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Kommentar Staatsanleihen: Kaufen, was niemand haben will

von Christof Schürmann

Wer gegen die Herde lief, hat dieses Jahr wieder die höchsten Gewinne gemacht – mit Anleihen. Staatspapiere der Euro-Zone brachten am meisten. Nach dieser Logik sind jetzt Spanien-Anleihen an der Reihe.

Eine Euro-Münze Quelle: dpa
Eine Euro-Münze. Mit den Anleihen der Krisenländer konnte im vergangenen Jahr dank Rettungsmaßnahmen viel Geld verdient werden Quelle: dpa

Es gibt an den Finanzmärkten diejenigen, die der Herde folgen, das ist die Mehrzahl; und diejenigen, die genau das Gegenteil von dem tun, was alle gerade machen oder empfehlen. Diese wenigen sind die sogenannten Contrarians.

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Auch wenn alle gängigen Anlageklassen dieses Jahr bisher im Durchschnitt positiv abgeschnitten haben, labt sich doch der Contrarian an den steilsten Gewinnen. Er hat zu Jahresanfang gekauft, was niemand haben wollte: Staatsanleihen aus der Euro-Zone. Griechenland mal außen vorgelassen, waren am Jahresanfang portugiesische Papiere mit großem Abstand am schlechtesten beleumundet. Ein Fressen für den Contrarian.

Lissabons Anleihen mit einer Laufzeit zwischen einem und drei Jahren brachten bisher 28 Prozent plus; solche mit einer Laufzeit zwischen fünf und sieben Jahren sogar mehr als 54 Prozent. Zum Vergleich: Vermeintlich sichere Beteiligungen an Portugals Unternehmen liegen, gemessen an Lissabons Aktienindizes, auf Jahresanfangsniveau.

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Der Verwalter des weltweit größten Anleihefonds, Bill Gross, rät zum Kauf spanischer und italienischer Staatsanleihen. Es ist eine Wette auf die Inflation und die Zahlungsbereitschaft der Europäer.

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Langfristige Gewinne mit Frankreich und Deutschland

Nicht nur mit portugiesischen Anleihen konnten Anleger ordentlich Performance machen: Irische, italienische oder belgische Titel brachten bei langen Laufzeiten 20 bis 30 Prozent Ertrag seit Jahresanfang, kurze Laufzeiten bis zu drei Jahre zwischen fünf und acht Prozent plus.

Selbst deutsche Staatsanleihen brachten über alle Laufzeiten positive Erträge, bei Langläufern im Schnitt mehr als sechs Prozent. Wer in den Nachbarn Frankreich investierte, verbuchte bis dato knapp zwölf Prozent Gewinn bei langen Laufzeiten.

Schmuddelkind war 2012 bisher Spanien: Ein- bis siebenjährige Laufzeiten brachten nur geringe Zuwächse, ab einer Laufzeit von sieben Jahren dreht eine zu Jahresbeginn getätigte Investition ins Minus. Der Contrarian konnte es ahnen: Zu Jahresanfang betrugen die Prämien für Kreditausfallversicherungen für Spanien nur ein Drittel derjenigen Portugals. Selbst das wirtschaftlich deutlich stärkere Italien wurde schwächer eingeschätzt als Madrid.

Daran gemessen, müsste der Contrarian jetzt spanische Papiere kaufen – oder ist das Beste in den letzten Wochen doch schon gelaufen?

So lesen Sie die Tabellen:

Boston Consulting ermittelt die besten zehn Aktien jeder Branche. Der Gesamtertrag (Tabelle, linke Spalte) zeigt, wie viel Prozent Anleger aus Kursgewinn und Dividenden seit Ende 2006 im Schnitt pro Jahr verdienten. Aus der Analyse der Quellen, aus denen der Erfolg sich speist, lässt sich ableiten, ob eine Aktie günstig ist. Beruht der Ertrag auf Umsatzwachstum, Gewinnmargen und Schuldenabbau, ist dies positiv.

Wankelmütige Anleger

Ein Unternehmen, das unter sonst gleichen Bedingungen seine Gewinnmarge verdoppelt, etwa von 20 auf 40 Cent Gewinn je Dollar Umsatz, müsste auch seinen Börsenwert verdoppeln. In der Realität passiert das nie, weil Anleger
Zahlen je nach Börsenstimmung anders bewerten. Ist eine Aktie stark gestiegen, obwohl sich die fundamentalen Daten eher schwach entwickelt haben, muss sich die Haltung der Anleger verändert haben: Sie gestehen dem Unternehmen etwa pro erwirtschafteten Dollar Gewinn einen höheren Börsenwert zu. Je mehr eine Aktie vom Faktor Börsenbewertung (vorletzte Spalte) profitiert hat, desto riskanter. Denn ebenso schnell, wie Aktien an der Börse beliebt werden, können sie in Ungnade fallen. Bei der Berechnung gilt: Höherer Umsatz und höhere Gewinnmargen sind wertsteigernd, ebenso Dividenden, Schuldenabbau und Aktienrückkäufe. Kapitalerhöhungen sind wertmindernd, da der Gewinn sich danach auf mehr Aktien verteilt. Der Erfolg von Kia Motors (Zeile 2) berechnet sich so: 17 Prozentpunkte aus Umsatzwachstum, 39 Prozentpunkte aus höheren Gewinnmargen, ein Punkt Dividende. 33 Punkte hat die Geringerbewertung der Kia-Gewinne (Anleger gestehen Kia für einen Dollar Gewinn relativ weniger Börsenwert zu) zunichte gemacht, drei Punkte gingen durch Ausgabe neuer Aktien verloren, 18 Prozentpunkte plus wiederum schuf Kia aus Schuldenabbau. In Summe sind dies 17+39+1–33–3+18 = 39 Prozent Gesamtertrag pro Jahr.

Illustrationen: Kristina Düllmann

Nun, die einfachsten Gewinne sind gemacht, dennoch gibt es noch Chancen – allen warnenden Rufen vor dem Untergang zum Trotz. Gemessen an der Wirtschaftsleistung der Euro-Zone und dem Potenzial, Steuern zu erhöhen beziehungsweise einfach mal einzutreiben, ist der gemeinsame (!) Schuldenstand von rund 90 Prozent des Bruttoinlandsproduktes noch zu stemmen. Deutlich düsterer sieht es da in den USA und Japan aus.

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Entscheidender Faktor ist Berlin: Da es keine wichtige Partei – weder dunkelrot noch rot, grün oder schwarz – gibt, die Pläne hegt, die Euro-Schuldenunion zu stoppen, sollten Staatsanleihen der Südländer auf Sicht der nächsten zwölf Monate positive Renditen bringen.

Ein paar Euro lässt der Contrarian also in Lissabon, Rom und sogar neu in Madrid.

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