländeranleihen bieten höhere Erträge. Die Risiken sind dabei mittlerweile überschaubar. Ein Gastbeitrag.

Brasilien hat mehr zu bieten als nur Rio de Janeiro mit Christusstatue und Zuckerhut. Staatsanleihen des Schwellenlandes können ein sinnvoller Baustein im Anlageportfolio sein Quelle: dapd

Die Kehrseite der Geschichte: Die Renditen steigen. Die Umlaufrendite im deutschen Markt, die die durchschnittliche Rendite aller inländischen börsennotierten Anleihen höchster Bonität in einer Zahl verdichtet, stieg allein am 24. Juni von 1,37 Prozent auf 1,47 Prozent. Anfang Mai markierte die Umlaufrendite noch mit knapp einem Prozent einen Tiefpunkt, Anfang April hatte sie noch bei mehr als drei Prozent gelegen.

Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit, die insbesondere während der Schuldenkrise als sicherer Hafen gefragt waren, mussten so weitere Kursverluste hinnehmen. Die Rendite stieg im Gegenzug auf mehr als zwei Prozent – und lag damit wieder deutlich über dem derzeitigen Inflationsniveau von 1,5 Prozent. Auch die Renditen für Spanien- und Italienbonds stiegen kräftig.

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Händlern zufolge interpretieren Anleger die angekündigte Straffung der US-Geldpolitik als Zeitenwende am Anleihemarkt. Sie stellten sich auf steigende Renditen ein, was ihnen nach dem jahrelangen Bond-Boom schmerzhafte Kursverluste einbrocken würde.

Deshalb stiegen sie in Scharen aus Anleihen aus. Sinken die Anleihekurse weiter und steigen die Renditen weiter, sind sie auch für Privatanleger wieder deutlich attraktiver. Dieser Trend belaste auch Aktien, da sie lange als bessere Alternative zu Anleihen beworben wurden.

Dementsprechend setzte der deutsche Aktienindex Dax seine Kursverluste der vergangenen Woche zunächst fort und fiel um 1,1 Prozent auf 7700 Zähler und damit auf den tiefsten Stand seit Ende April.

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