Staatsanleihen: Italien macht billiger Schulden

Staatsanleihen: Italien macht billiger Schulden

Italien hat sich 8,5 Milliarden Euro am Anleihemarkt besorgt und dafür so niedrige Zinsen bezahlt wie zuletzt 2010. Auch für andere Peripheriestaaten deutet sich weitere Entspannung an.

Die Refinanzierungslage für die Euro-Krisenländer hellt sich weiter auf. Am Donnerstag platzierte Italien Staatsanleihen im Volumen von 8,5 Milliarden Euro auf dem Rentenmarkt. Das Land lieh sich das Geld mittels dreier Rentenpapier für vier, fünf und zehn Jahre. Dank guter Nachfrage muss Italiens Regierung die fünfjährige Anleihe nur mit niedrigen 2,43 Prozent verzinsen, für den zehnjährigen Bond waren nur 3,81 Prozent fällig.

Damit sind die Renditen für Italiens Staatsanleihen auf den niedrigsten Stand seit 2010 gesunken. Beim fünfjährigen Papier war es sogar der niedrigste Zins seit Einführung des Euro. Zum Vergleich: Zehnjährige Bundesanleihen rentierten zuletzt bei 1,72 Prozent, für US-Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit liegt die Rendite derzeit bei 2,71 Prozent.

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Damit kündigt sich eine Fortsetzung der Entspannung in der Euro-Schuldenkrise an. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte erst kürzlich in ihrer Regierungserklärung, die Schuldenkrise sei zwar nicht gebannt, aber unter Kontrolle. Offenbar teilen die Marktteilnehmer diese Einschätzung. Kritiker fürchten bereits, dass die jüngst erfolgreichen Anleihenauktionen von Irland, Spanien und Portugal mit nachlassendem Reformdruck für diese Länder einhergehe.

Die Feuerprobe steht jedoch noch bevor: Bislang ist nicht absehbar, wann Griechenland an den Kapitalmarkt zurückkehrt. Tatsächlich feiert Italiens Regierung die gesunkenen Schuldzinsen als Beleg für den Erfolg der Programme zu mehr Haushaltsdisziplin und zur Belebung des Arbeitsmarktes.

Die italienische Wirtschaft kommt unterdessen nicht recht in Schwung. Der rigide Kündigungsschutz behindert Umstrukturierungen und Unternehmer halten sich wegen der langsamen Arbeit der Justiz mit neuen Investitionen zurück. Auch bei den Steuern fordert die Wirtschaft weiter Reformen. Im Dezember 2011 waren die Renditen für zehnjährige italienische Anleihen auf mehr als sieben Prozent geklettert und hatten zu einem Reformschub geführt, der allerdings nach einigen Monaten bereits wieder nachließ. Die Arbeitslosigkeit verharrt weiter auf einem Höchststand bei 12,7 Prozent.

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Seit Jahresbeginn hat sich die Lage am Anleihenmarkt für eine Reihe südeuropäischer Staaten deutlich entspannt, Irland hat gar den Rettungsschirm ganz verlassen. Dennoch gibt es deutliche Unterschiede in der Bonitätsbewertung durch den Kapitalmarkt. Bei einer Auktion fünfjähriger Bonds am 10. Januar zahlte Portugal knapp 4,67 Prozent Schuldzinsen, nur gut 0,2 Prozentpunkte weniger als ein Jahr zuvor. Immerhin überstieg die Nachfrage das Angebot um das Dreifache, Portugal konnte die Hälfte seines jährlichen Finanzbedarfs damit decken.

Nur einen Tag zuvor gelang Spanien die Kreditaufnahme am Anleihenmarkt im Volumen von 5,3 Milliarden Euro mit der Ausgabe fünf- und fünfzehnjähriger Anleihen. Die Rendite für die fünfjährigen Papiere sank dabei auf 2,38 Prozent. Die Renditen zehnjähriger Anleihen sanken daraufhin auf 3,76 Prozent. Für das Gesamtjahr 2014 plant Spanien Anleihe-Emissionen im Volumen von 242,4 Milliarden Euro, was einer Nettoneuverschuldung von 65 Milliarden Euro entspricht.
Irland war bereits nach dem Verlassen des Euro-Rettungsschirms am 7. Januar erfolgreich an den Kapitalmarkt zurückgekehrt. Die Emission war um das Vierfache überzeichnet.

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