Staatsanleihen teurer: Eurokrise setzt Spanien und Frankreich zu

Staatsanleihen teurer: Eurokrise setzt Spanien und Frankreich zu

, aktualisiert 17. November 2011, 15:49 Uhr
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Die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main.

Quelle:Handelsblatt Online

Spanien und nun auch Frankreich geraten immer stärker unter Druck. Beide Länder konnten sich nur zu deutlich höheren Zinsen frisches Geld am Markt besorgen. Spanien nährt sich der bedrohlichen Grenze von sieben Prozent.

Madrid/ParisSpanien musste den Anlegern bei der letzten Auktion vor den Wahlen am Sonntag fast sieben Prozent Rendite bieten und nähert sich damit bedrohlich der Marke, ab der sein Schuldendienst zu teuer wird. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble warnte vor einem Übergreifen der Schuldenkrise auf die Wirtschaft. „Wir müssen uns darauf konzentrieren, die drohenden Ansteckungseffekte im Bankensektor abzuwehren - die sind wegen des hohen Gewichts der Euro-Staatsanleihen bei den europäischen Banken gegeben“, sagte Schäuble in Berlin. „Und wir müssen vor allen Dingen ein Überspringen auf die Realwirtschaft verhindern - die Anzeichen dafür sind leider gegeben.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel warnte vor übertriebenen Erwartungen an die Europäische Zentralbank (EZB), die den Schuldenländern mit Staatsanleihenkäufen unter die Arme greift und deren Zinskosten de facto drückt: Marktunsicherheiten könnten nur durch „feste politische Lösungen überwunden werden“, mahnte die Kanzlerin an die Adresse Frankreichs gerichtet, das auf eine Ausweitung der EZB-Rolle zu einem Staatsfinanzierer dringt. Die Regierung in Paris erneuerte ihre Forderung an die Währungshüter, sich jetzt um die Finanzstabilität der Euro-Zone zu kümmern. Dies bedeutet im Klartext: ihre Staatsanleihenkäufe auszuweiten.

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Nach den Worten des stellvertretenden Unions-Fraktionschef Michael Meister wird Deutschland bei seiner klaren Ablehnung der französischen Idee bleiben und auch der Forderung nach einer Banklizenz für den Euro-Rettungsschirm EFSF nicht nachgeben. „Beide Wege sind falsch. Beide Wege versuchen, Probleme durch Gelddrucken zu lösen und vertagen die Probleme nur in die Zukunft“, sagte Meister in einem Reuters-Interview. Die EZB hat bereits Anleihen von klammen Euroländern wie Spanien, Griechenland und Italien im Volumen von mehr als 187 Milliarden Euro erworben.

Trotz der Stützungskäufe der EZB geriet mit Spanien die viertgrößte Volkswirtschaft der Schuldenkrise noch tiefer in den Schuldenstrudel. Es musste für eine Staatsanleihe mit Laufzeit bis 2022 den Investoren dafür eine satte Rendite von 6,9 Prozent bieten. Ein solch hohes Niveau hatte es zuletzt lange vor der Einführung des Euro im Jahr 1997 gegeben.

Auch das Ausgabevolumen fiel mit 3,563 Milliarden Euro relativ schwach aus. Das Land hatte eine Zielspanne für die Emission von drei bis vier Milliarden Euro angepeilt. Das zurückhaltende Interesse der Investoren an den Papieren ist für den Experten Ralf Umlauf von der Helaba beunruhigend: „Die Emission ist offenbar nicht reibungslos verlaufen, da nicht das volle Volumen zugeteilt wurde. Von Beruhigung kann also keine Rede sein.“ Der gesamte Markt für europäische Staatsanleihen leide unter Verunsicherung. „Einzige Ausnahme: Deutschland“, fügte Umlauf hinzu.


Frankreich will "sicherer Hafen" bleiben

Während immer mehr Euro-Länder rekordhohe Zinsen zahlen müssen, kann sich die Bundesrepublik günstiger denn je refinanzieren. Deutschland profitiert wegen der Schuldenkrise von seinem Status als sicherer Hafen. Auch Frankreich, das mit einer Reformagenda sein Top-Rating bewahren will, sieht sich trotz der jüngst gestiegenen Zinsen als ein solcher Hort der Sicherheit. „Für mich sind wir weiter ein sicherer Hafen“, betonte der Chef der Schuldenagentur, Philippe Mills. Doch an den Anleihemärkten gerät das Land zunehmend in raue See: Bei der Aufstockung von Anleihen im Volumen von insgesamt fast sieben Milliarden Euro musste auch Frankreich mehr Zinsen zahlen. Für Papiere mit zwei- und vierjähriger Laufzeit wurden um rund einen halben Prozentpunkt höhere Renditen fällig als zuletzt.

Dennoch ist Frankreich noch weit von der kritischen Marke von sieben Prozent entfernt, die als Obergrenze für eine auf Dauer tragfähige Refinanzierung an den Kapitalmärkten gilt. Italien pendelt bereits um diese rote Linie, Spanien kommt ihr bedrohlich nah. In dem südeuropäischen Land stehen die Sozialisten unter ihrem Ministerpräsidenten Jose Luis Rodriguez Zapatero am Sonntag vor der Abwahl.

Er hatte zwar mit einer konsequent betriebenen Reformagenda lange Zeit an den Märkten für Vertrauen in die Schuldentragfähigkeit des Landes gesorgt, doch gerät Spanien im Sog der eskalierenden Krise nun wieder verstärkt ins Visier der Investoren. Hinzu kommt die Sorge, dass das von hoher Arbeitslosigkeit geplagte EU-Land womöglich in eine Rezession gerät, die seine Defizitziele in Gefahr bringen könnte. Der voraussichtliche Wahlsieger Mariano Rajoy versichert, Spanien als Regierungschef auf Sparkurs zu halten.

Quelle:  Handelsblatt Online
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